Magdeburg l Jürgen Gjasula hat seit einigen Wochen eine Angewohnheit. Der 33-Jährige drückt und streicht auffällig oft über seine linke Hand. Es wirkt fast so, als wolle Gjasula permanent kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Durchaus nachvollziehbar nach seinem Mittelhandbruch am 2. September beim 1:1 in Jena.

Nach einer Operation kämpfte sich der Neuzugang des 1. FC Magdeburg in den vergangenen Wochen zurück. Auch jetzt noch arbeitet er täglich mit den FCM-Physiotherapeuten an der Beweglichkeit der linken Hand. „Ich habe zu Hause mehrere Bälle mit verschiedenen Härtegraden. Durch gezielte Übungen versuche ich, die Hand zu aktivieren, eine Faust zu machen. Momentan geht das noch nicht“, verrät er.

Drei Wochen noch mit Carbonschiene

Am Sonnabend beim 6:0 im Landespokal gegen Warnau spielte Gjasula trotzdem erstmals wieder über 90 Minuten, erzielte sogar zwei Treffer. „Es war schön, nach der langen Pause wieder auf dem Rasen zu stehen. Das war wichtig für meinen Rhythmus“, sagt er. Die linke Hand wird momentan durch eine speziell angefertigte Carbonschiene geschützt. „Daran musste ich mich erst gewöhnen, mittlerweile geht es. Wichtig ist, dass ich gar nicht so viel über die Schiene nachdenke.“ Rund drei Wochen wird der Albaner sie noch tragen müssen. „Der Arzt hat gesagt, dass die Knochen gut zusammenwachsen. Im November werde ich die Schiene wohl zur Seite legen können.“

Im Ostderby am Sonnabend gegen Hansa Rostock steht Jürgen Gjasula somit auch in der 3. Liga vor seiner Rückkehr in die FCM-Startelf. Dann allerdings wahrscheinlich auf einer anderen Position als vor der Verletzung. Trainer Stefan Krämer setzte ihn im Landespokal nämlich im defensiven Mittelfeld und nicht wie zuvor in der Innenverteidigung ein. Der Coach erhofft sich so im Mittelfeld mehr Kreativität und Passsicherheit. Genau daran hakte es während Gjasulas Abwesenheit enorm. „Jürgen war gegen Warnau sehr präsent, er macht unter Druck sehr wenig Fehler. Auch seine Standards sind stark. Wir sind froh, dass er wieder da ist“, lobt Krämer.

Für Gjasula wäre es die Rückkehr auf seine eigentlich angestammte Position. Und er wäre nicht böse darüber: „Ich fühle mich im Mittelfeld wohl, habe dort mein ganzes Leben lang gespielt. Natürlich laufe ich dort gerne auf, das habe ich schon mehrfach gesagt.“ Aber: „Letztendlich entscheidet der Trainer, wo ich auf dem Platz stehen soll. Auch als Innenverteidiger lief es für mich nicht schlecht.“

Das Zurückziehen in die für ihn ungewohnte Verteidigung geschah nach dem Zwickau-Spiel Ende Juli allerdings zunächst aus der Not heraus. Da es Gjasula dort dann aber gut machte, gab es bis zu seiner Verletzung keinen Grund, etwas zu ändern. In den Wochen während Gjasulas Verletzungspause haben sich die Vorzeichen allerdings verändert: Der FCM steht in der Defensive sicher, Tobias Müller und Brian Koglin machen in der Innenverteidigung einen guten Job.

Mehr Kreativität durch Gjasula im Mittelfeld

Problematisch ist aber das Spiel aus dem Mittelfeld heraus in die Spitze. Und genau da kommt Gjasula ins Spiel. Mit seiner Passsicherheit und Kreativität soll er das Offensivspiel ankurbeln, Chancen einleiten, den Rhythmus bestimmen. „Das ist aus der Innenverteidigung nur beschränkt möglich, weil die Wege oft zu weit sind. Im Mittelfeld gibt es viel mehr Möglichkeiten, auch mal den entscheidenden Pass zu spielen“, erklärt er.

In den vergangenen Wochen fehlten gerade auswärts diese Kreativität und der Mut, auch mal ins Dribbling zu gehen. Das schmeckte Gjasula nicht: „Es steckt viel mehr Offensivstärke in uns. Das sehe nicht nur ich so, da sind wir uns in der gesamten Mannschaft einig. Ich bin davon überzeugt, dass wir viel Qualität im Team haben, es gehört aber auch manchmal eben mehr Mut dazu.“

Gjasula über den Anspruch des FCM

Im Training sehe das Offensivspiel häufig richtig gut aus, „wir bekommen es aber noch nicht zu 100 Prozent auf den Platz“. Von Jürgen Gjasula erhofft sich Krämer, erhoffen sich seine Mannschaftskollegen solche Momente. Im zentralen Mittelfeld bringt er eine wichtige Mischung mit – er ist ballsicher, hat aber auch keine Angst, dass ein Pass mal nicht ankommen könnte. Dass die Ansprüche an den FCM hoch sind, ist für Gjasula kein Problem: „Wir haben den Anspruch, uns stetig zu verbessern und wollen es besser machen.“

Das Rostock-Spiel ist für ihn ein Gradmesser. „Die Anspannung ist höher als in anderen Partien“, sagt Gjasula. „Wir sollten uns trotz aller Brisanz vor allem auf uns konzentrieren, damit wir unsere Stärken endlich auf den Platz bekommen.“

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