Magdeburg l Den FCM-Fans, die den Sonnenschein und das frühlingshafte Wetter am Sonntag für einen Spaziergang genutzt haben, werden die zahlreichen Plakate aufgefallen sein, die Anhänger der Blau-Weißen in Magdeburg und der ganzen Region aufgehängt hatten. Dabei wurde dem kriselnden Drittligisten vor dem Heimspiel gegen den SC Verl Mut zugesprochen. „Welche Kräfte auch walten – der 1. FCM wird die Klasse halten“, war auf den Bannern zu lesen.

Doch diese Fan-Aktion ist völlig verpufft. Die Magdeburger enttäuschten am Sonntagnachmittag auf ganzer Linie und gingen im Heimspiel gegen den Aufsteiger mit 0:4 (0.3) unter. Es war für den Tabellenvorletzten nicht nur die fünfte Niederlage in Folge, sondern auch ein völlig misslungenes Heimdebüt für Christian Titz. Der neue Trainer analysierte gefasst: „Ich bin enttäuscht, aber auch selbstkritisch mit uns. Wir gehen mit der Mannschaft jetzt klar in die Analyse, um sie wieder aufzubauen.“

Defensive überaus anfällig

Das wird auch bitter nötig sein. Denn die Blau-Weißen wirkten gegen Verl von Beginn an völlig verunsichert. Die Defensive war überaus anfällig. „Das ist das zweite Mal nacheinander, dass wir frühzeitig 0:2 hintenliegen“, ärgerte sich Titz über die Parallelen zum 1:2 bei Türkgücü München zuvor. „Auch, wenn das der Gegner gut macht, muss man auch mal sehen, wie wir uns da angestellt haben“, ergänzte er sauer.

Bilder

Beim 0:1 (4.) leistete sich ausgerechnet Winterneuzugang Baris Atik bei seinem FCM-Debüt einen Ballverlust. Nach einem schnellen Pass landete der Ball danach bei Torjäger Zlatko Janjic, der von der Strafraumkante schießen durfte und zum 1:0 für die Gäste traf. „Da sind wir nicht herausgerückt, um den Schuss zu blocken, haben nicht mutig nach vorn verteidigt“, kritisierte Titz. Nur um Zentimeter verpasste der 13-Tore-Stürmer zwei Minuten später den Doppelpack. Der FCM verteidigte erneut schlecht. Die Viererkette, die der Coach auf den Außenpositionen umstellte, stand zu oft falsch. Vor allem Thore Jacobsen, der erstmals in dieser Saison als Linksverteidiger spielte, schien mit dieser neuen Rolle nicht klarzukommen. Auch wenn ihn Titz in Schutz nahm und sagte, dass der 23-Jährige mit den Gegentoren „wenig zu tun“ hatte.

Geärgert hat den Coach mehr, dass Brian Koglin vor dem 0:2 das Abseits aufgehoben hatte. Auch danach habe es sein Team „im Zentrum nicht gut verteidigt“, weshalb Aygün Yildirim früh auf 2:0 für Verl erhöhen durfte (16.)

Keine Torgefahr vom FCM

Danach war der FCM moralisch angeknackst. „Es wurde gegen einen spielstarken Gegner dann umso schwieriger für uns“, wusste Titz, dessen Team sich über die 90 Minuten nicht eine wirkliche Chance erspielte. Gästetrainier Guerino Capretti imponierte, dass sein Team „die ganze Zeit die Kontrolle hatte“. Und er freute sich, „dass wir zu null gespielt haben. Das hatten wir schon lange nicht mehr geschafft.“ Wahrscheinlich wurde das dem Aufsteiger aber auch selten so einfach gemacht.

Nachdem das Spiel im Verlauf der ersten Hälfte etwas ausgeglichener wurde – ohne, dass der FCM aber Druck entwickeln konnte –, gab die Titz-Elf die Partie kurz vor dem Seitenwechsel komplett aus der Hand. In der 42. Minute, als Jacobsen der Ball unglücklich an den Rücken prallte und die Verler anschließend erneut mit nur einem Pass die komplette Magdeburger Defensive aushebelten und Yildirim zum 3:0 einschieben durfte. Und in der 45. Minute, als der unglücklich agierende Brian Koglin sich durch ein rüdes Foulspiel gegen den Deutsch-Türken die Rote Karte einhandelte.

Titz-Elf fehlt der Mut

Im zweiten Durchgang gab sich der FCM dann nur noch seinem Schicksal der 13. Saisonpleite hin. Was Titz maßlos enttäuschte. „Ich weiß, dass wir ein Mann weniger waren. Aber wir haben dem Gegner bewusst den Spielverlauf überlassen.“ Das ärgerte den 49-Jährigen genauso wie die „Art und Weise, mit der wir die Zweikämpfe geführt haben“. Seinem Team habe der Mut gefehlt.

Nun ist Titz also auch im mentalen Bereich gefragt. Es gehe jetzt darum, „den Glauben zurückzufinden“. Den Glauben an den Klassenerhalt, den auch die Fans haben. Das zeigten die vielen Banner in und um Magdeburg. Doch dieser Glaube wird durch solche Auftritte wie gegen Verl nicht gerade gestärkt.