Magdeburg l Türkgücü München ist alles andere als ein normaler Drittliga-Aufsteiger. Es ist der schon jetzt erfolgreichste von Migranten gegründete Fußballverein in Deutschland. Mal gibt man sich bescheiden, mal eigenwillig, und am einflussreichen Präsidenten Hasan Kivran scheiden sich sowieso die Geister. Gründe genug, um den kommenden Gegner des 1. FC Magdeburg etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

So unterschiedlich die beiden Vereine auch sein mögen – eine Parallele findet sich trotzdem: das Saison-Ziel. „Nicht abzusteigen und in der 3. Liga zu etablieren“, antwortet Türkgücüs Maximilian Kothny, mit 23 Jahren der jüngste Geschäftsführer der Liga, auf die Frage. Was sich mit der 46-Punkte-Marke, die den Klassenerhalt sichern soll und von FCM-Manager Mario Kallnik als primäres Ziel ausgegeben wurde, deckt.

Türkgücü gibt sich selbstbewusst

Doch der Debütant aus München, der 2018 noch in der Landesliga kickte und dann dreimal nacheinander aufstieg, fühlt sich zu Größerem berufen. „Mittelfristig sehe ich uns als Nummer zwei hinter dem FC Bayern, das ist rein sportlich unser klares Ziel“, stellte Kothny in einem Interview mit „Goal“ klar. Bis 2023 wollen die Münchner den nächsten Aufstieg eingetütet haben. An Selbstbewusstsein mangelt es also definitiv nicht. „Wir werden im deutschen Fußball sicherlich für Furore sorgen“, so der Sportliche Leiter Roman Plesche.

Die Gegner der ersten vier Spieltage haben das schon erfahren. Mit sechs Punkten – ein Sieg, drei Unentschieden – rangiert Türkgücü derzeit ungeschlagen auf Platz neun. Dabei wurde die Mannschaft im Sommer nahezu komplett ausgetauscht, 16 neue Spieler unter Vertrag genommen. Auch Aufstiegs-Trainer Reiner Maurer wurde durch Alexander Schmidt ersetzt. Im Team kickt jetzt Drittliga-Prominenz wie die Uerdinger Tom Boere und René Vollath, Duisburgs Petar Sliskovic oder Aaron Berzel vom Lokalrivalen 1860. Nicht zu vergessen Sercan Sararer. Der 30-Jährige ist zwar kein Neuzugang, aber ebenfalls erwähnenswert: Der Kapitän ist mit bislang zwei Toren sowie fünf Vorlagen in der Offensive brandgefährlich.

Präsident Kivran investiert ordentlich

Möglich macht das personelle Aufrüsten die finanzielle Unterstützung von Anteilseigner, Präsident und Leiter des Aufsichtsrats, Hasan Kivran, der in den 80er Jahren selbst für Türkgücü kickte. Seit seinem Amtsantritt 2016 sollen sich seine Investitionen auf mehr als eine Million Euro belaufen. Der „Alleinherrscher“ ist nicht unumstritten, mische sich auch in Entscheidungen des Trainers ein, wie der geschasste Ex-Coach Maurer beklagte.

Der sportliche Erfolg jedoch lässt das in den Hintergrund rücken. Und durch die neu gewonnene Aufmerksamkeit sollen jetzt weitere Sponsoren angelockt werden. Nicht nur hier sieht der Verein nämlich noch Potenzial, sondern auch bei der Fan-Gemeinde: Immerhin leben hierzulande drei Millionen türkischstämmige Deutsche. Die Ambitionen sind groß – man darf gespannt sein, wohin der Weg von Türkgücü führt.