Durchwachsene Zwischenbilanz bei Winzern an Saale und Unstrut

29.10.2013, 06:01
Die früh einbrechende Kälte kam der Reife nicht zugute. Foto: Jan Woitas
Die früh einbrechende Kälte kam der Reife nicht zugute. Foto: Jan Woitas dpa-Zentralbild

Freyburg/Bad Kösen - Die Winzer im Saale-Unstrut-Gebiet bewerten den Jahrgang 2013 bislang sehr unterschiedlich. "Manche sind mit der Menge und Qualität zufrieden", sagte der Sprecher des Weinbauverbands Saale-Unstrut, Theo Lies, in Freyburg (Burgenlandkreis). Andere seien sehr enttäuscht über die bisherige Ausbeute. Grund sei früher Frost Anfang Oktober. Einige Reben seien durch die Kälte an den Hängen stark beschädigt worden. Andere Weinberge, in denen lauere Luft wehe, hätten keine Frostschäden verbucht. Noch knapp zwei Wochen dauere die Lese. 2012 war für die Winzer an Saale und Unstrut laut Weinbauverband ein ertragsschwaches Jahr.

Als größte Genossenschaft im Weinbaugebiet des malerischen Tals von Unstrut und Saale habe die Winzervereinigung Freyburg bislang rund zwei Millionen Liter Most geerntet, sagte Lies. Knapp 40 Hektar müssten noch gelesen werden. Die Vereinigung rechne am Ende mit einem Ertrag von 2,3 bis 2,4 Millionen Liter Wein. Die Qualitäten seien wahrscheinlich eher im "mittleren Bereich", dies sei aber von Sorte zu Sorte verschieden, erklärte der Geschäftsführer der Winzervereinigung, Gerald Lange.

Auf einen guten Tropfen des Jahrgangs 2013 könnten sich die Weinliebhaber zum Beispiel beim Weißwein Müller-Thurgau und Bacchus freuen. "Vieles wird von der Kunst der Kellermeister abhängen", sagte Lange mit Blick auf die Verarbeitung der geernteten Trauben. Christian Kloss, Geschäftsführer der Landesweinguts Kloster Pforta GmbH (Bad Kösen), geht davon aus, dass in diesem Jahr in dem Unternehmen mehr Weißwein und weniger Rotwein als 2012 geerntet wird. Die Qualität sei vor allem bei den späten Sorten wie Weißer Riesling, Roter Traminer, Weißer Burgunder trotz der Wetterkapriolen 2013 "erfreulich gut".

Nach ersten Hochrechnungen könnte demnach die Menge für das gesamte Weinbaugebiet bei 4,6 Millionen Liter Wein liegen, erläuterte Lies. Die Zahl sei jedoch noch vage. In knapp zwei Wochen würden auch die letzten Trauben - etwa der Sorte Riesling - von den Reben geholt. Dann wisse man mehr. Doch nicht alles wird von den Stöcken geholt. Für den Eiswein lässt die Winzervereinigung Trauben beim Weißwein Riesling und beim Rotwein vom Blauen Zweigelt hängen.

Im Landesweingut Kloster Pforta wird Eiswein je nach Wetterentwicklung wahrscheinlich ein roter Traminer sein, sagte Kloss. "Wir hoffen zum ersten Mal seit Jahren auch wieder Beerenauslesen und unter Umständen auch eine Trockenbeerenauslese herstellen zu können", sagte er mit Blick auf Besonderheiten für Weinkenner.

Das rund 760 Hektar große Anbaugebiet Saale-Unstrut gehört zu den kleinen unter den Anbaugebieten von Qualitätswein in Deutschland. Es erstreckt sich entlang der beiden Flüsse zum Großteil vom Süden Sachsen-Anhalts um Freyburg und Bad Kösen bis nach Thüringen, wo zu den bekanntesten Weinorten Bad Sulza gehört. Auch kleine Anbauflächen in Brandenburg, so in Werder an der Havel, zählen dazu. Typisch für Saale-Unstrut sind trockene Weine der Weißweinsorten Müller-Thurgau, Silvaner und Bacchus und der Rotwein Portugieser.

Das Anbaugebiet ist zudem mehr als 1000 Jahre alt und hat noch heute historische Flächen unter Bewirtschaftung. Dazu gehört nach Angaben von Kloss der Gosecker Dechantenberg. Das rund 50 Hektar große Landesweingut Kloster Pforta ist nach eigenen Angaben das größte Einzelweingut im Weinanbaugebiet Saale-Unstrut. 1993 wurde es vom Land Sachsen-Anhalt übernommen. Rund 470 Winzer, die sich überwiegend im Nebenerwerb dem Weinbau widmen, gehören den Angaben zufolge zur Winzervereinigung Freyburg.