Magdeburg l An Misserfolgen hat er zu knabbern, vor allem, wenn er selbst beteiligt war. Am Sonnabend (13 Uhr/MDCC-Arena) will Rother deshalb mit dem FCM gegen den FC Ingolstadt unbedingt den ersten Zweitliga-Sieg feiern.

Besondere Art der Aufarbeitung

Rother konnte es nicht fassen. Im DFB-Pokal gegen Darmstadt (0:1) hatte der FCM-Mittelfeldspieler nach gut einer halben Stunde die große Chance zum Ausgleich. Doch der 22-Jährige vergab. Er schlug die Hände vors Gesicht, ballte sie zu Fäusten. Sein Blick ging ins Leere. „Diese Szene hat mich noch lange beschäftigt. So oft bin ich ja nicht vorne vor dem gegnerischen Tor“, gibt er zu.

Der Spieler mit der Rückennummer 6 hat eine besondere Art, solche Szenen aufzuarbeiten. „Am selben Abend gucke ich mir die Chance nicht an. Das nervt mich zu sehr. Ich kann dann auch keine anderen Pokalspiele anschauen, weil meine Laune sehr schlecht ist“, erzählt er. Vielmehr vertraut er auf sein gutes Gedächtnis. „Ich kann mich an jeden einzelnen Schritt genau erinnern. Ich mache mir viele Gedanken, obwohl ich am liebsten schnell einschlafen würde. Das habe ich aber nach dem Pokal erst sehr, sehr spät geschafft. Solche Tage gibt es, da muss man einfach durch und weitermachen.“

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Ablenkung vom Fußball

Eine Konfrontation mit den Pokalbildern blieb ihm aber trotzdem nicht erspart. In der Spielanalyse der Mannschaft sah Rother seine vergebene Torchance, auch privat schaute er einen Tag später noch mal genau hin. Rother achtet aber darauf, nicht zu lange im Ärger gefangen zu sein. Abstand und Ablenkung vom Fußball helfen dabei. „Ich gehe spazieren und bin mit meiner Freundin unterwegs. Zur Not gehe ich auch mal shoppen. Wichtig sind ein paar Stunden ohne Fußball, sonst bekomme ich Probleme mit dem Cholesterin.“

Gerade nach der erfolgreichen Drittligasaison mit dem Meistertitel, mit 85 Punkten und Erfolgen am Fließband steht die gesamte Mannschaft vor einer schwierigen Aufgabe. Der FCM muss sich in der 2. Liga auf eine neue Umgebung, auf eine neue Rolle einstellen. „Es ist gar nicht so einfach, jetzt Außenseiter zu sein. Für den Kopf ist es nicht leicht, wenn man ein gutes Spiel macht, es aber trotzdem mit 0:1 verliert“, sagt Rother.

Mentale Herausforderung

Diese mentale Herausforderung muss der Club schnell meistern. Das betrifft nicht nur die Stammspieler, sondern den gesamten Kader. Denn: „Wer von vornherein keinen Ehrgeiz mitbringt, hat hier nichts verloren. Wir alle wollen gewinnen. Wir können nicht Wochen daran arbeiten, dass jemand von sich aus Ehrgeiz oder den Willen entwickelt, zu gewinnen. Der muss vorhanden sein und ist bei uns vorhanden.“

Gegen Ingolstadt nimmt der FCM wie zuletzt die Außenseiterrolle ein. Eine Konstellation, aus der der Club Kraft ziehen will. „Der Druck liegt bei Ingolstadt. Mit den Möglichkeiten, die sie haben, wird erwartet, dass sie oben mitspielen“, sagt Rother. „Wir haben jetzt direkt die Chance, es besser zu machen als zuletzt. Ich würde mich schlechter fühlen, wenn ich einen Monat warten müsste.“

Die Spieler werden auch durch ihre Kritiker angetrieben, die nicht an die Qualität des Aufsteigers glauben. „Wir wurden von allen unterschätzt und bereits vor der Saison abgeschrieben. Man hat bei uns aber ganz klar eine Entwicklung in den vergangenen drei Spielen gesehen. Wenn es so weitergeht, dann können wir zu einer gestandenen Zweitligamannschaft reifen“, versichert der Mittelfeldspieler.

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