Magdeburg (dpa) l Der Aufstiegsfluch beim 1. FC Magdeburg ist laut Trainer Jens Härtel aus den Köpfen der Spieler. 2007 vergaben die Elbestädter die Chance zum Sprung ins Fußball-Unterhaus kläglich. Mit dem Drittliga-Aufstieg vor drei Jahren in der Relegation gegen Kickers Offenbach wurde die psychische Last abgeworfen. "Diese Angst, die haben wir schon noch gespürt in den Offenbach-Spielen", erinnerte sich Härtel. Gegen Fortuna Köln soll nun am Samstag der Aufstieg perfekt gemacht werden. "Wir hoffen, dass das Trauma dann endgültig beseitigt ist", betonte Coach Härtel.

In der Tat wird dieser Tage oft an die letzte ganz große Aufstiegschance des FCM in die 2. Liga erinnert. Am 2. Juni 2007 empfingen die Magdeburger am letzten Spieltag als Tabellenzweiter der Regionalliga Nord den frisch aufgestiegenen FC St. Pauli. Vor 25.300 Zuschauern hieß es am Ende 1:1, der FCM wurde nur Dritter und verpasste den Aufstieg. Im Jahr darauf verfehlte der FCM die Qualifikation für die neu eingeführte 3. Liga und verschwand für Jahre in den Tiefen des Amateurbereichs.

Das war das dritte Mal, dass die Elbestädter im Rahmen einer Ligareform abstiegen. 1994 wird die Regionalliga als dritthöchste Spielklasse eingeführt. Der FCM muss mindestens Sechster werden – landete aber wegen der schlechteren Tordifferenz nur auf Platz sieben. 2000 werden die vier Regionalligastaffeln auf zwei reduziert. Der FCM muss mindestens Siebter werden. Es reichte mit Platz zehn wieder nicht. Auch 2008 wurde die notwendige Top-Ten-Platzierung mit Rang elf verspielt. Es waren bittere Zeiten für einen Verein, der in der ehemaligen DDR ein ganz anderes Niveau kannte.

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Denn der 1. FC Magdeburg war einer der erfolgreichsten Clubs der DDR-Oberliga. Drei Meistertitel (1972, 1974, 1975) feierten die Elbestädter, dazu sieben Triumphe im FDGB-Pokal. 1974, trainiert von Heinz Krügel, siegte der FCM im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Als Krügel 1976 aus fadenscheinigen Gründen vom DDR-Verband gesperrt wird, ist die große Zeit vorbei. Ohne ihn feierte der Club zwar noch drei seiner sieben Pokalsiege (1978, 1979, 1983), konnte aber in der Liga nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen.

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Der Trend zeigt aufwärts

Zum Ende der DDR-Oberliga zeigt der Trend wieder nach oben: Magdeburg wird im Sommer 1990 Dritter, liegt zur Halbzeit des letzten Spieltags sogar auf Meisterkurs. Mit der Wiedervereinigung verpasst der Club aber den Anschluss an den Profifußball. In der Qualifikationssaison 1990/91 – Rang sechs oder höher heißt Bundesliga oder 2. Liga – wird der Club nur Zehnter, spielt in den Folgejahren in der drittklassigen Amateuroberliga Nordost Staffel Mitte vor wenigen hundert Zuschauern.

Es dauerte letztlich 25 Jahre, bis es der Traditionsverein in den Profifußball schafft. 2014 wird Härtel Trainer in Magdeburg. Trotz Anlaufschwierigkeiten führt er die Elbestädter zur Meisterschaft der Regionalliga Nordost. In der Relegation besiegt der Club die Offenbacher Kickers: 1:0 zu Hause und 3:1 in Offenbach.

In der ersten Profisaison der Vereinsgeschichte wird der FCM Vierter. In der zweiten wiederholt er die Platzierung, aber da ist schon die Rede vom verpassten Aufstieg. Die Ansprüche in Magdeburg sind gewachsen. "Wenn man aus Negativerfahrungen lernt und dann in ähnlicher Situation besser reagiert, ist das ein guter Lernprozess", sagt Härtel über die letzte Saison. Den Lernprozess habe das Trainerteam, habe die Mannschaft gut gemeistert. Die aktuelle Saison sei "gut, aber sie soll sehr gut werden."

Zweitklassig wäre der FCM dann aber nicht zum ersten Mal. Es wäre aber erstmals Grund zur Freude. Denn am 7. Mai 1966 waren die Magdeburger aus der DDR-Oberliga in die Zweitklassigkeit abgestiegen. Ein neu verpflichteter Trainer führte die Truppe zum sofortigen Wiederaufstieg. Sein Name? Heinz Krügel.

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