Geschenk von der Buga Koblenz kommt nach gut 700 Kilometern Schiffstour in der Hansestadt an

Linden kehren in die Havelregion zurück

Von Andrea Schröder 05.06.2013, 03:16

Gut gelandet sind gestern die 26 Kastenlinden von der Buga Koblenz in der Hansestadt Havelberg. Mehr als 700 Kilometer fuhren sie im Gütermotorschiff "Bayrischer Wald" über Flüsse und Kanäle.

Havelberg l Kurz vor acht nimmt Eberhard Butenhof gestern Morgen Kontakt mit der Schleuse in Rathenow auf und bittet um Schleusung in Havelberg. Die Frage des Mitarbeiters zur Ladung beantwortet dieser gleich selbst: "Bäume - habe ich in der Zeitung gelesen." Die Schleusentore öffnen sich, die Ampelanlage schaltet auf Grün. Vor dem Gütermotorschiff "Bayrischer Wald" liegen nach gut 700 Kilometern die letzten Meter bis zum Ziel.

Am alten Verladehafen des früheren Betonsteinwerkes macht das Schiff bald darauf fest. Einige Medienvertreter warten bereits. Kurz darauf kommt der Kran, der die besondere Fracht löschen soll. Mitarbeiter der Bauhofes unterstützen das Entladen der 26 Kastenlinden. Sie wuchsen seit 2010 in Koblenz in Containern, waren zur Buga 2011 mobiles Grün auf einem Parkplatz. Weil es keine Verwendung mehr gibt, bot die Stadt Koblenz die Linden als Geschenk an. Havelberg hat "Ja" gesagt und wird sie für die Zeit der Buga auf dem neu zu bauenden Parkplatz in der Elbstraße als Schmuck verwenden. Danach werden sie ausgepflanzt.

Für Brückendurchfahrt Laderaum geflutet

Für den Ausstellungsbevollmächtigten der Buga, Rainer Berger, stand die Frage, wie die knapp sechs Meter hohen Bäume nach Havelberg gelangen. Der Transport auf der Straße hätte 13 bis 15 Lkw-Ladungen bedeutet und wäre teurer gewesen als die Schifffahrt. Für Eberhard Butenhof war ein solcher Transport kein Problem, ist er doch erfahren mit extravaganter Ladung.

Der gebürtige Seehäuser, der in Neukirchen aufgewachsen ist, hat zum Beispiel schon ein großes Reiterdenkmal von König Wilhelm III. samt 170 geladenen Gästen auf seinem Schiff gehabt oder sieben überdimensionale Biergläser. Die waren für eine Protestaktion gegen die Aufhebung des Reinheitsgebotes gedacht. Das größte maß sieben Meter. Zur Photokina belud er sein Schiff mit einer Videokamera: 18 Meter lang, 11 Meter hoch und 10 Meter breit.

Die Linden sorgten auf dem Weg von Koblenz nach Havelberg immer wieder für große Aufmerksamkeit. Wann fährt schon mal ein Wald auf dem "Bayrischen Wald"? Ein großes blaues Banner machte Werbung für die Bundesgartenschau 2015.

Die größte Herausforderung waren die noch alten Brücken bei Münster, erzählt der 60-Jährige, zu dessen Besatzung neben seiner Frau die 21-jährige Bootsmännin Lisa Nolting und eine Tschechin gehören. Die eingepumpten 770 Tonnen Ballast reichten nicht für die Durchfahrtshöhe von 4,25 Meter aus. Deshalb flutete er den Laderaum zusätzlich mit Wasser. Die Baumkronen streiften dennoch die Brücken, nahmen aber keinen Schaden. Und ausreichend gewässert waren sie dadurch auch.

Die Linden stehen im saftigen Grün. Mit Wasser und Dünger werden sie auch weitere zwei Jahre in ihren Containern aushalten, ist sich Rainer Berger sicher. Die Bäume sind nun übrigens wieder in die Havelregion zurückgekehrt, denn sie kommen aus einer Baumschule im Havelland.

Mehr Fotos unter www.volksstimme.de/havelberg

Juli 2013