Neustadt/Jena (dpa) - Im ehemaligen Corona-Quarantäneort Neustadt am Rennsteig lassen sich bei rund der Hälfte der mit dem Sars-CoV-2-Virus Infizierten keine Antikörper gegen den Erreger nachweisen.

Dies hat eine seit Mai laufende Studie des Universitätsklinikums Jena in dem rund 900 Einwohner zählenden Ort nahe Ilmenau ergeben, wie das Klinikum mitteilte. Neustadt war im März wegen gehäufter Corona-Infektionen als bislang einziger Ort in Thüringen für zwei Wochen komplett abgeriegelt. Nach Quarantäneende waren laut Klinikum 49 Corona-Infektionen bekannt. Für die Studie waren nach früheren Angaben der Einrichtung 626 Einwohner getestet worden, wobei die Wissenschaftler um den Jenaer Infektiologen Mathias Pletz mit sechs verschiedenen Tests nach Antikörpern gesucht hatten.

Für Pletz ist das Ergebnis von Neustadt überraschend. Es werfe viele Fragen auf. "Offenbar kann man auch bei einem negativen Antikörpertest nicht wirklich ausschließen, dass es vorher eine Covid-Infektion gab", sagte Pletz laut Mitteilung. Unklar sei bislang auch, ob fehlende Antikörper letztlich mit fehlender Immunität gleichzusetzen seien. Die Jenaer Studie reiht sich ein in verschiedene Untersuchungen in Deutschland, in denen die Bildung von Antikörpern nach einer Infektion geprüft wird.

In Neustadt waren zwei Menschen im Zusammenhang mit der Infektion gestorben. Anfang Juli hatte das Uniklinikum mitgeteilt, dass in dem Ort keine Sars-CoV-2-Viren mehr kursieren. Nun soll bei den Studienteilnehmern, die trotz Infektion keine Antikörper gebildet haben, noch nach anderen Abwehrzellen im Organismus gesucht werden.

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Mitteilung Universitätsklinikum Jena