Magdeburg l Schwer zu sagen, was sich Christian Beck bei der krachenden 0:4-Niederlage des 1. FC Magdeburg gegen Verl gedacht hat, als er sich gemeinsam mit dem A-Jugendlichen Tom Weiß kurz vor dem Spielende aufwärmte und auf seine Einwechselung wartete. Der 32-Jährige war sicher enttäuscht, dass es dazu nicht mehr kam und er sportlich beim Drittligisten derzeit keine Rolle spielt.

Auch seitdem er vor gut fünf Wochen als Kapitän zurückgetreten ist, kommt der Publikumsliebling über seine Rolle als Joker nicht hinaus. Wenn überhaupt. Vielleicht war er insgeheim aber auch etwas froh, bei der höchsten Saisonniederlage, der blamablen Vorstellung gegen den Aufsteiger, dieses Team nicht mehr als Kapitän anführen zu müssen.

Schon 36 Gegentore

Denn die Binde scheint sich in der aktuellen Saison als eine Art Bürde herauszustellen. Zumindest haben sich die Leistungen von Tobias Müller nicht gerade verbessert, seitdem er das Amt von Beck Mitte Januar übernommen hat. Im Gegenteil: Die Bilanz der Rückrunde ist mit null Punkten und bereits elf Gegentoren in fünf Spielen aus FCM-Sicht erschreckend. Von der stabilen Defensive um Müller, die trotz der ebenfalls schwachen Vorsaison nur 42 Gegentreffer hinnehmen musste, ist kaum noch etwas übrig. Schon jetzt, bei noch 14 verbleibenden Spielen, haben die Blau-Weißen 36 Gegentore kassiert.

Das liegt natürlich nicht allein am Kapitän. Doch er ist eben der „Chef“ der seit der Rückrunde teilweise vogelwilden Defensivreihe. Und neben Brian Koglin, der nach seiner Roten Karte gegen Verl vom DFB für ein Spiel gesperrt wurde, konnte auch Müller nicht als gutes Beispiel vorangehen, leistete sich im Vergleich zur Hinrunde deutlich mehr Fehlpässe und Unsicherheiten, die teilweise auch direkt zu Gegentoren führten wie beim 0:1 gegen Dynamo Dresden. Was schon die Frage aufwirft: Vernachlässigt der 1,88 Meter große Innenverteidiger seine sportlichen Aufgaben, weil er sich zu sehr darauf konzentriert, eine sichtlich verunsicherte Mannschaft führen zu wollen?

Trainer und Fans hängen lassen

An klaren Worten nach der Niederlage gegen Verl mangelte es Müller jedenfalls nicht, wie er am MDR-Mikrofon bewies: „Wir müssen uns alle hinterfragen, ob wir gemeinsam als Mannschaft aufgetreten sind“, sagte der 26-Jährige. Mit einer derart schlechten Leistung haben der Kapitän und seine Mitspieler nicht nur den neuen Trainer Christian Titz bei seinem Heimdebüt hängen lassen, sondern auch die Fans vor den Bildschirmen, die der Mannschaft mit einer Banner-Aktion im Vorfeld noch den Rücken gestärkt hatten. Dennoch sagt Müller: „An der Einstellung scheitert es nicht.“ Woran dann – an der Qualität? Das sah zumindest gegen Verl so aus. „Wir haben keine Zweikämpfe gewonnen und den Gegner förmlich zu Gegentoren eingeladen“, ärgerte sich der Abwehrspieler.

Müller bleibt nicht viel mehr übrig, als gebetsmühlenartig die Durchhalte-Parolen zu bemühen. „Wir müssen uns pushen und positiv bleiben“, sagte er mit Blick auf das kommende Auswärtsspiel am Sonnabend um 14 Uhr beim SV Wehen Wiesbaden. Es ist das erste von 14 Endspielen, in dem Müller als Anführer gefragt ist. Aktuell wahrlich keine leichte Aufgabe.

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