Oldtimer-Rallye

Von Peking nach Paris - über Stendal

Die 36-tägige Oldtimer-Rallye Peking-Paris startet. Dank dem Burgstaller Hans-Jürgen Schäfer läuft sie auch durch die Altmark.

Von Donald Lyko 02.06.2019, 01:01

Stendal l Die erste Etappe seines Abenteuers nimmt Hans-Jürgen Schäfer erst einmal im Flugzeug in Angriff. Am Mittwoch fliegt er nach Novosibirsk, trifft dort einen Freund und dessen Familie.

Die Freundschaft zu den Oldtimer-Fans in Novosibirsk besteht seit gut acht Jahren. Los ging sie mit einem ersten Kontakt bei der Suche nach Ersatzteilen via Ebay. Daraus sind gegenseitige Besuche und regelmäßige Telefonate geworden. Auch, weil Frau und Tochter des Freundes gern Deutsch lernen wollten und wollen.

Vor vier Jahren hatte Hans-Jürgen Schäfer per E-Mail die Information bekommen, dass der Oldtimerclub Barnaul/Novosibirsk bei der Planung der Rallye Peking-Paris mithelfen soll. „Es ist eine Gedächtnisrallye, die an die erste Tour im Jahr 1907 erinnert und 1997 wiederbelebt wurde. Die Strecke soll aber immer eine andere sein“, sagt der Burgstaller. In diesem Jahr findet sie zum siebten Mal statt.

Er wird die Rallye in Russland mitmachen, denn seine russischen Oldtimerfreunde konnten als Dank und Lohn für ihre Mitarbeit bei der Routenplanung und Organisation eines Rahmenprogrammes, für die Übersetzertätigkeit und Hilfe bei Reparaturen, zehn Fahrzeuge benennen, die zwischen der mongolischen Grenze und St. Petersburg die Rallye-Teilnehmer begleiten. Sie fallen nicht in die Wertung, weil sie nicht die gesamte Strecke mitfahren.

Am 8. Juni brechen die zehn Autos in Barnaul und Novosibirsk auf. Hans-Jürgen Schäfer nimmt in einem Wolga Typ 2410, Baujahr 1989, eines Freundes Platz, wird sich beim Fahren mit ihm abwechseln. Der Wolga wäre für die Wertung übrigens zu jung, denn die Rallye-Autos müssen vor 1976 hergestellt worden sein.

„An der mongolischen Grenze schließen wir uns dem Rallyeteam an und fahren über das Altai-Gebirge nach Novosibirsk. Im Altai werden wir zwei Nächte in Camps verbringen“, erzählt der Burgstaller. Weiter geht es in die Kasachische Steppe und dann quer durch Russland mit Tagesetappen von 450 bis 700 Kilometern.

Am 27. Juni trifft die Rallye in St. Petersburg ein. Zwar hat sich Hans-Jürgen Schäfer für den 29. Juni schon ein Rückflugticket reserviert, ob er aber in den Flieger einsteigt, entscheidet er spontan. „Eventuell fahre ich die Tour noch bis Stendal mit, weil auch einige Russen bis Paris mitfahren.“

Dass die Route kurz vor Ende über Stendal führt, ist Hans-Jürgen Schäfer zu verdanken. Er schlug den Organisatoren diesen Abstecher durch die Altmark vor, damit die 120 Teilnehmer auf der Etappe vom polnischen Stettin zur Wolfsburger Autostadt am 4. Juli nicht nur über die Autobahn fahren, sondern durch schöne Landschaften. Schäfer: „Es wird das erste Mal sein, dass die Rallye Peking-Paris Ostdeutschland kreuzt.“

Im vorigen Jahr hatte er sich in Tangermünde mit den Organisatoren getroffen. Sie wollten ursprünglich über die A 2 fahren und in Oschersleben einen Speedtest absolvieren – nun kommt Stendal am 4. Juli in den Genuss. Das erste Vorausfahrzeug wird gegen 12.30 Uhr auf dem Borsteler Flugplatz erwartet, der erste Oldtimer gegen 13 Uhr, über die B 189 von Tangermünde kommend.

Eine halbe Stunde später beginnt der Speedtest. Um 16.15 Uhr verlässt der letzte Oldtimer den Flugplatz. Gefahren wird über die Osterburger Straße und weiter nach Uenglingen.

 „Wir werden mit mehreren Oldtimerclubs vor Ort sein und die Fahrzeuge empfangen“, kündigte Schäfer an. Mit dabei sind die Nordwall Classic Garage Stendal und der Tangerhütter Oldtimer-Club, dessen Mitglied der Burgstaller ist. Gern können sich andere Oldtimer-Besitzer anschließen.

Am 7. Juli endet die Rallye in Paris. Hinter den Teilnehmern liegen dann rund 13 840 Kilometer, zurückgelegt auf der Straße und im unebenen Gelände, sogar kleinere Wasserwege müssen durchquert werden – eine Abenteuertour.

Auch wenn die Teilnahme pro Fahrzeug, besetzt mit zwei Personen, rund 52 000 Euro plus Kosten für Verschiffung und Treibstoff kostet, waren die 120 Plätze vor zwei Jahren schon ausgebucht. Schäfer: „Der Andrang ist immer sehr groß.“