Magdeburg l Timo Perthel kommentierte den enttäuschenden Auftritt des 1. FC Magdeburg zum Drittliga-Auftakt mit ehrlichen und deutlichen Worten. „Wir haben uns von dem Gegentreffer verunsichern lassen – das ist dumm. Da müssen wir uns selbst hinterfragen“, meinte er nach dem 0:2 gegen den Halleschen FC. Tatsächlich wird es für den FCM in dieser Woche nur darum gehen, ein Spiel aufzuarbeiten, in dem wirklich gar nichts funktionierte.

Denn es war nicht nur das Eigentor von Jürgen Gjasula (23. Minute), das die Magdeburger gänzlich aus dem Konzept brachte und ihnen das Selbstvertrauen raubte. Schon zuvor war es nämlich nicht so, dass die FCM-Kicker im Derby drückend überlegen waren. Die Ballbesitzwerte sprachen in der Anfangsphase zwar für den Club, doch aus den Feldvorteilen machte das neu formierte Team von Coach Thomas Hoßmang viel zu wenig.

Perthel kritisiert lange Bälle

„Es hat schon im Spielaufbau gehakt“, ärgerte sich Perthel. Der Linksverteidiger kritisierte, dass er und seine Mitspieler sich nur mit langen Bällen zu helfen wussten: „Die waren für Halle natürlich einfach zu verteidigen. Wir hatten wenig Lösungen, das besser zu gestalten.“ Nach dem 0:1 gingen die Köpfe dann endgültig nach unten. „Davon haben wir uns nie erholt“, merkte Perthel an.

Der HFC überließ dem Sachsen-Anhalt-Rivalen anschließend clever das Feld und setzte auf Umschaltmomente. „Darauf sind wir reingefallen und haben uns bestrafen lassen“, sagte FCM-Kapitän Christian Beck. Was wiederum die Frage aufwirft: Warum? „Wir wussten, wie der HFC spielt“, stellte Coach Thomas Hoßmang fest, der sogar im Vorfeld vor den schnellen Umschaltmomenten der Rot-Weißen warnte.

Genau die einfachen Ballverluste, die vermieden werden sollten, erlaubte sich der FCM mit zunehmender Spielzeit aber immer öfter. „Wir haben immer wieder Räume zugelassen, weil wir nicht klug agiert haben“, monierte Hoßmang.

FCM lässt Führung vermissen

Doch das lässt sich sicher nicht nur auf die unerfahrenen Neuzugänge schieben. Auch routinierte Drittliga-Spieler wie Jürgen Gjasula wirkten phasenweise verunsichert.

Der Deutsch-Albaner vertändelte beispielsweise kurz nach Wiederanpfiff den Ball und Julian Derstroff lief frei auf Keeper Morten Behrens zu. Nur weil der HFC-Linksaußen zu lange zögerte, fiel nicht das frühe 0:3 in der zweiten Halbzeit. Was Trainer Hoßmang wiederum zu folgender Aussage bewegte: „Das hat dann auch etwas mit Führung zu tun“, sagte der 53-Jährige gegenüber dem MDR, „mit auf dem Platz dagegensteuern. Fußball ist ein Ergebnissport, da gibt es auch negative Erlebnisse. Aber man kann sich eben auch gegen diese negativen Erlebnisse stemmen. Das hat man in vielen Phasen eben nicht gesehen.“

FCM fehlt Durchschlagskraft

Stattdessen häuften sich Fehlpässe und Ballverluste, dazu fehlte offensiv jegliche Durchschlagskraft. „Wir haben keine Laufbereitschaft gezeigt, hatten keine Tiefe im Spiel“, sagte Raphael Obermair, der auch das „Quergeschiebe“ kritisierte. Keiner hatte im Offensivspiel Ideen. „Es fehlte einfach die Durchschlagskraft“, bemängelte Hoßmang.

Mal ganz davon abgesehen, dass Innenverteidiger Tobias Müller hinten an allen Ecken und Enden fehlte und die Viererkette sowohl mit Brian Koglin als auch mit Gjasula wackelte, hätte doch zumindest von der gegen Darmstadt gefährlichen Offensive mehr kommen können. Sogar müssen. Beck sagte: „Ich wusste nicht, ob jedem klar war, worum es geht.“ Es gehe jetzt zwar darum, die Fehler anzusprechen aber auch darum, das Spiel schnellstmöglich zu vergessen und es am Sonnabend um 14 Uhr beim TSV 1860 München besser zu machen.

Einfacher wird es dort keinesfalls. 1860 tankte mit einem 3:1-Sieg über Meppen schon einmal Selbstvertrauen, wird zudem als einer der Favoriten in der 3. Liga gehandelt.

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