Berlin (dpa) - Schnelltests auf Covid-19-Antikörper sind aus Sicht von Experten kein sinnvolles Instrument bei der Entscheidung darüber, wer eine Impfung gegen die Krankheit bekommt oder nicht.

Michael Müller, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands der Akkreditierten Medizinischen Labore (ALM), hat nach Aussage vom Freitag noch keine Informationen darüber, ob und welche Tests in Betracht kommen, eine Immunität nach einer Corona-Infektion oder Covid-Erkrankung zu dokumentieren.

Zuvor hatte schon der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, der Einschätzung eine Absage erteilt, Impfdosen würden "verschwendet", wenn sie Menschen verabreicht würden, die wegen einer unerkannten Corona-Erkrankung möglicherweise bereits immun seien.

Zur Begründung sagte der RKI-Chef, dass nach bisherigen Erkenntnissen weniger als zehn Prozent der Bevölkerung - inklusive Dunkelziffer - mit dem Corona-Virus infiziert worden seien. Bei diesen sei zudem unklar, wie lange eine Immunität danach überhaupt anhalte. Es gebe etwa "klare Daten", dass neutralisierende Antikörper nach einigen Monaten "verschwinden", so Wieler. "Insofern ist die Entscheidung, eben nicht die Antikörper zu testen, genau die richtige."

Der Deutsche Ethikrat, der im Sommer die Möglichkeit von Immunitätsbescheinigungen untersucht hatte, kam nach Prüfung der vorliegenden Studien ebenfalls zu dem Schluss: "Es ist unklar, ob und gegebenenfalls wie der Nachweis bestimmter Immunzellen verlässlich zur Dokumentation von Immunität genutzt werden könnte."

Wieler verwies darauf, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlungen zur Impfreihenfolge bereits seit Mai sorgfältig entwickelt habe. Sie seien derzeit in der Abstimmung, Kritik daran werde aufgenommen und bewertet. Aber auch nach dem Beginn der Impfungen werde im Licht weiterer Erfahrungen mit der Krankheit, den Impfungen und möglichen Nebenwirkungen weiter an den Empfehlungen gearbeitet: "Dieses Dokument ist ein lebendes Dokument."

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