Magdeburg l Die Minuten vor dem Anpfiff der Partie des 1. FC Magdeburg gegen den 1. FC Kaiserslautern fühlten sich irgendwie falsch an. Keine Fans im Stadion, keine Stimmung – es war eine gespenstische Atmosphäre. Falsch lag dann während der Partie auch Schiedsrichter Manuel Gräfe, als er nach einem Schuss von Tarek Chahed, der die Linie deutlich überquert hatte, weiterspielen ließ (49.).

Die Fehlentscheidung passte zu diesem Tag und zum Ergebnis: Mit 0:1 verlor der FCM die erste Partie nach der Corona-Pause. Zu allem Überfluss waren es die beiden Ex-Magdeburger Florian Pick und André Hainault, die ihrem ehemaligen Verein bereits in der fünften Minute weh taten. Nach einer Ecke von Pick war es Hainault, der per Kopf traf.„Der Eckball hätte eigentlich gar nicht zustandekommen dürfen“, ärgerte sich Verteidiger Tobias Müller. „Danach haben wir zu schlecht verteidigt, haben zu viel Platz gelassen. Trotzdem hatten wir in der Folge ausreichend Gelegenheiten, um die Partie noch zu drehen.“

Gjasula verschießt Elfmeter

Denn der FCM verdaute den Gegentreffer recht schnell, hatte gegen insgesamt schwache Gäste Chancen durch Christian Beck (11., 12., 42.), Sören Bertram (15.) und Tarek Chahed (30.). Doch wie so oft in dieser Saison fehlte die Durchschlagskraft. Es war fast so, als hätte es die rund dreimonatige Corona-Pause nie gegeben. Denn viel zu oft musste sich die Mannschaft in dieser Saison bereits über eine fehlende Effizienz vor dem gegnerischen Tor ärgern. Hinzu kam dann noch der nicht anerkannte Treffer von Tarek Chahed sowie ein von Jürgen Gjasula verschossener Elfmeter (68.).

Besonders bitter: Für Gjasula war es der erste Strafstoß, den er nicht verwandelte. „Es tut mir leid für die Mannschaft. Der Ball hätte drin sein müssen“, gab sich der Schütze selbstkritisch.

FCM lässt Chancen liegen

Es war ein Spiel, in dem der Club wahrscheinlich noch Stunden hätte spielen können, ohne zu treffen. „Wir schießen in dieser Saison zu wenig Tore. Wenn wir unsere Chancen besser genutzt hätten, hätten wir nie über den ärgerlichen Gegentreffer sprechen müssen, weil wir diesen dann korrigiert hätten“, sagte Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Viel Konjunktiv, wenig Ertrag. Es ist ein roter Faden, der den FCM seit Monaten verfolgt. Spielerisch zeigte der Club nämlich in Ansätzen, was möglich sein kann.

Leichte Ballverluste beim FCM

Zur ganzen Wahrheit gehört auch: Trotz der vielen Chancen hatte der FCM immer wieder Phasen im Spiel, in denen es gerade im Mittelfeld viel zu leichte Ballverluste gab. Auch über die Außenpositionen war der Club zu harmlos, spielte die eigentlich vorhandene Schnelligkeit zu selten aus. Während Marcel Costly über die linke Seite zumindest einige gute Flanken brachte, dann aber verletzt vom Platz musste, blieb Tarek Chahed auf der rechten Seite wirkungslos. Im 3-5-2-System, das auch von starken Außenspielern lebt, hat sich diese Kombination als wenig gewinnbringend herausgestellt. Deutlich wirkungsvoller war Chahed hingegen in der Zentrale, kam dort auch zum Abschluss.

Pech hatte Trainer Wollitz, dass sich mit Sirlord Conteh ein wichtiger Spieler am Vortag verletzte und für das Heimspiel ausfiel. Mit seiner Schnelligkeit hätte er der behäbigen Lauterer Abwehr sicherlich wehtun können. „Sirlord ist im Abschlusstraining umgeknickt, hätte sonst in der Startelf gestanden“, verriet Wollitz.

FCM ganz nah an Abstiegsplätzen

Klar ist: Die Realität heißt jetzt trotz der vorhandenen spielerischen Qualität Abstiegskampf. Schließlich holte der FCM in 28 Spielen nur 33 Punkte, ist als Tabellen-15. punktgleich mit dem Halleschen FC, der den ersten Abstiegsplatz belegt.

Was Mut macht: Mit 32 Gegentreffern steht die zweitbeste Defensive hinter der SpVgg Unterhaching (31) zu Buche. Doch auch diese Medaille hat eine zweite Seite: Denn offensiv ist der FCM, wie von Wollitz beklagt, viel zu harmlos. 37 Tore hat das Team bisher erzielt, nur der KFC Uerdingen (34) sowie die abgeschlagenen und fast abgestiegenen SG Sonnenhof Großaspach (23) und FC Carl Zeiss Jena (27) sind schlechter.

FCM-Coach wird rotieren

Bei noch zehn ausstehenden Saisonspielen und einem vollen Terminkalender in den kommenden vier Wochen ist klar, dass der FCM schnell die Kurve kriegen muss. Bereits heute (19 Uhr) geht es mit der Partie bei den Würzburger Kickers weiter. In dieser Partie wird Wollitz wegen des engen Spielplanes und den dadurch bedingten hohen Belastungen personell rotieren. „Wir haben klar abgesprochen, wie wir die Partien personell angehen. Es wird einige Wechsel geben“, sagte er. So werden wahrscheinlich Thore Jacobsen und Björn Rother ins defensive Mittelfeld rücken. Auch Linksverteidiger Leon Bell Bell kann sich Hoffnungen auf einen Einsatz machen.

Tobias Müller versuchte unterdessen trotz des verpatzten Auftaktes positiv auf die kommenden Aufgaben zu blicken: „Wenn wir so weiterspielen und vor dem gegnerischen Tor einfach noch konsequenter sind, ist die logische Folge, dass wir schon bald Siege einfahren.“

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