Vom Schreiner zum modernen Bestattungsunternehmen

01.03.2012, 13:53

Nicht jeden Beruf kennt man, aber es gibt Berufe, mit denen jeder Mensch in seinem Leben einmal in Berührung kommt. Dazu gehört auch der Beruf des Bestatters. Über Jahrhunderte hinweg war der Beruf des Bestatters eng mit dem des Schreiners verbunden, der neben Tischen und Schränken auch Särge angefertigt hat. Die Anforderungen an die Branche und das Image des modernen Berufszweigs haben sich tiefgreifend verändert.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich das Berufsbild gewandelt. Bestatter führen Vorsorgegespräche, um den eigenverantwortlichen, letzten Schritt der Menschen kompetent und einfühlsam zu begleiten. Seit der Kürzung des Sterbegeldes der gesetzlichen Krankenkassen, das zum 1. Januar 2004 ganz gestrichen wurde, ist jeder selbst in die Verantwortung genommen.

Das Thema Tod ist für viele Menschen nach wie vor mit Ängsten besetzt, so dass Mut dazugehört, ein Bestattungsinstitut zu Lebzeiten zu betreten. Doch nur, wer nicht von einem Trauerfall betroffen ist, kann in Ruhe planen, was ihm wirklich wichtig ist. Eine Bestattung ist mehr als das Verschwindenlassen eines Verstorbenen. Es geht um Abschiednahme, um bewusste Abschiednahme. Es geht auch um die Frage, welchem der vier Elemente man sich besonders zugehörig fühlt, ob Erde, Feuer, Wasser oder Luft.

Spirituellen Beistand suchen viele Angehörige heute nicht bei den Bestattern und Bestatterinnen, die ihr erster Ansprechpartner sind. Auch die Bestattungsrituale haben sich verändert. Weiße Luftballons steigen bei Kinderbestattungen in die Luft. Kinder malen die Särge von Großeltern oder Geschwistern bunt an. Die Urne wird nicht nur auf Friedhöfen, sondern auch an den Wurzeln eines Baumes in entsprechend ausgewiesenen Wäldern bestattet. Kurz, die Bestattung spiegelt nicht nur das Leben des Verstorbenen wider, sondern auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod zu Lebzeiten.

Bestatter bieten heutzutage eine umfassende Beratung an, die rechtliche, finanzielle und organisatorische Informationen umfasst. Diese Art der Kundenorientierung schafft eine offene Gesprächsatmosphäre und baut Berührungsängste mit dem Thema ab. Quelle: Dr. Kerstin Gernig, Kuratorium Deutsche Bestattungskultur