Magdeburg l Für Jan Kirchhoff war der Weg auf den Rasen in Dresden besonders. Erstmals führte er den 1. FC Magdeburg als Kapitän an. Er vertrat Christian Beck, der wegen eines Jochbein- und Augenhöhlenbruchs momentan ausfällt. „Das ist eine schöne Rückmeldung und eine gewisse Art von Wertschätzung“, sagt er. Aber: „Ich brauche nicht die Kapitänsbinde, um meine Mitspieler anzufeuern oder zu führen. Ich verhalte mich auf dem Platz immer gleich, ob ich jetzt Kapitän bin oder nicht.“

Kirchhoff sehr dankbar

Vielmehr genoss er in Dresden das ganze Drumherum in dem ausverkauften Stadion, mit Fans, die durch ihre Choreografien begeisterten. „So etwas lässt mich nicht kalt. Es macht mir Spaß, bei uns oder jetzt in Dresden ins Stadion einzulaufen. Ich stehe dann vor dem Anpfiff mit einem Lächeln auf dem Platz. Ich bin sehr dankbar, vor solchen Kulissen Fußball spielen zu dürfen“, betont Kirchhoff.

Und diese Freude wandelte er eindrucksvoll in Leistung um. Kirchhoff hatte 52 Ballkontakte, überragende 87 Prozent seiner Pässe kamen beim Mitspieler an. Hervorragend war auch sein Zweikampfwert – 75 Prozent der Duelle entschied er für sich.

Dabei fühlte sich Kirchhoff im Ostderby körperlich gar nicht so richtig wohl. Wegen eines eingeklemmten Nervs verpasste er zuletzt das Heimspiel gegen Sandhausen. Die Beschwerden machten ihm noch immer etwas zu schaffen. „In Dresden war ich nicht bei hundert Prozent. Wenn ich fit gewesen wäre, hätte ich mehr von mir erwartet. Manchmal läuft man auf einer Felge aber anscheinend sogar noch etwas besser“, sagt er und lacht.

FCM mit der besten Abwehr

Klar ist: Spielt Kirchhoff, hebt er das Leistungsniveau des FCM gleich auf eine ganz andere Leistungsstufe. Als Schnittstellenspieler im defensiven Mittelfeld bestimmt er das Tempo, sorgt durch seine Zweikampfstärke zudem für Stabilität. Nicht zufällig hat der Club im Jahr 2019 erst sechs Gegentreffer kassiert – das ist Liga-Bestwert. Kirchhoff ist zwar erst seit Anfang Januar in Magdeburg, identifiziert sich aber voll mit seiner Aufgabe. „Ich fühle mich mit dem Fußball, den wir spielen, sehr wohl. Die Position im defensiven Mittelfeld ist meine Lieblingsposition. Ich versuche, jeden Tag an mein Limit zu gehen, um der Bestmögliche zu sein“, sagt der 28-Jährige.

Deshalb verrauchte der erste Ärger nach dem spät vergebenen Sieg in Dresden auch relativ schnell. „Fußball ist natürlich ein Ergebnissport“, sagt Kirchhoff zwar. Aber: „Es geht auch um die Art und Weise und um die Idee, wie man Spiele bestreitet – mutig und offensiv. Diese Idee haben wir in Dresden erkennen lassen und das auf den Platz gebracht, was wir uns vorgenommen haben.“

Viele Halbchancen in Dresden

In der Nachbesprechung des Ostderbys wurde der Mannschaft am Montag noch mal vor Augen geführt, wie nahe sie am Sieg dran war. „Wir hatten einige Halbchancen, hätten die Partie eigentlich klar gewinnen müssen. Es hat sich deshalb zunächst bitter angefühlt, so spät einen Gegentreffer zu kassieren“, ärgert sich Kirchhoff.

Im Jahr 2019 sei bis auf wenige Ausnahmen aber ein klares Muster erkennbar. „Wir wollen zeigen, wofür wir stehen. Wenn wir das wie in Dresden auf den Platz bekommen, dann werden auch die Ergebnisse kommen.“

Konstruktive Diskussionen

Zu diesen negativen Ausnahmen gehörten zuvor die Partien in Duisburg und gegen Sandhausen. Kirchhoff hat eine Erklärung dafür parat, wie der FCM jetzt die Leistungskurve bekommen hat. „Ich schätze es sehr, wie es bei uns intern nach den zwei Niederlagen lief“, erzählt der erfahrene Mittelfeldspieler. Trainer Michael Oenning sowie Geschäftsführer Mario Kallnik und Sportchef Maik Franz nahmen die Mannschaft nämlich bei der Problemlösung mit, fragten nach der Meinung der Spieler. „Sie haben nicht einfach nur draufgehauen, sondern uns in die Pflicht genommen. Wir haben unsere Meinung zur Situation gesagt. Es war ein toller Weg und schön, dass wir diese Situation so steuern konnten.“

In der Länderspielpause gelte es jetzt, die Trainingsintensität hochzuhalten: „Wir werden trotz der Pause weiter arbeiten.“ Am Donnerstag (15 Uhr) im Test gegen den tschechischen Zweitligisten FK Usti Nad Labem werden vorwiegend die Spieler zum Einsatz kommen, die zuletzt nicht so häufig auf dem Rasen standen. „Wir müssen als Mannschaft fit sein. Das gilt für die Stammspieler, aber auch für die, die hinten dran sind. Deshalb ist das Testspiel sehr wichtig“, betont Kirchhoff. „Ich sehe mich immer als ein Teil des Ganzen. Das muss jetzt auch die Herangehensweise des gesamten Teams im Saisonendspurt sein.“

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