Dresden/Magdeburg (dpa) l Die Rivalität zwischen den Ost-Rivalen Dynamo Dresden und 1. FC Magdeburg ist groß. So unterschiedlich beide Fußball-Zweitligisten in die Saison starteten, so nah liegen sie nun beieinander.

Abstiegskampf

Aufsteiger Magdeburg wollte die 2. Liga laut Geschäftsführer Mario Kallnik eigentlich "nicht verwalten, sondern erobern". Dass es aber um nicht mehr als den Klassenverbleib geht, war wohl allen Verantwortlichen klar. Mit Rang 15 der Tabelle ist dieser aktuell noch erreicht, doch machten die vergangenen Ergebnisse Sorgen. Gegen den jeweiligen Tabellenletzten Duisburg und Sandhausen kassierte der 1. FCM jeweils ein 0:1. "Noch stehen wir über dem Strich, doch das dürfen wir nicht jede Woche sagen", betonte der Sportliche Leiter Maik Franz.

In Dresden wollte man mit dem Abstiegskampf in dieser Saison nicht schon wieder zu tun haben. Dass sich die Sachsen mit Rang 14 nun doch in unmittelbarer Nähe zum Ost-Rivalen und den Abstiegsrängen befinden, hat seinen Grund vor allem in der Rückrunde. Dresden ist das schwächste Team dieses Jahres. 2019 gab es in sechs Partien bisher nur zwei Zähler zu holen, unter Neu-Coach Cristian Fiél war zuletzt immerhin ein Aufwärtstrend zu erkennen.

Trainerwechsel

Der 39-jährige Fiél ist bereits der dritte Dynamo-Trainer der Saison. Bereits nach dem zweiten Spieltag musste Uwe Neuhaus gehen, unter seinem Nachfolger Maik Walpurgis zeigte die Formkurve zunächst nach oben. Doch nach der anhaltenden Negativ-Serie und atmosphärischen Störungen zwischen Mannschaft und Trainer wurde im Februar auch der 45-Jährige beurlaubt. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf dem ehemaligen Profi und Publikumsliebling Fiél.

Auch beim FCM ist seit November ein neuer Trainer im Amt. Michael Oenning folgte auf den Aufstiegstrainer Jens Härtel und startete nach der Winterpause zunächst furios. Elf Punkte holte er aus den ersten fünf Partien. Mit den Niederlagen gegen die direkte Konkurrenz aus Duisburg und Sandhausen verspielten die Elbestädter aber die gute Ausgangslage und zeigten dabei auch eine absteigende Formkurve. Inzwischen steht Oenning mit seinen elf Zählern aus zwölf Partien bei einer ähnlichen Bilanz wie sein Vorgänger – elf Punkte aus 13 Partien.

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Spielphilosophie

Oenning will mit dem FCM durchaus offensiv auftreten. Das funktionierte 2019 meist ganz gut. Letztlich werden Angriffe aber entweder im Umschaltspiel nach Ballgewinn eingeleitet oder starten mit langen Bällen aus der eigenen Hälfte. Zuletzt fehlte mit Sturmspitze Christian Beck aber die zentrale Anspielstation, so dass kaum noch ein geordnetes Offensivspiel zu erkennen war.

Dynamos Akteure erfahren in dieser Saison unter Coach Nummer drei bereits die dritte Philosophie. Vom Ballbesitz-Fußball unter Neuhaus zur stabilen defensiven Grundordnung unter Walpurgis, bis hin zum Offensiv-Fußball unter Fiél. Der Deutsch-Spanier will mutig und angriffslustig agieren lassen, Gegner schon früh unter Druck setzen. Ganz wichtig ist ihm: "Hast du keinen Spaß bei dem was du tust, wirst du auch keinen Erfolg haben."

Devise bei der Offensive

Ein Grund für das sportliche Abschneiden beider Teams ist vor allem die schwache Offensive. Oenning hat beim FCM zunächst die Defensive stabilisiert. Nur noch 16 Gegentore gab es in den vergangen zwölf Partien. Allerdings gelangen trotz der vom Trainer beschworenen offensiven Ausrichtung auch nur elf Treffer. Lediglich einmal machte Magdeburg mehr als ein Tor beim 3:1-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld. Der Aufsteiger erspielt sich zu wenig Torgelegenheiten.

Ganz anders sieht es da beim sächsischen Konkurrenten. Im Schnitt schießt Dresden für einen Treffer über elfmal auf das gegnerische Tor, nur Greuther Fürth, FC Ingolstadt und MSV Duisburg brauchen mehr Versuche. Letztlich ist die Mannschaft zu sehr von Top-Torjäger Moussa Koné abhängig, seine Quote liegt bei über 50 Prozent. An 15 der 28 Toren war der Senegalese beteiligt, schoss neun selbst und bereitete sechs weitere vor.

Comeback-Qualitäten

Liegen sowohl Magdeburg als auch Dresden zurück, sind Niederlagen zumeist garantiert. 15 Rückständen lief Magdeburg in dieser Saison hinterher, nur vier wurden egalisiert. Gewonnen hat der FCM nach Rückstand in dieser Saison noch nicht, Selbstvertrauen und offensive Qualität reichen in negativen Situationen häufig nicht aus. Ein gefühlter Sieg war jedoch das 2:2 im Hinspiel gegen Dresden, als der Aufsteiger bis zur 60. Minute noch mit 0:2 zurücklag. Vergleichbares erlebte Dynamo beim Fiél-Debüt gegen Bochum, als die Sachsen ebenfalls einen 0:2-Rückstand egalisierten. Es war das bisher letzte von drei Remis, die Dresden bei 14 Rückständen noch errang.

Zuschauerzuspruch

Trotz aller Widrigkeiten: die Fans halten ihren Clubs die Treue. Mit durchschnittlich 20.902 Zuschauern liegt Magdeburg auf Platz sechs in der 2. Liga. 82 Prozent Auslastung bedeuten Rang sieben. Nach dem Heimspiel gegen Sandhausen hat allerdings der Umbau des Magdeburger Stadions begonnen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Umzug von Teilen der Ultras auf die Südtribüne auf die Stimmung und den Zuschauerschnitt auswirkt.

Mit 27.504 Zuschauern im Schnitt und einer Auslastung von 85,6 Prozent rangiert Dresden jeweils sogar auf Rang vier der Zuschauertabelle. Die anhaltendende Negativserie sorgte zuletzt für etwas Rückgang, doch unter Fiél und mit dem aufkommenden Frühling sind Fans und Euphorie zurückgekehrt. Die Partie gegen den FCM ist mit 30.500 Zuschauern bereits ausverkauft.

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