Duisburg l Der Stachel der Enttäuschung saß tief bei Claus-Dieter Wollitz. Der Trainer des 1. FC Magdeburg war nach dem 0:1 beim MSV Duisburg ungewohnt zurückhaltend und leise. Von seiner während der Partie immer wieder gezeigten Energie, von seinen Emotionen war nicht mehr viel übrig.

Diese Nachdenklichkeit hing natürlich mit der schweren Verletzung von Rechtsverteidiger Dominik Ernst zusammen. Aber auch die Art und Weise, wie sein Team auftrat, bereitete ihm Kopfschmerzen. „Das war die schwächste Leistung, seitdem ich FCM-Trainer bin“, stellte Wollitz klar. Noch schlechter also als das indiskutable 0:2 zu Hause gegen den SV Meppen.

Wollitz vermisst beim FCM Fußballintelligenz

Der Coach hatte auch einige Argumente parat, warum er so enttäuscht war: „Wir waren viel zu passiv, hatten überhaupt keine Tiefe. Auch waren wir im Offensivspiel nicht flexibel, uns hat die Fußballintelligenz gefehlt.“

Besonders bezeichnend war die erste Halbzeit: Der FCM erspielte sich kaum gefährliche Torchancen, überließ den sichtbar verunsicherten Duisburgern viel zu oft den Ball – und machte sie dadurch stark.

Mit Blick auf das Gegentor wurde Wollitz dann kurz laut: „Das war viel zu billig, weil Yassin Ben Balla völlig frei abschließen konnte. Da sollte wenigstens ein Spieler mal Verantwortung übernehmen und rausrücken, um ihn zu stören.“

Hoffnungen auf nächsten Schritt verpufft

Nach dem deutlichen 6:2 zuletzt gegen Jena hatte Wollitz darauf gehofft, dass der FCM in Duisburg den nächsten Schritt macht. Umso ratloser war er nach der Niederlage, weshalb dieser Schritt wie so oft in der bisherigen Saison wieder nicht gegangen wurde. „Wir hatten eine riesige Chance in Duisburg“, sagte der Coach. „Die Art und Weise dieser Niederlage gefällt mir aber überhaupt nicht.“

Was er meint: Die Duisburger waren, auf wenn sie Tabellenführer sind, angeschlagen. Nach drei Niederlagen in Folge kam der Gegner für den Club genau zur richtigen Zeit. Doch die Mannschaft machte aus diesen eigentlich guten Voraussetzungen überhaupt nichts. „Wir hatten in den vergangenen Spielen auch nach einem Rückstand fast immer viele Chancen, um das Ergebnis noch zu korrigieren. In Duisburg waren das zu wenig Gelegenheiten, fast keine“, ärgerte sich Wollitz.

Umstellungen des Trainers gehen nicht auf

Doch auch der Trainer war nicht frei von Fehlern: Denn seine Umstellungen, er verzichtete in der Startelf auf Timo Perthel, Rico Preißinger und Sirlord Conteh, gingen nicht auf.

Im Spielverlauf war klar zu sehen, dass die Läufe und Pässe von Preißinger, die Standardstärke von Perthel und die Schnelligkeit von Conteh dem Club gutgetan hätten.

Conteh sprach Wollitz wegen Jokerrolle an

Gerade in Bezug auf Conteh überraschte Wollitz aber mit einer Erklärung: „Wir hätten Sirlord eigentlich von Beginn an gebracht. Doch er kam auf mich zu und sagte mir, dass er sich momentan in einer Phase befindet, in der er sich besser fühlt, wenn er von der Bank kommt.“

In diesen Worten klang ein gewisses Bedauern durch. Denn Wollitz war sich vor dem Spiel bewusst, dass Duisburg gerade in der ersten Hälfte Räume bieten würde. „Aber wenn sich ein Spieler so intensiv mit seiner Rolle beschäftigt, ist es wichtig, seine Meinung zu berücksichtigen“, sagte er. „Wenn wir mit einem 0:0 in die Pause gegangen wären, wäre es aufgegangen.“

Richtig bedient war auch FCM-Kapitän Christian Beck. „Uns war klar, dass Duisburg keinesfalls vor Selbstvertrauen strotzt. Mich ärgert es enorm, dass wir das überhaupt nicht genutzt haben“, sagte er. „Wir hatten in der ersten Halbzeit überhaupt keinen Zugriff, hätten es deutlich besser machen müssen.“

Beck kritisiert die Laufwege

Der Stürmer sprach zudem eine weitere Schwäche an: Die Laufwege. „Wir müssen viel genauer spielen, daran schleunigst arbeiten.“

Kurz vor dem Abfahrt des Mannschaftsbusses war es dann bei Wollitz übrigens doch vorbei mit der Ruhe. Nachdem er sich noch einmal intensiv mit den Problemen rund um das Spiel beschäftigt hatte, ging er in die Kabine – und knallte lautstark die Tür.

 

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