Magdeburg l Anpfiff. Der Ball rollt. Alle Augen sind auf das Spielfeld der Magdeburger MDCC-Arena gerichtet. Die Fans des 1. FC Magdeburg heizen die Stimmung an und schreien ihre Mannschaft mit Sprechchören nach vorn.

Andreas Nichelmann, der 45-jährige Sicherheitsbeauftragte des 1. FC Magdeburg bekommt vom Spielgeschehen nur wenig mit. Er steht in seinem Kontrollraum in der MDCC-Arena und stimmt sich über Funk mit den Bereichsleitern seines Teams ab. Er trägt einen blau-weißen Pullover. Seine kräftige Statur und sein markantes Gesicht vermitteln den Eindruck, als sei er nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Gar nicht so einfach, wenn man sich etwa die Bilder der Pokalpartie 2016 gegen Eintracht Frankfurt in Erinnerung ruft. Pyrotechnik, Feuerwerkskörper und randalierende Fans machten das Fußballspiel seinerzeit zur Nebensache. Nichelmann kommentiert die damaligen Ereignisse als einen der Tiefpunkte seiner Karriere.

Der Sicherheitsbeauftragte des 1. FC Magdeburg ist das Bindeglied zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Verein. Er sorgt dafür, dass die Interessen des Verbandes, der Fangruppen und des Vereins in Einklang gebracht werden. Der DFB gibt den Clubs einen 50-seitigen Anforderungskatalog vor, den sie bei der Durchführung von Spieltagen beachten müssen. Der Sicherheitsbeauftragte hat sich daran gewöhnt: „Ich mache das jetzt schon so lange, da werden viele Abläufe zur Routine“. Ähnlich abgeklärt sieht das Pressesprecher Norman Seidler: „Wir sind bestrebt, das Zusammenspiel von Polizei und Sicherheitsdienst immer weiter zu verbessern: Dabei haben wir die DFB-Regularien ohnehin stets im Blick.“

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Planung ist das A und O

Die Planung eines Spieltages ist dabei das A und O. „Es sieht immer ähnlich aus“, sagt Andreas Nichelmann. Vor dem Spiel erfolgt eine erste Sicherheitsberatung. Heim- und Gastverein, Polizei, Sicherheitsteam und Fanbeauftragte stimmen sich dabei ab. Die Maßnahmen eines Spieltages werden durchgesprochen. Welche Sicherheitsvorkehrungen notwendig sind, richtet sich danach, als wie riskant der DFB das Spiel und die beteiligten Vereine einstuft. Weniger brisante Partien haben die Sicherheitsstufe grün. „Spiele unter Beobachtung“ sind als gelb eingestuft und die sehr riskanten Partien, bei denen schon von Beginn an mehr Sicherheitspersonal vor Ort ist, bekommen die Stufe rot. Geht es nach dem FCM-Sicherheitsfachmann, könnte es sogar noch etwas mehr sein. „Die Stufe knallrot wäre für manche Spiele auch wünschenswert“, ergänzt der 45-Jährige.

Wichtig ist auch, dass die Fangruppen vor dem Spiel zu Wort kommen. Choreographien und Spruchbänder werden aus Sicherheitsgründen vorher mit den Vereinsverantwortlichen abgestimmt, denn auch hier gibt es Vorschriften. Das Banner darf nicht zu groß sein und natürlich keine diskriminierenden Parolen enthalten. Ein großes Problem: Feuerwerkskörper. Dem Verein wurde wegen Verstößen, unter anderem durch den Einsatz von Pyrotechnik, im Oktober 2017 eine Geldstrafe von 11.500 Euro vom Verband aufgebrummt. Nichelmann will die Verfehlungen von Fans nicht gutheißen. Sein Anspruch lautet trotzdem: „Wir müssen Fankultur im Fußball möglich machen.“ Im Anschluss an jede Partie werten der Verein und die Polizei das Spiel aus: Ist das Sicherheitskonzept aufgegangen? Was muss beim kommenden Heimspiel besser werden?

Bei Anpfiff der nächsten Partie vor heimischer Kulisse wird Andreas Nichelmann dann wieder fernab des Spielgeschehens in seinem Kontrollraum stehen. Wenn er das Funkgerät am Ende abschaltet und der Spieltag ohne Probleme zu Ende geht, dann wird er verschmerzen können, dass er von der Stimmung in der MDCC-Arena einmal mehr nicht viel mitbekommen hat.

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