Magdeburg l Der Händedruck kommt ganz unvermittelt. „Ist er das, ist das Drilon?“, fragt eine Frau im Vorbeigehen vor dem FCM-Trainingszentrum. Und gleich schüttelt sie dem verdutzten 15-jährigen Nachwuchsfußballer die Hand.

In der Schule angesprochen

Es ist nicht die erste besondere Begegnung für Drilon Halilaj an diesem Donnerstag. „In der Schule hat mich auch jeder Zweite angesprochen.“

Es war ein kleiner Geistesblitz, der dem Schüler am Mittwoch zu großen Schlagzeilen verholfen hatte. In der 62. Minute im Spiel des 1. FC Magdburg gegen den MSV Duisburg hatte er seinen großen Auftritt. Als Duisburg den Ball ins Seitenaus beförderte, reagierte Balljunge Drilon blitzschnell, warf Philip Türpitz den Ball zu und leitete so den FCM-Angriff ein, der zum 1:1-Ausgleich durch Christian Beck führte.

Wollte das Beste für den FCM

„Ich dachte mir nur, die Situation sollte schnell ausgeführt werden. Klar wollte ich auch das Beste für den FCM und habe den Ball schnell hingegeben“, erzählt er. Dabei hatte auch Björn Rother in diesem Moment angezeigt, dass er den Ball gerne haben möchte. „Aber Türpitz war eben zehn Meter weiter vorne“, sagt Drilon.

Der TV-Kommentator bei „Sky“ war ob der Reaktionsschnelligkeit des Balljungen aus dem Häuschen und wollte ihn gerne in die Sendung holen – wenn er ihn denn gefunden hätte. „Ich musste leider gleich los“, berichtet Drilon, „ich musste ja am nächsten Tag gleich wieder früh in die Schule.“ Dabei klingt er dann doch etwas wehmütig, denn gerne hätte er diesen Moment noch länger ausgekostet. „So eine Situation, die passiert ja nur einmal im Leben. Dass ich dann gerade der Spieler bin – da freut man sich natürlich drüber.“

"30 Prozent am Tor gehören mir"

Freunde haben den Augenblick im TV – von dem Drilon nach Abpfiff gar nichts geahnt hat – gleich abfotografiert und der Familie geschickt. „Meine Kumpels meinten, dass ich jetzt berühmt werde“, sagt er und lacht. Dabei habe er einfach seine Rolle als Balljunge sehr ernst genommen. Und stellt klar: „So 20 bis 30 Prozent des Torerfolgs“ würde er schon sich selbst zusprechen. „Ich hätte aber nicht gedacht, dass es ein Tor wird. Es war einfach der perfekte Ort, der perfekte Moment.“

Doch trotz seiner Mithilfe ist dem FCM erneut ein Sieg verwehrt geblieben. „An der Chancenverwertung kann man was ändern“, bilanziert der 15-Jährige, „wir hätten locker 5:1 führen können. Dass wir dann zwei Minuten vor Spielende noch ein Tor fangen, ist ärgerlich.“

FCM ist mir ans Herz gewachsen

Besser steht da im Moment sein eigenes Team da. Die U 16 des FCM, die in der Verbandsliga auf Platz eins steht. „Läuft“, kommentiert Drilon den Erfolg seiner Mannschaft. Mit dem 1. FC Magdeburg verbindet er übrigens viel. „Ich bin in Magdeburg geboren, spiele seit zehn Jahren hier. Der FCM ist mir sehr ans Herz gewachsen. International fiebere ich zwar mit dem FC Chelsea mit, aber der FCM steht an erster Stelle.“

Die Profis vom Club sieht er fast jeden zweiten Tag. „Wir tauschen uns nicht groß aus“, berichtet Drilon. Das will er in naher Zukunft aber ändern. „Mit Mergim Berisha ist jetzt ein Spieler hier, der wie meine Familie auch Wurzeln in Albanien hat. Da will ich jetzt mal ins Gespräch kommen.“

Und falls FCM-Trainer Jens Härtel jetzt öfter bei ihm anfragen sollte, ob er als Balljunge an der Seitenlinie stehen kann, dann muss Drilon nicht lange überlegen. „Ich hoffe, dass das passiert. Umso besser wär‘s ja“, sagt er und lacht. Vielleicht ergibt sich dann ja noch einmal so ein perfekter Moment.

Mehr zum 1. FC Magdeburg gibt es im FCM-Blog.