Magdeburg l Tobias Müller mag keine halben Sachen. Unsaubere Pässe können ihn rasend machen – vor allem, wenn er sie selbst spielt. „Das nervt mich total“, gibt er zu. So ist es im Training, so war es zuletzt auch in Duisburg, als Müller an der Seitenlinie den Ball unglücklich verlor. Mit voller Wucht schlug er beide Hände zusammen, schrie seinen Frust laut heraus.

Von der Oberliga in die 2. Liga

Diese Szene machte deutlich: Müller ist enorm ehrgeizig, hat hohe Ansprüche an sich selbst. Mit dieser Einstellung hat der 24-Jährige einen enormen Aufstieg hingelegt. Vor zwei Jahren noch spielte er mit der 2. Mannschaft des SC Freiburg in der Oberliga. Über den Drittligisten Hallescher FC, für den er ein Jahr auflief, gelang Müller beim FCM der persönliche Durchmarsch in die 2. Bundesliga.

In der Hierarchie geklettert

Beim Club hat er sich in der internen Innenverteidiger-Hierarchie von ganz hinten bis an die Spitze vorgearbeitet. Während es unter Ex-Coach Jens Härtel noch durchwachsen lief, hat er seinen Stammplatz mittlerweile sicher. Müller ist mit Dennis Erdmann der einzige Spieler, der unter FCM-Trainer Michael Oenning bisher immer durchgespielt hat. „Wir harmonieren richtig gut. Dennis ist lautstärker und präsenter auf dem Platz. Ich versuche, mich auf mein Spiel zu konzentrieren“, erzählt Müller.

Die Mischung in der Innenverteidigung stimmt, das sieht auch FCM-Trainer Michael Oenning so: „Wir stehen mit Tobias und Dennis defensiv gut und lassen nur wenige Torchancen zu.“ Im Jahr 2019 kassierte der Club erst vier Gegentreffer und stellt damit die beste Abwehr der Liga.

Starke Zweikampfquote

Müller spielt enorm abgeklärt, wird am Ball fast nie hektisch. Brenzlige Situationen löst er häufig ohne Foulspiel und ist dabei äußerst geschickt im Zweikampf. „Ich versuche, möglichst immer fair und überlegt den Ball zu sichern“, sagt er. Mit Erfolg: Müller gewinnt im Schnitt 58,50 Prozent seiner Zweikämpfe und überflügelt damit sogar Top-Innenverteidiger der 2. Liga wie Florian Hübner vom 1. FC Union Berlin (58 Prozent) und David Bates vom Hamburger SV (54 Prozent). Selbst den robusten Mannschaftskollegen Erdmann lässt er hinter sich (56,60 Prozent).

Dass er in dieser Saison erst zwei Gelbe und eine Gelb-Rote Karte gesehen hat, ist kein Zufall. „Ich habe früher zu viele dumme Gelbe Karten auch wegen Meckerns kassiert. Das musste ich ändern. Ich beschäftige mich jetzt nicht mehr so viel mit dem Schiedsrichter, sondern bleibe bei mir.“

Gute Passgenauigkeit

Müller ist aber nicht nur im direkten Duell stark – auch die Passquote ist mit 79 Prozent überdurchschnittlich gut. Zwar liegt er bei diesem Wert noch deutlich hinter Liga-Größen wie Jorge Meré (90,3 Prozent) und Rafael Czichos (89) vom 1. FC Köln. Ein Blick auf den Durchschnittswert des FCM macht aber klar, wie sehr sich Müller von den eigenen Mannschaftskollegen abhebt. Der Club ist mit einer Passquote von nur 67,8 Prozent nämlich Vorletzter – nur Regensburg ist schlechter (63,2 Prozent). „Es freut mich natürlich, wenn ich meine guten Statistiken sehe. Das ist eine schöne Bestätigung. Letztendlich garantieren solche Zahlen aber nicht den Mannschaftserfolg.“

Nicht überraschend ist übrigens Müllers geringe Anzahl von 921 Ballkontakten. Der FCM steht mit nur 46,5 Prozent Ballbesitz auf dem 14. Rang der 2. Liga. Der Hamburger SV hat mit 60,8 Prozent den Bestwert, selbst der Tabellenvorletzte Ingolstadt hat deutlich mehr (51,3 Prozent). Der Grund liegt auf der Hand: Erst unter Oenning gab es einen Wechsel vom reagierenden Defensivfußball zur neuen spielerischen Linie mit mehr Ballbesitz. „Wir sind aber noch nicht so konstant, dass wir unser Spiel immer durchbekommen“, so Oenning.

Formkurve zeigt nach oben

An Müller liegt das aber nicht, seine Formkurve zeigt in dieser Saison steil nach oben. „Tobias ist ein toller Innenverteidiger, der im Training viel von dem umsetzt, was ich mir vorstelle. Er ist noch jung, seine Entwicklung ist längst noch nicht abgeschlossen“, versichert Oenning.

Weitere aktuelle Infos zum FCM gibt es hier.