Magdeburg l Dennis Erdmann war nach dem 1:2 in Kiel hin- und hergerissen. Wegen der Niederlage überwog die Enttäuschung, nach 90 aufreibenden Minuten brauchte er erst einmal kurz, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Trotzdem konnte er bis zu einem gewissen Punkt zufrieden sein. Mit seiner eigenen Leistung als Abwehrchef, mit der seiner Kollegen auch. Der Club lieferte schließlich über weite Strecken eine überzeugende Partie ab, hätte beim klaren Favoriten kaum mehr aufbieten können. „Es tut ein bisschen weh. Es geht aber immer weiter, wir werden sicherlich nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagte Erdmann.

FCM belohnt sich nicht

Problematisch ist allerdings, dass Magdeburg bereits zum dritten Mal in dieser Saison in Führung ging, diese aber jeweils nicht ins Ziel brachte. Das stellt auch die Verantwortlichen des FCM vor ein Dilemma. Die Mannschaft spielt seit Wochen ordentlich, wartet aber weiterhin auf den ersten Saisonsieg. Trainer Jens Härtel war deshalb bei der Pressekonferenz bedient, sein Blick war leer. Er rang um Worte, stellte dann in seiner analytischen Art fest: „Wir haben den Matchplan 70 Minuten lang gut durchgesetzt. Am Ende zählen aber Ergebnisse.“

Und die Zahlen sprechen gerade nicht für den FCM. Nach fünf Pflichtspielen stehen nur zwei Punkte in der 2. Liga und das DFB-Pokal-Aus gegen Darmstadt zu Buche. „Es geht um Kleinigkeiten, die wir abstellen müssen. Das wird aber ein schwerer und langer Prozess“, so Härtel. „Wir müssen weiter so bissig wie zuletzt bleiben, um fußballerisch guten Teams unser Spiel aufzuzwingen. Das hat in Kiel lange gut funktioniert. Das Ergebnis steht aber dann über allem und das war nicht gut.“

Nach der Führung durch Philip Türpitz (65.) drehte Kiel richtig auf und entwickelte eine Wucht wie der FCM zu besten Drittligazeiten. Beim 1:1, das Alexander Mühling durch einen direkten Freistoß erzielte, sah FCM-Torhüter Jasmin Fejzic erneut nicht gut aus (75.). Danach hatten die Gastgeber zahlreiche Gelegenheiten, das zweite Tor nachzulegen. Deshalb war das späte 2:1 durch den eingewechselten Aaron Seydel auch nicht mehr so überraschend (87.). Der Club hatte gegen Ende der Partie nicht mehr viel entgegenzusetzen.

Intensiver Abnutzungskampf

Der Härtel-Truppe war im Verlauf der zweiten Halbzeit der Abnutzungskampf deutlich anzumerken. Das frühe Anlaufen des Gegners, der permanente Einsatz kostete viel Kraft, die am Ende fehlte, um dem Gegner noch mal wehtun zu können.

Der Trainer hat den Verschleiß bemerkt und will darauf möglichst schnell reagieren – mit Einheiten, die den Spielern nicht so viel Spaß machen dürften. Die anstehende Länderspielpause soll dafür genutzt werden, um bestimmte Defizite aufzuarbeiten. „Wir müssen körperlich auf den Stand kommen, um das läuferische Niveau bis zum Schluss halten zu können“, so Härtel, der sich bereits auf der Busfahrt von Kiel zurück nach Magdeburg mit der Analyse des Spiels beschäftigt hat. „Ich werde in der Nacht kein Auge zumachen“, vermutete er nach der Partie.

Erdmann sieht sich in Verantwortung

Aber auch die Spieler haben sich viele Gedanken gemacht – allen voran Erdmann. Der Abwehrchef sieht sich jetzt vor allem in seiner Rolle als Führungsspieler gefordert. „Wir haben einen besseren Plan als Kiel gehabt. Wir müssen in der Länderspielpause an Kleinigkeiten arbeiten, die momentan fehlen, um ein Spiel zu gewinnen“, sagt er.

Für den Spieler mit der Rückennummer 13 liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, endlich den ersten Saisonsieg zu feiern. Erdmann: „Ich bin davon überzeugt, dass wir eine Serie starten können, wenn wir erst mal den ersten Sieg geholt haben. Dann wissen wir wieder, wie es sich anfühlt.“

Er werde alles dafür tun, um in einen solchen Flow zu kommen, vorangehen und seine Mitspieler mitnehmen. „Einige Jungs waren nach der Niederlage in Kiel sehr geknickt. Ich spreche meinen Mitspielern in solchen Situationen Mut zu und baue sie auf“, betont er. „Ich bin ein Typ, der geradeaus ist. Für viele Jungs ist es wichtig, dass sie jemanden haben, an dem sie sich hochziehen können. Ich sehe mich ganz klar in der Verantwortung.“

Turnaround gegen Bielefeld?

Erdmann hebt in diesem Zusammenhang die Bedeutung des nächsten Spiels am 17. September zu Hause gegen Bielefeld hervor. „Wir wollen gegen Bielefeld unbedingt gewinnen und den Turnaround schaffen. Es fehlt nur ein kleiner Schritt, um über die Ziellinie zu gehen. Wenn es sein muss, schleife ich den einen oder anderen mit über diese Ziellinie.“

Damit der erste Zweitligasieg bald eingefahren wird, gelte es auch, viel miteinander zu reden und zusammenzuhalten. „Wir müssen alle mitziehen, keiner darf in eine andere Richtung schwimmen“, forderte er.

Keine Angst vor der 2. Liga

Der 27-Jährige hat keine Angst vor der 2. Bundesliga und lebt sein Selbstvertrauen offen aus: „Ich finde diese Liga jetzt nicht so überragend. Wir können mithalten und hatten bisher einen besseren Matchplan als unsere Gegner. Es fehlt nur ein Touch.“

Für Trainer Härtel gilt es jetzt, an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Neben der körperlichen Verfassung geht es auch darum, die eine oder andere personelle Auffrischung vorzunehmen.

Weitere Infos und Videos zum 1. FC Magdeburg