Novo Sancti Petri l Das erste Trainingslager mit Fußball-Zweitligist 1. FC Magdeburg hat dem Trainer Michael Oenning gefallen. Nicht nur die Anlage und die Bedingungen im spanischen Novo Sancti Petri, auch die Winter-Neuzugänge haben bei ihm einen positiven Eindruck hinterlassen. Im Volksstimme-Interview spricht der 53-Jährige, seit Mitte November in Diensten der Blau-Weißen, über die neuen Akteure, seinen Spielstil und den Abstiegskampf.

Volksstimme: Herr Oenning, der FCM hat sich im Trainingslager im spanischen Novo Sancti Petri vorbereitet. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Michael Oenning: Viele Dinge sind so, wie ich sie mir erhofft habe. Wir haben das Glück, dass wir in Spanien eine stabile Wetterlage haben. Die Sonne hilft, eine ganz andere Grundmoral an den Tag zu legen. Dazu kommt, dass die Trainingsplätze sehr gut sind und wir logistisch gut aufgestellt sind. Die Testspiele haben wir so bestritten, wie ich es mir vorgestellt habe. Wir waren mutig und haben sie dann auch noch gewonnen.

Mit Jan Kirchhoff, Timo Perthel und Steven Lewerenz wurden drei Spieler verpflichtet. Welchen Eindruck haben Sie von den Neuen?

Wir haben versucht, uns gezielt zu verstärken. Ich denke, dass uns das gelungen ist, ohne den neuen Jungs gleich einen Rucksack aufschnallen zu wollen. Alle drei sind offen empfangen worden. Ich habe den Eindruck, dass sie sich wohlfühlen. Das sieht man auch auf dem Platz, weil sie sich gleich von Beginn an gut präsentiert haben. In unserer momentanen Lage gibt uns das noch mal einen Schub. Wir haben qualitativ auf jeden Fall zugelegt.

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Trotz der schlechten Hinrunde wird auf dem Trainingsplatz wieder gelacht. Wie haben Sie das geschafft?

Es zeigt sich, dass wir innerhalb des Vereins intakt sind. Die Spieler und ich haben schnell einen Zugang zueinander gefunden. Wir haben vielleicht nicht die Ergebnisse, die wir uns erhofft haben. Wir haben aber nicht den Fehler gemacht, in einem Selbstzerfleischungsprozess zu landen. Im Gegenteil: Wir sind positiv und freuen uns auf die Rückrunde, weil wir mit aller Macht in der Klasse bleiben wollen.

Was kann die positive Stimmung bewirken?

Wenn wir es schaffen, mutig, mit der notwendigen Grundaggressivität und einem hohen Willen aufzutreten, dann können wir enorme Kräfte freisetzen. Gut ist, dass die Köpfe bei allen Spielern mittlerweile frei sind. Jeder trainiert mit einer hohen Motivation. Das war zu Beginn nicht der Fall. Als ich zum FCM kam, habe ich viel Unsicherheit, Frust und Angst gesehen.

Jan Kirchhoff spielte unter anderem bei Bayern München und beim FC Schalke. Welche Rolle soll er beim FCM einnehmen?

Bisher fühlen wir uns total bestätigt, dass es die richtige Entscheidung war, ihn trotz der fehlenden Spielpraxis zu uns zu holen. Jan kann sich als Glücksgriff erweisen, wenn er es schafft, stabil zu werden. Wenn er von Verletzungen verschont bleibt, können wir das Spiel um ihn herum gestalten. Er hat ein sehr gutes Auge für Spielsituationen. Von seiner Ausstrahlung her ist er ein absoluter Führungsspieler. Er kann den Jungs auf und neben dem Platz helfen, weil er schon viel gesehen hat.

Sie bemängeln, dass der FCM oft zu naiv war. Wie wollen Sie das ändern?

Wir haben im Trainingslager ganz bewusst das Spielsystem geändert, sind mit der Viererkette in der Defensive noch kompakter. Der nächste Schritt wird sein, dass wir innerhalb eines Spiels, je nach Situation taktisch umstellen können – ob auf 3-5-2, 4-1-4-1 oder 4-3-3. Wir wollen nicht so leicht ausrechenbar sein. Manchmal spielen wir noch zu schemenhaft. Es ist sicherlich noch nicht alles perfekt, da müssen wir uns nichts vormachen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.

In den fünf Spielen unter Ihnen gab es gute Ansätze, die Ergebnisse fehlten aber. Sind Sie nun auch als Psychologe gefragt?

Entscheidend ist, dass wir an dem Weg festhalten, mutig Fußball zu spielen. Der Schwerpunkt bleibt das Fußballspielen. All die anderen Tugenden wie Aggressivität, Einsatz, Laufbereitschaft und Zweikampfverhalten waren vorher schon da. Wir führen im Trainingslager viele Gespräche. Wir müssen unbedingt effizienter vor dem gegnerischen Tor werden. Der Unterschied zu tieferen Ligen ist, dass wir in der 2. Liga weniger Torgelegenheiten bekommen. Außerdem dürfen wir uns in der Defensive kaum Fehler erlauben.

Mit Jasmin Fejzic und Mergim Berisha wurden zwei Spieler abgegeben. Warum hat es nicht gepasst?

Bei Mergim kann ich es gar nicht genau sagen. In der kurzen Zeit, die wir gemeinsam hatten, hätte er eigentlich merken können, dass ich auf ihn baue. Er hat sich aber relativ früh entschieden, dass er zurück will.

Wie war es bei Fejzic?

Ich habe sehr oft und lange mit ihm gesprochen. Wir hatten eigentlich einen klaren Plan, ihn wieder heranzuführen und im Winter-Trainingslager noch mal einen neuen Konkurrenzkampf im Tor zu entfachen. Für ihn hat sich aber eine Tür in Braunschweig geöffnet, mit der Perspektive nach der Karriere. Für ihn war es eine Lebensentscheidung. Deshalb kann ich ihn verstehen.

Werden Christopher Handke und Joel Abu Hanna den FCM noch im Winter verlassen?

Mit Christopher gibt es klare Absprachen. Er weiß, dass es für ihn in diesem Verein schwierig wird, Fußball zu spielen. Die Konkurrenz ist hoch. Wir werden ihn nicht wegschicken, er muss jetzt aber eine Entscheidung für seine Karriere treffen. Joel steht hingegen am Anfang seiner Karriere. Für ihn ist jetzt wichtig, dass er Spielpraxis bekommt. Bei ihm kommt für mich nur eine Ausleihe infrage, ich würde ihn nie komplett abgeben. Es liegt bei ihm, wie er damit umgeht. Ich habe aber den Eindruck, dass er dahin tendiert, sich ausleihen zu lassen.

Wann wird man Ihre komplette Handschrift beim FCM sehen?

Das dauert meistens bis zu einem Jahr, bis man sie ganz genau sieht.

Was macht die Oenningsche Handschrift aus?

Ich bin jemand, der versucht, das Spiel zu bestimmen. Es geht gar nicht darum, dass wir ex-trem lange den Ball haben. Ich möchte, dass wir immer wieder attackieren, immer wieder nach vorne spielen. Gerade zu Hause wollen wir einen Fußball spielen, der die Fans begeistert und mitnimmt. Das bedeutet allerdings auch, dass wir handlungsschnell sein müssen. Dafür muss ich den Spielern aber auch Vertrauen vermitteln, damit sie sich trauen, häufig ins Risiko zu gehen.

Über das FCM-Trainingslager berichten wir ausführlich im FCM-Blog.

Mehr Informationen zum FCM gibt es hier.