Magdeburg l Selbst in der Sommerpause, beim Abschalten, als er mit Kumpels durch die Alpen wanderte, fand Korbinian Burger eine Analogie zum Fußball. „Wandern ist wie Fußball. Da muss man auch erst einiges geben, damit man etwas erreicht.“ Sind es im Trikot des 1. FC Magdeburg künftig Punkte, die der Neuzugang von der SG Sonnenhof Großaspach anstrebt, waren es in den vergangenen Wochen die atemberaubenden Aussichten auf den Gipfeln.

Wie bei der Olperer Hütte in den Zillertaler Alpen auf einer Höhe von fast 2 400 Metern. „Da waren wir 14 Kilometer unterwegs und haben über 1000 Höhenmeter zurückgelegt“, berichtet Burger. „Das war sehr schön. Da kann man wunderbar abschalten.“ Auf der Hängebrücke davor posierte er mit seinen Freunden für einen Schnappschuss, der etwas an das berühmte Foto „Mittagspause auf einem Wolkenkratzer“ erinnert. Mit Bauarbeitern auf einem Stahlträger, die dem Abgrund sehr nahe sind.

50 Drittligaspiele

So wie der FCM in der Vorsaison, um bei passenden Analogien zu bleiben. Und Burger will seinen Teil dazu beitragen, dass es beim Drittligisten aus der Elbestadt nicht wieder dazu kommt und bis zum Ende um den Klassenerhalt gezittert werden muss. Mit der Empfehlung von 50 Drittliga-Partien kommt der 1,89 Meter große Defensivspieler zum FCM. Mit den Aspachern verpasste er in der Vorsaison zwar den Klassenerhalt, der 25-Jährige war aber fünf Monate verletzt und konnte seinem Ex-Team lange nicht helfen.

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Die Monate rund um die Zehen-OP beschreibt er zwar als „harte und schwierige Zeit“, sagt gleichermaßen aber auch: „In jedem Negativen steckt auch etwas Positives.“ So konnte er andere Defizite ausbügeln. Stichwort: Krafttraining.

In der Viererkette links und zentral

Mittlerweile ist der Oktoberfest-Fan und waschechte Bayer, der es aber auch „schätzt, andere Kulturen und Städte kennenzulernen“, nicht nur stärker, sondern auch wieder komplett schmerzfrei. Und will ab Montag im Training um einen Platz in der Startelf kämpfen. In einer Viererkette kann der Linksfuß sowohl zentral als auch auf der linken Seite spielen.

Doch Burger war nicht immer so defensiv eingestellt. In der Jugendzeit spielte er vorwiegend offensiv. Sein Vorbild damals: kein Geringerer als der große Zinédine Zidane. Doch einen Schritt zurück: Geboren wurde Burger, dem sein altdeutscher Vorname Korbinian durchaus gefällt, auch wenn der Blondschopf meist nur „Korbi“ gerufen wird, im oberpfälzischen Cham, nordöstlich von Regensburg. Aufgewachsen ist er auf dem Land, in einem kleinen Dorf mit nicht einmal 1000 Einwohnern. „Das war sehr schön. Ich würde das immer wieder so erleben wollen“, erinnert er sich. Und wenn er das tut, ist auch seit jeher das runde Leder in seinem Gedächtnis.

Nicht der klassische Weg eines Talents

Mit vier oder fünf Jahren hat er angefangen. Sein Opa, sein Vater und sein drei Jahre älterer Bruder haben alle gekickt. Und so auch der heute 25-Jährige, der zunächst ganz vorn spielte. „Je höher es hinausging, desto weiter bin ich aber nach hinten gerückt“, berichtet er. Und spielt das mittlerweile auch lieber. Heutzutage schaut er sich eher bei Sergio Ramos oder Virgil van Dijk etwas ab.

Doch den klassischen Weg eines großes Talents hat Burger nicht bestritten. Bis er 14 Jahre alt war, spielte er noch auf dem Dorf. Doch nach einem Wechsel in die Stadt, als er Kreisoberliga spielte, wurde er umso schneller entdeckt – von Scouts von 1860 München, die 2010 eigentlich beim Gegner aus Regensburg nach Talenten spähen wollten, denen aber der Kicker vom ASV Cham im Gedächtnis blieb.

Nach einem erfolgreichen Probetraining ging alles recht schnell. Burger hatte schon mit 16 Jahren eine eigene Wohnung, war früh selbstständig. Und der Abiturient wurde auch sportlich immer besser, was sein Wechsel zum FC Bayern München II zeigte. „Das war eine unfassbare Zeit und beeindruckend, wen ich da alles kennenlernen durfte.“ Die prägendste Erinnerung? Die Extraschichten eines niederländischen Publikumslieblings: „Arjen Robben kam mir vor meinem ersten Training bei den Profis schon völlig verschwitzt entgegen – obwohl ich eine halbe Stunde eher da war.“

Neuzugang schaut über Tellerrand hinaus

Doch letztendlich hat es für Burger nicht gereicht, um dauerhaft mit den großen Stars zusammenzuspielen. Über die zweite Mannschaft bei Greuther Fürth kam er schließlich nach Aspach. In einem ruhigen Umfeld entwickelte er sich zu einem gestandenen Drittliga-Verteidiger.

Einer, der gern auch mal angeln geht. Nachdem er mittlerweile eine Wohnung in der Magdeburger Altstadt gefunden hat, muss er nur noch passende Seen suchen. Doch Burger schaut auch über den Tellerrand hinaus und spendet für wohltätige Zwecke. Zuletzt unterstützte er das Charity-Projekt „Lächeln des Himmels“, das sich für ein Kinderhospiz stark macht.

Und er ist jemand, der etwas im Köpfchen hat. Denn Burger absolviert ein BWL-Fernstudium. Um ein zweites Standbein zu haben nach dem Profifußball. Und: „Den Kopf anzustrengen, hat ja auch positive Auswirkungen auf den Fußball.“ Womit er die nächste Verbindung zu seiner größten Leidenschaft gefunden hat.

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