Magdeburg l FCM-Trainer Jens Härtel war in den vergangenen Tagen überraschend offen. Von Anspannung oder gar schlechter Laune war vor der richtungsweisenden Partie in Darmstadt nichts zu spüren.

Im Gegenteil: Härtel lachte, er lockerte sogar die manchmal etwas staubige Spieltags-Pressekonferenz auf. Als er gefragt wurde, ob er wegen der sportlichen schwierigen Situation etwas im Training verändert habe, übernahm er kurzerhand den Job des moderierenden FCM-Pressesprechers Norman Seidler. „Ich würde die Frage an Philip weitergeben: Gibt es ein paar Sachen, die wir versucht haben, anders zu machen?“, fragte er Philip Türpitz.

Härtel: Spaß in FCM-Pressekonferenz

Härtel hatte an den vertauschten Rollen sichtlich Spaß und nippte genüsslich an seinem Kaffee. Türpitz war so überrascht, dass er zunächst vergaß, das Mikrofon einzuschalten.

Videos

Diese Szene zeigte, dass sich Härtel bei aller Ernsthaftigkeit und Brisanz nach nur neun Punkten aus elf Spielen etwas Gelassenheit nicht nehmen lässt. „Es kommt darauf an, das richtige Spannungslevel zu finden. Zu viel ist nicht gut, weil man dann zu nervös wird“, sagt er. Und: „Es geht um die Mischung aus Lockerheit und einer klaren Fokussierung.“

FCM: Gute und schlechte Trainings

Diese Balance versucht der Coach auch jeden Tag aufs Neue im Training zu finden – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Härtel: „Wir haben Trainingstage, an denen wir begeistert sind. Dann wieder gibt es Einheiten, nach denen wir frustriert sind, weil die geplanten Inhalte nicht umgesetzt werden konnten.“

Der Abstiegskampf wird für den 1. FC Magdeburg immer mehr zu einer Kopfsache. Gerade, wenn die Mannschaft wochenlang einem Sieg hinterherrennt. „Der Kopf entscheidet alles“, sagt auch Härtel. Und: „Es hilft natürlich, wenn man mal ein Tor gemacht hat. Ohne am Torwart oder sich selbst gescheitert zu sein.“

Gespräche mit FCM-Spielern

Der Trainer nimmt sich regelmäßig Spieler zu Seite, führt kurze Einzelgespräche. „Wenn sich die Chance nach dem Training ergibt, mache ich das. Solche Gespräche gibt es auch mit der gesamten Mannschaft“, sagt er. Denn: „Es ist nicht so einfach, auf alle einzeln einzugehen.“

Die Fahrt nach Darmstadt nutzte er, um sich noch mal intensiv mit dem Gegner auseinanderzusetzen. Für Entspannung bleibt da nur wenig Zeit. Wenn Härtel doch mal ein paar freie Minuten hat, liest er gerne Biografien, zuletzt ein Buch über den Theologen und am NS-Widerstand beteiligten Dietrich Bonhoeffer. „Das ist interessant und manchmal auch inspirierend“, sagt Härtel.

Ganz sicher inspirierend wäre für ihn heute ein Sieg in Darmstadt. Die drei Punkte wären gleichbedeutend mit guter Stimmung – bei der Pressekonferenz nach dem Spiel und in der kommenden Woche beim Training.

Das Spiel Darmstadt 98 gegen den 1. FC Magdeburg gibt es hier im Liveticker (Anstoß 13 Uhr).