Magdeburg l Claus-Dieter Wollitz war gestern recht entspannt. Am Vormittag mussten die Spieler des 1. FC Magdeburg beim Laktattest schwitzen. Der FCM-Trainer schaute sich das Treiben aus der Entfernung an, führte hin und wieder ein Einzelgespräch.

Von seinem Ärger nach dem 1:1 gegen Chemnitz war nicht mehr viel zu spüren. Doch der Schein trügt gewaltig – in Wollitz brodelt es. Und wie: „Wir haben kaum fußballerische Struktur. 20 Meter vor dem gegnerischen Tor ist das einfach zu wenig. Mit und ohne Ball lassen wir dem Gegner zu viele Räume.“

Wollitz hatte andere Erwartungen

Nach sechs Wochen beim FCM hätte er mit einer solchen Erkenntnis nicht gerechnet: „Ich dachte eigentlich, dass die fußballerische Struktur hier eine Selbstverständlichkeit ist – ist sie aber nicht. Da geht es wirklich um Grundlagenarbeit, das habe ich unterschätzt.“

Für Wollitz ergibt sich daraus nur eine Konsequenz, die er in den kommenden Tagen bis zum nächsten Auswärtsspiel am Sonntag (13 Uhr) beim TSV 1860 München umsetzen will. „Ich habe bisher viele Abläufe nicht verändert. Doch damit ist Schluss. Jetzt werde ich meine Ideen noch mehr einbringen und umsetzen“, betonte er. Und: „Es werden einige Dinge verändert, ich werde harte Entscheidungen treffen. Denn ich bin mir sicher, dass viel mehr drin ist, als das, was wir bisher auf dem Rasen gesehen haben.“

Beck steht als Torjäger besonders im Fokus

Das bedeutet konkret: Einige Spieler werden sich auf der Bank oder Tribüne wiederfinden, die gegen Chemnitz noch in der Startelf standen. Doch wen könnte es treffen? Allen voran in der Offensive wird der Coach ansetzen, schließlich lässt die Torgefährlichkeit seit Wochen zu wünschen übrig. Und selbst der bisher gesetzte Kapitän Christian Beck kann sich seines Platzes nicht mehr sicher sein. „Es geht nicht nur um Christian, er steht aber im Fokus, weil er ein Torjäger ist“, sagt Wollitz. Und fügt unmissverständlich hinzu: „Das System, das ich spielen lasse, verlangt einen Spieler, der das anders interpretiert."

Für Marcel Costly könnte es ebenfalls eng werden. Der Offensivspieler hatte mehrfach die Chance, sich zu zeigen, blieb in den vergangenen vier Partien aber glücklos. Statt der beiden etablierten Kräfte könnte somit bereits in München die Stunde von Anthony Roczen und Winter-Neuzugang Patrick Möschl schlagen. „Ich bin bereit, bin fit“, sagte Möschl, der vor allem Schnelligkeit und Gradlinigkeit ins Spiel bringen könnte. Auch Roczen zeigte sich nach seiner Einwechslung in der Chemnitz-Partie im Vergleich zur Vorrunde verbessert.

Roczen bei Krämer nur mit Kurzeinsätzen

Unter Ex-Coach Stefan Krämer kam der 20-Jährige nie über Kurzeinsätze hinaus. Die 28 Minuten gegen Chemnitz waren für Roczen bisher die längste Spielzeit in dieser Saison. Das macht das Problem noch mal deutlich. Aber auch Sören Bertram oder der zuletzt auf der Tribüne sitzende Daniel Steininger könnten den Mittelstürmer geben.

Auch wenn Wollitz über harte Entscheidungen und Veränderungen spricht, gibt es weiterhin einige Korsettstangen, an denen der Trainer kaum rütteln wird. Das ist Morten Behrens im Tor, in der Defensive sind es Tobias Müller und Timo Perthel. Auch Innenverteidiger Brian Koglin wird wohl zunächst im Team bleiben. Auf der rechten Seite könnte in München hingegen der kampfstarke Dominik Ernst sein Comeback feiern.

Besonders hart umkämpft sind unterdessen die Plätze im Mittelfeld: Jürgen Gjasula und Björn Rother haben ihre Sache zuletzt gut gemacht und sind deshalb gesetzt. Um die restlichen ein bis zwei Plätze streiten sich so veranlagte Spieler wie Mario Kvesic, Rico Preißinger und der nach seiner Rotsperre wieder einsatzbereite Thore Jacobsen. „Es geht nicht darum, eine Entscheidung gegen jemanden, sondern für die Mannschaft zu treffen“, betont der 54-Jährige.

Wollitz denkt über Taktikwechsel nach

Doch Wollitz nimmt sich selbst nicht aus der Kritik heraus. Denn auch taktisch läuft es nicht rund. Schließlich hat der Club viermal im 4-3-3 beziehungsweise 4-1-4-1 gespielt – ohne Erfolg. „Wenn ich sehe, dass wir in diesem System nur zwei Punkte geholt haben, dann ist das nicht der Ertrag, den ich mir gewünscht habe“, sagt er selbstkritisch.

Denkbar ist deshalb ein Wechsel hin zu einem 4-4-2 oder 3-5-2 mit Doppelspitze. Auch im Chemnitz-Spiel setzte Wollitz in der zweiten Halbzeit nach der Einwechslung von Anthony Roczen auf zwei Stürmer – mit sichtbar mehr Torgefahr.

Bereits in der Vorrunde sorgten Christian Beck und Sören Bertram, der B&B-Sturm, für Furore. Sehr fraglich ist nach den Aussagen von Wollitz aber, ob Beck derjenige ist, den er dann noch als feste Größe im Sturm sieht. Konkurrent Roczen machte nie einen Hehl daraus, gerne die Nachfolge des Kapitäns anzutreten.

Fakt ist: Es tut sich etwas beim FCM – die kommenden Tage dürften für die Spieler spürbar ungemütlich werden.

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