Magdeburg/Potsdam l Für Claus-Dieter Wollitz ist es eine ungewohnte Situation. Schließlich würde sich der Trainer des 1. FC Magdeburg Ende März eigentlich mit seinem Team mitten in der Saison befinden, um wertvolle Drittliga-Punkte kämpfen.

Doch während der Corona-Krise ist alles anders. Der Coach ist wie die Mannschaft im Home-Office, hat mit Verantwortlichen und Spielern nur via Telefon oder Video-Konferenz Kontakt. „Ich tausche mich alle zwei, drei Tage mit Maik Franz aus, schaue mir auch vereinzelt Videos an. Das ist aber alles deutlich weniger als sonst“, sagt er. Wie alle anderen FCM-Mitarbeiter ist auch Wollitz in Kurzarbeit. Für den Trainer ist das aber kein Problem. Denn: „Ich versuche alles zu tun, um dem Verein zu helfen. Dazu gehört in dieser Situation auch Kurzarbeit.“

Wollitz liest Bücher und schaut Krimis

Der 54-Jährige will ansonsten seinen Teil dazu beitragen, um das Coronavirus einzudämmen. Heißt: „Ich bleibe so gut es geht zu Hause. Natürlich würden wir alle gerne Fußball spielen. Das ist aber momentan nicht die erste Priorität. Es geht darum, dass nicht noch mehr Menschen erkranken.“

Die Zeit, die Wollitz momentan hat, nutzt er ansonsten vielfältig. „Ich treibe Sport und kümmere mich um den Garten“, verrät er. Auch das Lesen eines Buches ist plötzlich drin. „Die Suche nach der Wahrheit“, die Autobiografie des Ökonoms Hans-Werner Sinn steht gerade auf dem Plan. „Das habe ich bereits vor einiger Zeit geschenkt bekommen, kam aber bisher nicht dazu, es zu lesen. Es geht unter anderem um den Umgang und die Lehren aus Wirtschaftskrisen“, sagt der Coach.

Im Fernsehen verfolgt er häufig die Pressekonferenzen des Robert-Koch-Instituts, wenn die aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus und die aktuellen Infektionszahlen bekanntgegeben werden. „Zu diesem Thema schaue ich mir auch viele Talk-Shows an, um zu sehen, wie die Beteiligten mit der Krise umgehen, welche Ideen sie haben, das Virus einzudämmen“, erzählt Wollitz. Am Abend darf es dann aber durchaus auch mal ein klassischer Krimi sein, um mal abzuschalten. „Ich nutze die Zeit gerade, um etwas Abstand zu gewinnen“, sagt er.

Wollitz hofft, dass die Corona-Krise zu einem allgemeinen Umdenken in der Gesellschaft führt. „Ich würde mir wünschen, dass Werte wie Demut wieder eine größere Rolle spielen. Das gilt für alle Bereiche“, betont er.

Auch der Fußball könne mittlerweile eine gewisse Entschleunigung durchaus vertragen. „In den vergangenen Jahren ging es vor allem in den Top-Ligen um kaum noch greifbare Summen. Eine gewisse Normalisierung bei Gehältern und Transfersummen wäre wünschenswert“, kritisiert er. Und: „Unserer Gesellschaft würde es gut tun, wenn wir nicht immer nach noch mehr streben. Die aktuellen Erlebnisse führen uns doch vor Augen, was wirklich wichtig ist. Wir sollten sozial und zwischenmenschlich besser miteinander umgehen.“

Ton ist oft diffamierend und abwertend

Der Trainer ist nach eigener Aussage zwar grundsätzlich ein Freund davon, auch mal kontrovers zu diskutieren, Dinge kritisch und klar anzusprechen. „In den vergangenen Jahren war der Ton von einigen Menschen aber leider oft diffamierend und abwertend. Es sollte aber doch unser aller Ziel sein, respektvoll miteinander umzugehen“, betont er.

Auf seine Mannschaft bezogen hofft Wollitz darauf, dass auch die Spieler die Zeit zur Selbstreflektion nutzen. Schließlich waren die vergangenen Monate alles andere als erfolgreich, der FCM hat in der Tabelle aktuell nur einem Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. „Die Jungs können in diesen Tagen ihr Bewusstsein gegenüber Mitspielern, Fans, Wirtschaftspartnern und dem gesamten Verein stärken“, sagt er.

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