Magdeburg l „Ach, ich rege mich schon wieder viel zu sehr auf“, meint Wolfgang Seguin, als er seinen Stadionbesuch am Sonntag in der MDCC-Arena Revue passieren lässt. Dieser sollte zwar durchaus aufregend sein, wurde doch die Meile der Legenden – Ehrentafeln für verdienstvolle FCM-Spieler und -Akteure – an diesem Tag mit Seguin eröffnet. Allerdings verhagelte dem FCM-Altstar dann die 0:2-Niederlage gegen den Halleschen FC die Laune. Und regt(e) ihn auf – bis heute.

„Ich hänge an diesem Verein, bin und bleibe Blau-Weiß ein Leben lang“, erklärt Seguin seine Emotionalität. Nach der Partie blieb er fassungslos zurück. „So eine Niederlage ausgerechnet gegen Halle tut auch weh“, sagt er und moniert: „Ich habe kein Mittelfeld gesehen, Christian Beck wurde immer oben angespielt, einen Flachpass gab es ganz selten. Die rechte Seite war außerdem komplett verwahrlost.“ Sein Fazit: „Der Auftakt ging voll in die Hose, aber trotzdem kann man nicht sagen, dass alles Mist ist. Die Mannschaft muss jetzt zeigen, was sie kann“, betont er.

Niederlagen kosten Selbstvertrauen

Denn wenn weder bei 1860 München noch Viktoria Köln gepunktet wird, dürfte es im Umfeld bereits unruhig werden. „Und die Moral geht dahin, dann traut man sich nichts mehr zu“, merkt Seguin an, der eine ähnliche Beobachtung schon in der Auftaktpartie gemacht hat. „Bei dem Quergeschiebe hatte ich den Eindruck, als ob es heißt: Mach du den Fehler. Den Weg in die Spitze hat sich keiner getraut.“

Für ihn nicht nachvollziehbar: „In der 3. Liga lebst du vom Fußball, bekommst Geld dafür. Da hänge ich mich doch auch so rein, dass ich am nächsten Tag erhobenen Hauptes in die Stadt gehen kann“, sagt Seguin, „das habe ich aber nicht gesehen.“ Trotzdem hält der 75-Jährige nach einer Partie nichts davon, die Flinte ins Korn zu werfen. „Ich denke immer positiv. Der Trainer hatte ja auch nur rund sechs Wochen Zeit, um eine neue Mannschaft zu formen. Jetzt gilt es, in der Analyse die Fehler wegzustreichen und die Stärken rauszusuchen.“

AG Vereinskultur ruft Aktion ins Leben

Übrigens konnte all der Frust die Freude über seine Auszeichnung nicht dämpfen. „Es ist schön, dass in Magdeburg so etwas gemacht wird. Und dass ich der Erste bin, ehrt mich“, sagt er zu seiner Ehrentafel. Die AG Vereinskultur mit FCM-Präsident Peter Fechner an der Spitze hat die Aktion ins Leben gerufen. Ein weiterer Baustein, der das nicht immer einfache Verhältnis zwischen altverdienten Spielern und dem Verein weiter verbessern könnte.

Für Seguin hat die Tradition des Clubs jedenfalls einen hohen Stellenwert, mit der Traditionsmannschaft reist er immer noch durchs Land und berichtet: „Auf den Dörfern ist die Euphorie für den FCM immer noch so groß. Was das bedeutet, kann sich der Verein kaum vorstellen.“

Letztlich spiegele sich das dann wieder bei den Besucherzahlen in der Arena wider. „Die Fans waren schon immer einmalig. Und mit diesem Stadion gehört der FCM eigentlich sowieso in die 2. Liga.“ Seguin hofft, dass er das bald wieder erleben darf.

Hier geht's zu unserem FCM-Blog.