Magdeburg l Jürgen Gjasula hatte am Dienstag einen nicht alltäglichen Termin. Der Defensivspieler des 1. FC Magdeburg war in Berlin und ließ sich dort eine Carbonschiene anpassen. Die soll seine linke Hand schützen, die sich Gjasula am 2. September beim 1:1 des FCM in Jena gebrochen hatte. Damit die Schiene perfekt sitzt, wurde ein Gipsabdruck seiner Hand genommen.

Gjasula will so möglichst schnell wieder auf den Platz zurückkehren. „Ich bin froh, dass ich das Schlimmste mittlerweile überstanden habe. Erst wenn man verletzt oder krank ist, weiß man, wie gut es einem sonst geht“, sagt der 33-Jährige.

Schwieriger Alltag

Die vergangenen Wochen waren für ihn anstrengend. Sich anzuziehen, duschen, einkaufen, Obst schneiden – der Alltag wurde plötzlich zu einer Herausforderung. „Ich habe mich nie daran gewöhnt, plötzlich alles nur mit einer Hand zu machen. Die einfachsten Dinge fallen mir schwer“, erzählt er.

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Da seine Hand auch nach der Operation vor rund einer Woche noch immer geschwollen war, war an Training zunächst nicht zu denken. „Ich musste den Arm immer nach oben halten, damit die Schwellung nicht schlimmer wird“, erzählt Gjasula.

Kuriose Erstversorgung in Jena

Die ersten Momente nach dem Mittelhandbruch in Jena waren für ihn besonders schwer. „Ich habe gemerkt, dass sich der Knochen in der Hand hin- und herbewegt hat. Kurz danach wurden meine Finger taub, ich konnte sie nicht mehr bewegen“, verrät Gjasula. „Ich hatte im ersten Moment Panik, weil das Gefühl in den Fingern weg war, habe dann die Ärztin mit Fragen gelöchert, ob das normal ist. Sie konnte mich aber beruhigen.“

Bevor Jürgen Gjasula in der Kabine vom Jenaer Mannschaftsarzt Stefan Pietsch behandelt wurde, versuchte er noch alles, um weiterzuspielen – und bediente sich dabei einer abenteuerlichen Methode: „Wir haben zwei Schienbeinschoner genommen und wollten einen provisorischen Verband machen, um die Hand zu fixieren. Das hat allerdings richtig wehgetan, weil der Druck auf die Hand dadurch noch größer war.“

Erfahrungsaustausch mit Timo Perthel

Auf der Rückfahrt nach Magdeburg tauschte sich Gjasula dann mit seinem Sitznachbarn Timo Perthel aus, der sich im Januar ebenfalls die Mittelhand gebrochen hatte. „Bei Timo musste aber nicht operiert werden. Deshalb konnte er schneller wieder ins Training zurückkehren“, erklärt Gjasula.

Auch wenn die Zwangspause lang ist, der Verteidiger ist froh, sich für die Operation entschieden zu haben. „Es sind ja zwei Knochen in der Hand gebrochen. Ohne Operation hätten mir Spätfolgen gedroht, die Hand hätte steif werden können. Es gibt aber schließlich noch ein Leben nach dem Fußball, deshalb habe ich es auch gemacht.“

Bereits morgen soll die Carbonschiene fertig sein. „Sie ist relativ kurz, bedeckt nur meine Hand. Sobald ich sie getestet habe, kann ich wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren. Und vielleicht kann ich schon gegen Würzburg spielen. Wahrscheinlich werde ich die Schiene dann vier bis sechs Wochen tragen. Ich hoffe nicht, dass sie mich auf dem Platz stört.“

Bruder Klaus könnte Vorbild werden

Und für den Fall, dass der FCM mit Jürgen Gjasula und geschienter Hand erfolgreich sein sollte, hat sich der Verteidiger schon etwas überlegt – mit Blick auf seinen Bruder Klaus, der beim Erstliga-Aufsteiger SC Paderborn spielt. „Er trägt ja einen Helm, den er vor Jahren wegen einer Kopfverletzung gebraucht hat. Mittlerweile ist er sein Glücksbringer.“ Jürgen Gjasula lacht: „Vielleicht mache ich es mit der Carbonschiene genauso und trage sie dann einfach weiter.“

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