Magdeburg l Jürgen Gjasula riss die Hände nach oben und ließ mit einem kurzen, aber kräftigen Jubelschrei seiner Freude über den gelungenen Schuss in den Winkel freien Lauf. Die respektvollen Blicke seiner Mitspieler beim  Teamtraining des 1. FC Magdeburg hat er sichtlich genossen. Die Drittliga-Kicker, die sich nach einem positiven Corona-Fall gut eine Woche in häuslicher Quarantäne befanden, dürfen nach der vierten negativen Testreihe wieder ohne Einschränkungen trainieren. „Gott sei Dank dürfen wir jetzt voll durchstarten“, ist nicht nur Gjasula erleichtert.

Nach der schwierigen Vorsaison wurden die Akkus laut dem 34-Jährigen ausreichend aufgeladen. Die Verzögerung im Training hätte der Deutsch-Albaner nicht unbedingt benötigt. Dennoch betont er: „Wir brauchen nicht zu hadern, dass wir eine Woche nicht so arbeiten konnten, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Gjasula ist sich sicher, dass sich der FCM dennoch sehr gut vorbereiten wird auf die kommende Drittliga-Saison. „Wichtig ist, dass wir jetzt gut arbeiten und als Mannschaft zusammenwachsen, dass sich alle besser kennenlernen. Dann bin ich sehr zuversichtlich.“

Denn eine so harte Saison wie zuletzt hat auch der 1,89-Meter-Mann in seiner langen Karriere selten mitgemacht. „Das war für alle schwierig. So etwas wollen wir nicht noch einmal erleben“, blickt er auf das lange Zittern um den Klassenerhalt und die ungewisse Lage während der Corona-Krise zurück. „Deswegen ist es so wichtig, dass wir eng zusammenrücken. Wir können nur als Mannschaft erfolgreich sein. Wir müssen alles für unsere Ziele investieren und gut in die Saison starten.“

Sachsen-Anhalt-Derby zum Auftakt

Und jetzt haben die Blau-Weißen nicht nur Gewissheit über den Gesundheitszustand, auch der zuvor infizierte Spieler wurde nun negativ getestet, auch das Auftaktprogramm in der 3. Liga steht fest. Der FCM startet am Wochenende vom 19. bis 21. September mit einem Sachsen-Anhalt-Derby gegen den Halleschen FC in der heimischen MDCC-Arena. Bei Gjasula kribbelt es deswegen jetzt nicht unbedingt zusätzlich: „Am ersten Spieltag weiß noch kein Team so richtig, wo es steht. Für mich spielt das keine Rolle, gegen wen wir spielen. Wir müssen auf uns achten.“

Verein lebt von der Unterstützung

Auch mit Blick auf das zweite Ostderby, auswärts gegen Dynamo Dresden am 4. Spieltag, sagt er aber: „Es wäre natürlich schöner, wenn Zuschauer dabei wären. Unser Verein lebt davon, die Unterstützung ist beeindruckend.“ Doch aktuell ist nicht absehbar, ob und in welcher Größenordnung Fans für diese Partien zugelassen werden können. „Bis zur Rückkehr der Fans sind wir im Stadion auf uns alleine gestellt und müssen auch unseren Job erledigen“, betont Gjasula.

Und der Defensivmann ist dabei einmal mehr als Antreiber von hinten gefordert. Schon im Vorjahr, als er frisch vom FC Energie Cottbus kam, wurde er schnell zum Führungsspieler. Mittlerweile kennt er den Verein noch besser, hat sich richtig eingelebt. Und will das auch auf dem Platz zeigen: „Durch meine Erfahrung habe ich auch Verantwortung und will vorangehen.“ Der Routinier möchte vor allem den vielen jungen Spielern zeigen, „wo die Richtung hingeht“.

Auch sein Austausch mit dem Trainer ist gut. „Wir sprechen sehr viel“, berichtet er. Doch um seine Position ging es bislang noch nicht. In der Vorsaison spielte Gjasula mal als zentraler Innenverteidigier, mal als defensiver Mittelfeldspieler. Und künftig? „Das hängt davon ab, welche Formation wir spielen“, lässt er keine Tendenz erkennen.

Position egal: Gjasula will FCM führen

Er habe zwar sein ganzes Leben im Mittelfeld gespielt, mag aber auch seine Rolle in einer Dreierkette. „Da hat man das ganze Spiel vor sich, kann viel dirigieren“, gibt Gjasula an. „Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl.“

Letztlich wird es dem gebürtigen Albaner egal sein, auf welcher Position er spielt. Es geht ihm mehr darum, das Team zu führen. Und ihm zu Erfolgen zu verhelfen. Dann kann Gjasula auch in der Saison öfter solche Jubelschreie loslassen wie im gestrigen Training.

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