Magdeburg l Das Sturmtief „Sabine“ machte am Montag auch dem 1. FC Magdeburg zu schaffen und brachte die Planung ordentlich durcheinander. Eigentlich waren wegen der schlechten Wetterlage zunächst Läufe angesetzt. Da die Prognosen aber im Verlauf des Vormittags besser als erwartet ausfielen, wollte FCM-Trainer Claus-Dieter Wollitz für eine Einheit auf den Rasen. Daraus wurde dann aber doch nichts – der Wind war einfach zu stark. So blieb schließlich doch nur ein Lauf am Nachmittag.

Dieses Planungschaos passt irgendwie zur momentanen Situation beim FCM. Nach dem 0:2 gegen Meppen befindet sich der Club im Alarmzustand, der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz ist fast aufgebraucht. Vor dem richtungsweisenden Kellerduell am Sonnabend (14 Uhr) zu Hause mit dem Chemnitzer FC gilt es deshalb, an den Ursachen der Probleme zu arbeiten.

Wollitz sieht Probleme im mentalen Bereich

Und diese Probleme sieht Wollitz vorwiegend im mentalen Bereich. „Die Jungs haben momentan nicht die volle Überzeugung, kein Selbstverständnis“, sagt er. Dadurch fehle dem Team die Sicherheit im Spielaufbau, die Ruhe im Angriffsspiel. „Wir waren viel zu passiv“, bemängelt Wollitz. Und: „Es fehlt keinesfalls die Qualität im Kader. Es ist vielmehr eine tiefe Unzufriedenheit, die uns zu schaffen macht.“

Die Partie gegen Meppen hat gezeigt, dass der FCM offensichtlich ein Kopfproblem hat. Denn eigentlich müsste eine Mannschaft, die über etliche zweitligaerfahrene Akteure verfügt, sich besser, selbstsicherer präsentieren.

Mannschaft hadert mit vergebenen Chancen

Stattdessen hadern die Spieler mit der schwachen Chancenverwertung und der Effizienz des Gegners. „Ich weiß nicht, was wir getan haben, dass der Gegner gegen uns fast jede Chance nutzt“, sagte Jürgen Gjasula nach dem 1:1 gegen Mannheim.

Sicherlich liegt der Mittelfeldspieler nicht ganz falsch – sowohl Zwickau als auch Mannheim und zuletzt Meppen waren sehr effizient. Doch Wollitz will davon nichts hören: „Das ist mir alles zu einfach. Das größte Problem ist, dass wir oft nur darüber reden, was wir verlieren können – und nicht darüber, was wir gewinnen können. Angst ist der schlimmste Begleiter, den es gibt.“

Diese ängstliche Einstellung ist dann auch auf dem Rasen zu sehen. „Der Spielaufbau ist zu langsam, aus der Defensive heraus dribbelt niemand mutig an, das Tempo wird verschleppt“, ärgert sich Wollitz.

Doch wo kann der Coach ansetzen, damit es besser wird? Wollitz appelliert an seine Spieler, dass sie sich selbst hinterfragen. „Jeder muss reflektieren, was er verbessern kann, wie er sich einbringen kann“, fordert der Coach. „Das schärft im besten Fall die Sinne und kann uns in unserer Entwicklung voranbringen.“

Führungsspieler stehen im Fokus

Besonders im Fokus stehen in der momentanen Situation natürlich Führungsspieler wie Jürgen Gjasula, Tobias Müller, Timo Perthel, Sören Bertram und Kapitän Christian Beck. Im Training sind auch Fortschritte zu erkennen, die Spieler sprechen mehr miteinander, kämpfen um die Startelfplätze, diskutieren auch mal kontrovers.

Doch nach dem personellen Umbruch im vergangenen Sommer und der bisher sehr durchwachsenen Saison hat es die Mannschaft bisher zu selten geschafft, sich als echte Einheit zu präsentieren. Zu oft waren die Spieler mit sich selbst und ihren schwankenden Leistungen beschäftigt. Das war in vielen Spielen zu beobachten.

Wollitz vermisst die Symbiose mit den Fans

Wollitz vermisst unterdessen auch die Symbiose mit den Fans. Denn: „Wir schaffen es momentan nicht, das Publikum mitzunehmen. Wir brauchen emotionale Aktionen, die so etwas bewirken – wie einen hart geführten Zweikampf.“

Auf dem Weg zu einer geschlossenen Einheit gilt es jetzt laut Sportchef Maik Franz, auch Gespräche zu führen: „Es werden harte und deutliche Worte fallen. Klar ist aber auch, dass wir Vertrauen in unseren Kader haben. Wir müssen jetzt noch enger zusammenrücken, um gemeinsam erfolgreich zu sein.“

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