Magdeburg l Philip Türpitz fällt auf. Sein Körper ist voller Tattoos. Er ist stolz darauf, er zeigt sie gerne – und erklärt deren Bedeutung bereitwillig. Wie vor gut einem Jahr, als er im Gespräch mit der Volksstimme über seine Rücken-Tätowierung „Peter-Pan-Syndrom“ sprach: „Es soll zeigen, dass man nicht immer alles so ernst nehmen soll“, erzählte Türpitz damals.

Gut gespielt, aber zu wenig Punkte

Das Thema „Nicht-Erwachsen-Werden“, das das „Peter-Pan-Syndrom“ in Psychologie und Psychiatrie ja beschreibt, lässt sich aktuell durchaus auf die Situation des 1. FC Magdeburg in der 2. Liga übertragen. Oft gut gespielt, aber viel zu wenig Punkte eingefahren – all das ist auch ein Zeichen von Reife. Und es wird auch an Philip Türpitz liegen, ob die Mannschaft in der Rückrunde die Entwicklung schafft, „erwachsen“ zu werden. Denn bei Trainer Michael Oenning spielt der 27-Jährige im zentralen offensiven Mittelfeld, soll und darf seine Kreativität ausleben. Er ist der Ideengeber, der Spielmacher.

Türpitz selbst gefällt diese Rolle. „Ich mag diese Position sehr gerne. Gerade wenn wir mit zwei Spitzen spielen, ist man als Zehner sehr flexibel“, sagt er. Denn: „Ich habe mehr Platz in alle Richtungen.“ Zuvor unter Ex-Trainer Jens Härtel spielte Türpitz häufig auf der rechten Seite im Dreiersturm. „Diese Position hat Vor- und Nachteile. Dort bin ich durch die Außenlinie aber schon etwas begrenzt.“

Auftrag des Trainers ist klar

Hinter den beiden Stürmern, aktuell Christian Beck und Felix Lohkemper, ist das anders. Türpitz verteilt die Bälle. Seinen Auftrag vom Trainer beschreibt er so: „Ich soll häufig hinter die gegnerische Abwehrkette kommen, mich zwischen den Linien aufhalten. Und den Gegner auch mal überraschen.“

Was auffällig ist: Türpitz scheut auch den Zweikampf nicht. „Ich bin im Zentrum noch häufiger in Duelle verwickelt“, sagt er. Und für einen Offensivspieler hat er eine enorm gute Quote, die häufig über 60, teilweise sogar über 70 Prozent liegt. Türpitz: „Wenn es sein muss, haue ich auch mal dazwischen.“

Automatismen sind wichtig

Unter Oenning war Türpitz in der neuen Rolle bisher immer gesetzt. Und er hat festgestellt, dass ihm diese Regelmäßigkeit guttut. „Ich habe die Position zwar schon hin und wieder gespielt. Ich spüre jetzt aber, dass gewisse Automatismen kommen“, sagt er. Und: „Ich denke, dass ich es ganz gut mache, auch wenn es natürlich immer noch besser geht.“

Verbesserungspotenzial gibt es, wenn der Blick auf die Statistik geht: Bisher hat Türpitz in dieser Saison drei Tore und eine Vorlage auf seinem Konto. Alles, als er noch außen gespielt hat. Als Zehner ist das Blatt bisher noch komplett leer. Wie der FCM leidet auch Türpitz noch unter fehlender Effizienz. In der vergangenen Drittligasaison war das anders: Er überragte mit 17 Treffern und acht Vorlagen, wurde zum besten Spieler der Liga gewählt.

Oennings Spielphilosophie könnte Türpitz aber auf lange Sicht entgegenkommen. Der neue Coach legt viel Wert auf Offensivfußball. „Wir suchen häufig spielerische Lösungen, seitdem der neue Coach da ist“, sagt er. Und: „Ich finde, dass wir von Spiel zu Spiel mehr Lösungen gefunden haben.“

Viel Lehrgeld bezahlt

Umso genervter ist Philip Türpitz von den fehlenden Erfolgserlebnissen. Trotz guter Phasen und Halbzeiten zuletzt gegen den 1. FC Union Berlin, den 1.  FC Köln und den FC St. Pauli gab es keinen Sieg. „Wir haben in jedem Spiel unsere Chancen, müssen diese aber konsequenter nutzen. Die Gegner machen es uns vor, sie brauchen ganz einfach viel weniger Gelegenheiten, um Tore zu erzielen.“ Außerdem gelte es, eine Führung besser über die Zeit zu bringen – oder auch mal auszubauen. Türpitz‘ Fazit: „In der Hinrunde haben wir schon ein bisschen Lehrgeld gezahlt.

Zeit, um erwachsen zu werden. Türpitz lässt jedenfalls keine Zweifel aufkommen: „Ich bin davon überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen.“

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