Magdeburg l Als Dirk Stahmann am Mittwochabend gerade das Drittliga-Spiel des 1. FC Magdeburg gegen Hansa Rostock im TV einschalten wollte, erreichte ihn die Nachricht vom Tod Diego Maradonas. „Das war ein Schock für mich“, sagt der ehemalige FCM-Spieler.

Sofort schoss ihm natürlich eine ganz besondere Erinnerung in den Kopf. Er dachte an den 14. September 1983 zurück. An einem verregneten Mittwochabend, als für viele DDR-Oberligaspieler des FCM ein Traum wahr wurde. Denn im Europapokal-Spiel im Ernst-Grube-Stadion vor nicht weniger als 32 000 Zuschauern war der ruhmreiche FC Barcelona zu Gast. Und im Kader: der damals noch gar nicht so große Diego Maradona. Körperlich sowieso nicht, hat der 1,65 Meter große Dribbler doch mehr durch seine technische Finesse und Schnelligkeit brilliert als durch seine Robustheit.

Maradona mit drei Toren in Magdeburg

Doch zu dieser Zeit hatte er mit 22 Jahren auch noch gar nicht den Ruf des absoluten Superstars. „Er war damals ein Riesentalent und konnte schon unglaublich viel“, erinnert sich Stahmann. Immerhin war er beim 5:1-Sieg der Katalanen an diesem Abend in Magdeburg der Matchwinner und trug sich gleich dreimal in die Torschützenliste ein. Dass es die FCM-Kicker wie Joachim Streich oder der Magdeburger Torschütze Jürgen Pommerenke damals allerdings mit einem der besten Fußballer aller Zeiten zu tun hatten, war ihnen vielleicht auch noch nicht so ganz klar.

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Neben all seinen Eskapaden und Skandalen war es doch seine fußballerische Klasse, die die Fans regelmäßig in den Bann zog. Sei es bei der WM 1986, als er die Argentinier mit der „Hand Gottes“ und seinem Jahrhundert-Dribbling zum Weltmeister machte. Oder eben an diesem verregneten Abend in Magdeburg, als die Fans in Blau-Weiß gefühlt über die komplette Spielzeit mit offenem Mund die Kreativität des spielintelligenten Linksfußes bewunderten.

Verteidiger auf verlorenem Posten

„Das war ein Erlebnis, gegen ihn zu spielen“, gibt Stahmann heute an. Als einer der damaligen Magdeburger Abwehrspieler glich sein Abend allerdings einer Tortur. „Maradona war unglaublich flink, er hat uns vorgeführt. Wir hatten auf dem rutschigen Boden keine Chance, ihn zu verteidigen. Wir waren auf verlorenem Posten und hätten ihn nur mit groben Fouls stoppen können“, erzählt der 46-malige DDR-Nationalspieler von einem der prägendsten Spiele seiner Karriere.

Noch heute, bei seinem Job im Autohaus Dürkop, kann der 62-Jährige berichten, einst ein paar Worte mit der großen Fußball-Legende gewechselt zu haben. „Wenn auch nur auf Englisch oder mit Händen und Füßen“, erzählt er lachend.

Eine noch größere Ehre wurde im September 1983 Gerald Cramer zuteil. Denn der heutige Zerbster hat mit Maradona das Trikot getauscht. „Das habe ich mir damals ergattert“, berichtet der FCM-Verteidiger mit einem wohligen Lächeln. „Ich halte das Trikot ganz besonders in Ehren, es hängt bei mir am Schrank.“

Cramer hält Trikot des Argentiniers in Ehren

Hat er den Argentinier damals einfach angesprochen? „Ja, das war nach dem Duschen. Da habe ich ihm ein Zeichen gegeben. Wir hatten ja schon im Spiel dauernd miteinander zu tun.“ Als Maradonas direkter Gegenspieler sollte Cramer den Barca-Angreifer bewachen. Und erwischte gegen den Wunderfuß logischerweise keinen guten Tag. „Das war riesig, was er geleistet hat“, denkt Cramer zurück. Wie er ihn erlebt hat? „Als ganz fairen Sportmann“, ergänzt der seit Dienstag 60-Jährige. Über seine fußballerische Klasse brauche man sich ohnehin nicht zu unterhalten. Auf den Punkt brachte diese noch einmal Stahmann: „Er war der Beste für mich, der Genialste unserer Zeit.“