Serie Magdeburger Straßennamen, Folge 909

Eine Olvenstedter Straße erinnert an wüsten Ort

22.06.2011, 04:30

Wir leben in Straßen und wissen oft nicht, was die Straßennamen bedeuten, wer die Menschen gewesen sind oder welche Orte, Begriffe von Flora und Fauna die Namensgeber waren. In einer Serie beleuchtet die Volksstimme die Straßennamen der Elbestadt. Heute: Die Lebersdorfer Straße.

Alt-Olvenstedt (rri). Die Straße wurde dem statistischen Bezirk "Siedlung Birkenallee" zugeteilt und befindet sich zwischen Hegewiesenweg und Birkenallee. Die Postleitzahl ist 39130.

Ihren Namen erhielt die Straße nach Angaben des Stadtarchivs im Jahr 1992. Zuvor hieß sie Karl-Wagner-Straße. Benannt wurde sie nach einer Ortschaft, die interessierte Betrachter heute aber vergeblich suchen.

Denn mit der Benennung der Straße wird an den Ort Lebersdorf erinnert, den es schon lange nicht mehr gibt und der einst südöstlich von (Alt-)Olvenstedt auf dem Gebiet des heutigen Neustädter Feldes zu finden war. Bereits im Mittelalter, vermutlich etwa in der Mitte des 14. Jahrhunderts, wurde Lebersdorf zur Wüstung und existiert heute nicht mehr.

Lebersdorf (auch Lewersdorf) wurde erstmals urkundlich im Jahr 937 als Lioboltesdorf erwähnt. Kaiser Otto I. schenkte den Ort neben anderen Gütern dem Mauritiuskloster in Magdeburg. 1015 wurde Lebersdorf dann Eigentum des dortigen Klosters Unser Lieben Frauen.

Vermutlich durch Zerstörungen aufgrund von Kriegshandlungen und der darauf folgenden Hungersnot, Armut sowie Seuchengefahr kam es während des frühen und späten Mittelalters zu ausgeprägten Wüstungsvorgängen. Auch verschiedene Dörfer in der Umgebung Olvenstedts, darunter Lebersdorf, waren betroffen. Die Bewohner verließen ihre Heimatorte, um sich in anderen Städten oder Dörfern ein neues und gesichertes Leben aufzubauen.

Aufzeichnungen zur weiteren geschichtlichen Entwicklung ist zu entnehmen, dass Erzbischof Otto das Dorf Olvenstedt zusammen mit den Feldmarken der wüsten Ortschaften im Jahr 1351 dem Magdeburger Domkapitel verkauft hatte. Dazu dürfte auch die Feldmark von Lebersdorf gehört haben.

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(Quellen: Stadtarchiv, Literatur: "Stadtteilentwicklungsplanung Olvenstedt"/Schriftenreihe des Stadtplanungsamtes Nr. 41/1995; Internet: www.wikipedia.org)