Frankfurt/Main/Magdeburg l Fast täglich verschickt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) momentan E-Mails und Pressemitteilungen. Schwerpunkt der Nachrichten ist immer derselbe: ein möglicher Drittliga-Neustart. Am Donnerstagum 13 Uhr verkündete der DFB dann feierlich Vollzug, am 30. Mai soll es wieder losgehen. Die Entscheidung sei im schriftlichen Umlaufverfahren getroffen worden. Der 1. FC Magdeburg würde am 30. Mai mit dem Geisterspiel gegen Kaiserslautern starten, am folgenden Dienstag in Würzburg antreten. Allerdings bleiben große Zweifel. Schließlich fehlt der Beschluss des außerordentlichen Bundestages, der extra einberufen wurde – und der findet erst am Montag statt.

Sinneswandel in 24 Stunden

Für Irritationen sorgte der DFB zuvor durch zwei E-Mails, die der Verband am Dienstag und Mittwoch an die Drittligisten versendete und die der Volksstimme vorliegen. So wies Manuel Hartmann, DFB-Abteilungsleiter für Spielbetrieb der Ligen und Wettbewerbe, am Dienstag zunächst darauf hin, dass eine Entscheidung bezüglich eines Drittliga-Neustarts momentan noch nicht getroffen werden kann, da dies die politische Verfügungslage nicht zulässt.

In Sachsen-Anhalt (27. Mai) und Thüringen (5. Juni) sind Mannschaftstraining und Wettkampfbetrieb nämlich noch untersagt. Hartmann hoffe darauf, dass am kommenden Montag eine politische Entscheidung getroffen wird.

Alleingang des DFB

So weit – so nachvollziehbar: Nur einen Tag später, am Mittwochabend, klang Hartmann aber ganz anders. Die DFB-Gremien möchten „kurzfristig die bisher abgesagten Spieltage 28 bis 38 der 3. Liga neu terminieren und die ersten Spieltage zeitgenau ansetzen, wobei der Wiedereinstieg für das Wochenende 30./31. Mai vorgesehen ist“.

Diese Nachricht des Verbandes warf Fragen auf, beinhaltete sie doch komplett das Gegenteil von dem, was nur rund 24 Stunden zuvor angeblich galt. Es ging aber sogar noch weiter: Die Vereine, deren Bundesländer momentan kein Mannschaftstraining und Wettkämpfe zulassen, werden dazu aufgefordert, „auf die zuständigen politischen Verantwortungsträger zuzugehen, um auf eine Öffnung im Sinne einer Wettbewerbssicherung hinzuwirken“.

Heißt: Der FCM soll bei Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff darauf hinwirken, dass endlich gespielt werden kann. Ansonsten müsse eine Ausweichspielstätte in einem anderen Bundesland benannt werden. Wieder baute der DFB eine Drohkulisse auf. Es war nicht das erste Mal: Haseloff warf dem Verband vor, unerträglichen Druck auf die Politik auszuüben.

DFB ignoriert die Regeln der eigenen Satzung

Klar ist: Durch diese beiden E-Mails, durch den Zick-Zack-Kurs der vergangenen Wochen wird deutlich, dass der DFB im Chaos versunken ist, wenn es darum geht, ob die 3. Liga in der Corona-Krise fortgesetzt oder abgebrochen werden soll.

Um den Start zum 30. Mai durchzusetzen, bricht der Verband nämlich sogar von ihm selbst vorgegebene Regeln. Schließlich darf der FCM erst dann ins Mannschaftstraining einsteigen, wenn die beiden im Hygienekonzept vorgeschriebenen Corona-Tests absolviert wurden. Bis kommenden Montag ist nach Vereinsangaben mit den Tests und deren Ergebnissen zu rechnen.

Drittligasart für FCM nicht haltbar

Damit ist aber andererseits klar, dass ein Drittliga-Neustart zum 30. Mai für den Club nicht haltbar ist. Denn das DFB-Hygienekonzept schreibt vor, dass eine Mannschaft nach den Tests ein einwöchiges Quarantäne-Trainingslager absolvieren muss und erst dann in den Spielbetrieb zurückkehren darf.

Dieses Verhalten steht der eigenen Satzung entgegen, in der steht, dass „der DFB in sozialer und gesellschaftspolitischer Verantwortung handelt“.

Hallescher FC prüft rechtliche Schritte

Im Zuge dieser Ungereimtheiten, diesem Bruch der eigenen Regeln will neben Carl Zeiss Jena auch der Hallesche FC rechtliche Schritte prüfen. „Unsere seit Wochen geäußerten Bedenken wurden mit der heutigen Entscheidung ebenso außen vor gelassen wie der Umstand, dass die Verfügungslage in Sachsen-Anhalt bis einschließlich 27. Mai kein Mannschaftstraining zulässt. Wir sehen uns gezwungen, diese plötzliche Entwicklung unter dem Aspekt der Chancengleichheit rechtlich prüfen zu lassen“, sagte HFC-Präsident Jens Rauschenbach.

Und wie reagiert der DFB auf solche Vorwürfe und Bedenken? Der Verband wiederholt fast schon in Dauerschleife, dass der Verband alles dafür tun muss, um einen Spielbetrieb anzubieten. Plan B für den Fall eines Abbruchs? Fehlanzeige. Zwar betonen die Verantwortlichen, dass über ein mögliches Abbruchs-Szenario gesprochen wurde. Doch die Wahrheit ist: Ein tragfähiges Konzept wurde den Vereinen nie vorgelegt oder veröffentlicht.

Drei Vereine nicht mehr bei Befürwortern

Wegen dieser zahlreichen Widersprüche beim DFB werden die Zweifel auch bei Vereinen größer, die den Verband zuvor unterstützten. Bei einem Meinungsbild vor mehr als drei Wochen sprachen sich zehn von 20 Vereinen für eine Saison-Fortsetzung aus. Am Dienstag wurde der DFB in einem Brief von acht Vereinsvertretern dazu aufgefordert, endlich Klarheit zu schaffen. Der KFC Uerdingen, Eintracht Braunschweig und Viktoria Köln, eigentlich allesamt Befürworter, waren aber nicht mehr dabei. Hinzu kam nur der SV Meppen, der sich zuvor enthalten hatte.

Wegen dieser offensichtlichen Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse forderte Mannheim ein erneutes Meinungsbild. DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius lehnte das aber ab. Begründung: „An dem Abstimmungsverhältnis wird sich kaum etwas ändern.“

Im völlig zerfahrenen Streit um die Drittliga-Zukunft hat der DFB als Krisenmanager eine denkbar schlechte Figur abgegeben. Und hatte damit einen großen Anteil an der öffentlichen Schlammschlacht.

Kommentar mit Beigeschmack von Frymuth

Unter Berücksichtigung der fehlerhaften Umsetzung des eigenen Hygienekonzeptes klingen die Worte des DFB-Vizepräsidenten Peter Frymuth deshalb fast schon absurd: „Im Zentrum stehen zwei Dinge: die gewissenhafte Umsetzung des Hygienekonzepts und die Möglichkeit, den Wettbewerb auf sportlichem Weg zu entscheiden. Unbedingt notwendig ist jetzt die Solidarität aller, die sich der 3. Liga verbunden fühlen.“

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