Frohse l Die Sommerferien 2019 haben gerade erst angefangen und es scheint, als hätten einige Jugendliche in Schönebeck schon jetzt ziemliche Langeweile. Denn wegen gleich zwei Vorfällen im Abstand von nicht einmal drei Tagen mussten Beamte in der ersten Ferienwoche zum Bahnhof Schönebeck-Frohse ausrücken.

Am frühen Sonntagmorgen, 7. Juli, hatten sich zwei 18-Jährige vermutlich für eine Mutprobe unter den Augen von sechs anderen Jugendlichen mit dem Rücken zu einem herannahenden Zug an den Rand des Gleisbetts des Bahnhofs Schönebeck-Frohse gestellt. Erst kurz vor dem jungen Mann und der jungen Frau kam der Zug nach Schnellbremsung durch den Zugführer zum Stehen. Ein Halt an diesem Bahnhof war für die Regionalbahn, die aus Aschersleben auf dem Weg nach Magdeburg war, nicht geplant. Landespolizisten stellten die alkoholisierten Jugendlichen noch am Bahnhof.

Jugendliche in Psychiatrie

Nur zwei Tage später mussten erneut Beamte zum Bahnhof Schönebeck-Frohse ausrücken. Dort randalierten am Dienstagabend, 11. Juli, zwei Jugendliche, widersetzen sich den Polizisten bei der Feststellung der Personalien und wurden in Absprache mit einem Notarzt in die Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen. Grund dafür war auch ihr starker Alkoholpegel von 2,08 und 1,47 Promille.

„Ab einem Alkoholwert von 1,1 Promille gelten Personen als nicht mehr zurechnungsfähig und wenn sie sich dann auch noch Beamten widersetzen, haben wir die Möglichkeit, einer Einweisung. Die endet in der Regel nach 24 Stunden, wenn die Personen wieder nüchtern sind“, erklärt Marco Kopitz, Sprecher der Polizeireviere im Salzlandkreis. Gegen die Jugendlichen wird jetzt unter anderem wegen Sachbeschädigung ermittelt.

Verkannte Gefahr

Die beiden 18-Jährigen, die am Bahnhof Schönebeck-Frohse im Gleisbett standen, müssen sich wegen des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr strafrechtlich verantworten.

„Dass sich Personen im Gleisbett befinden, kommt leider sehr häufig vor“, erklärt Chris Kurpiers, Sprecherin der Bundespolizeiinspektion in Magdeburg. „Oft handelt es sich um Kinder, die die Gefahren nicht erkennen, aber auch sehr oft um Jugendliche und Erwachsene, die mit den Wegen über die Schienen Abkürzungen nehmen oder sich an den Schienen als Weg orientieren.“

Jugendliche handeln bewusst

Sie ergänzt: „Ein solcher Fall, wie jetzt am Bahnhof Schönebeck-Frohse ist mir in den vergangenen sieben Jahren in ganz Sachsen-Anhalt noch nicht untergekommen.“ Denn der Sachverhalt stelle sich so dar, dass die Jugendlichen bewusst stehen geblieben seien. „Die Beweggründe der Handelnden sind ein Teil der bundespolizeilichen Ermittlungen“, sagt die Sprecherin.

Mit dieser Aktion haben die beiden 18-Jährigen allerdings nicht nur sich selbst in Gefahr gebracht. Durch die Schnellbremsung des Zugführers hätten sich auch Personen im Zug verletzten können.

Lokführer sind geschult

Der Zugführer selbst nahm durch den Vorfall am frühen Sonntagmorgen keinen psychischen Schaden. Generell werden Lokführer auch auf solche Vorfälle vorbereitet „ Im Rahmen der Führerscheinprüfung zum Triebfahrzeugführer gibt es einen zwei- bis dreitägigen Block, der sich mit belastenden Ereignissen befasst“, erklärt Stefan Mouisol, Sprecher der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Anlässlich des aktuellen Vorfalls bittet die Bundespolizei darum, dass Erziehungsberechtigte ihre Kinder auf diese lebensgefährlichen Mutproben ansprechen und sie auf die Todesgefahren die mit diesen verbunden sind, hinweisen.