Magdeburg l Christian Beck und Tobias Müller saßen am Dienstag mit ernster Miene im Presseraum der MDCC-Arena. Die Führungsspieler des 1. FC Magdeburg hatten Klärungsbedarf. Beide wollten über die Gründe sprechen, warum sich die Mannschaft bis zum Heimspiel am Sonnabend gegen den Halleschen FC aus der Öffentlichkeit zurückziehen wird. „Die Entscheidung reifte am Sonnabend nach der Videoanalyse des Köln-Spiels“, verrät Beck.

An jenem Sonnabend wurde in der Mannschaft intensiv über den Boykott des Halle-Spiels vieler FCM-Fans, vorrangig von Block U, diskutiert. „Wir waren uns recht schnell einig, dass sich die Mannschaft und das Trainerteam geschlossen mit den Fans solidarisieren wollen“, betont der Kapitän. „Die Fans haben mit ihrem Boykott ein Zeichen gesetzt, dass wir unterstützen wollen. Das mag dem einen oder anderen nicht gefallen, wichtig ist, dass wir dazu stehen.“

Spieler haben keine Lust auf Parolen

Der Club wird sich in den Tagen bis zur Partie aber auch aus einem weiteren Grund zurückhalten, wie Tobias Müller erklärt: „Vor einem solchen Spiel gibt es häufig Parolen, die schon im Vorfeld zu einer hitzigen Stimmung führen können. Da halten wir uns jetzt ganz bewusst heraus, konzentrieren uns nur auf die Partie auf dem Rasen.“

Diese Einstellung ist eng mit dem Grund des Fan-Boykotts verbunden. In einem Schreiben erklärte die aktive Fanszene des FCM, dass sie Spielen gegen Halle so lange fernbleiben, bis der Tod des vor drei Jahren verstorbenen FCM-Fans Hannes Schindler aufgeklärt ist.

Dieser stürzte vor drei Jahren aus einem fahrenden Zug, in dem sich auch Fans des Halleschen FC befanden. Der FCM-Fan starb an den Folgen seiner schweren Verletzungen, die er durch den Sturz erlitt. Die genauen Umstände sind bis heute unklar, die anwesenden HFC-Fans verweigerten kollektiv die Aussage.

FCM-Fans nicht bei Spielen gegen Halle dabei

Die FCM-Fans gaben deshalb am 20. Oktober bekannt, so lange keine Partie gegen Halle zu besuchen, bis der Tod von Hanes aufgeklärt ist. Zuvor blieben sie bereits den Auswärtsspielen in Halle fern. „Uns ist sehr wohl bewusst, dass nicht jeder Clubfan unsere Entscheidung nachvollziehen kann. Dennoch erwarten wir, dass sie respektiert wird“, heißt es im Schreiben von Block U.

Und genau diesen Respekt wollen die Spieler jetzt erweisen – und sich somit an die Seite der Fans stellen. Müller ist ganz besonders klar, wie sensibel das Thema ist – spielte er doch in der Saison 2017/18 für den Halleschen FC und seit 2018 für den FCM. „Auch als ich in Halle gespielt habe, wurde mir schnell bewusst, dass der Tod von Hannes die FCM-Fans sehr bewegt hat, weil die Fans ja auch zu den Partien nach Halle nicht gereist sind“, sagt Müller.

Das Thema bewegt viele FCM-Spieler bereits seit längerem. Als Anfang des Jahres eine Petition gestartet wurde, in der es darum ging, die Ermittlungen zur Todesursache von Hannes wieder aufzunehmen, beteiligte sich die Mannschaft beispielsweise daran. „Wir gehen jetzt erneut einen Schritt mit den Fans. Das ist uns wichtig“, erklärt Müller.

Bei den FCM-Verantwortlichen kommt das Verhalten der Mannschaft gut an. „Ich finde, dass sich das Team bei diesem Thema konsequent und entschlossen präsentiert“, lobt Sportchef Maik Franz. „Die Mannschaft beweist Weitsicht und hat sich dafür entschieden, fernab nur von sportlichen Themen einen Schulterschluss mit den Fans einzugehen.“

FCM-Bosse zeigen Verständnis für die Aktion

FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik sieht in der gemeinschaftlichen Aktion der Mannschaft auch ein positives Signal: „Es ist eine gute und vor allem geschlossene Entscheidung unserer Mannschaft. Neben der guten Geste ist es auch ein deutliches Zeichen für einen echten Teamgeist."

Klar ist aber auch: Durch die Solidarisierung mit der Aktion der FCM-Fans sowie der Unterschrift unter der Petition nimmt die Mannschaft aktiv an der kritischen Debatte rund um das eingestellte Verfahren im Fall Hannes teil. Meinung

Weitere Infos und Videos zum 1. FC Magdeburg