Magdeburg l Natürlich gerät Christian Beck ins Schwärmen. „Solche Spiele“, sagt der Angreifer des 1. FC Magdeburg, „sind Highlights in der Karriere eines Fußballers.“

FCM will nicht Tourist sein

Flutlicht, rund 50.000 Zuschauer. Eine Aussicht, die die Partie heute Abend beim 1. FC Köln seit Tagen zum großen Thema bei den FCM-Spielern macht. Wenn sie sich über den kommenden Gegner unterhalten, wird aus manchem ernsten Blick ein wohliges Lächeln. Dennoch stellt Beck klar: „Wir sind keine Touristen und wollen dort nicht nur hinfahren, um Fotos vom Stadion zu machen.“

Die Spiele gegen Bochum und Union Berlin haben Mut gemacht. Der FCM kann mit höher eingeschätzten Gegnern mithalten, sie sogar an den Rand einer Niederlage bringen. Und dieser Trend soll sich beim Erstliga-Absteiger fortsetzen.

Oenning mag keine "Mauertaktik"

FCM-Trainer Michael Oenning will jedenfalls nichts von einer „Mauertaktik“ wissen. Im Gegenteil: „Wir wollen ihr Spiel entschlüsseln und selber zu Torchancen kommen. Es gilt für uns, mutig zu sein.“

Oenning ist sich aber bewusst, dass die Kölner aufgrund ihrer individuellen Qualität jederzeit in der Lage sind, einen Gegner zu dominieren. „Wir dürfen nicht dorthin fahren und sagen, dass wir jetzt mal ein bisschen Fußball spielen. Dann würden wir unter die Räder geraten“, versichert der Coach. Trotzdem: „Wir haben die Chance, an einem großen Gegner zu wachsen. An einem guten Tag kann es für uns ein besonderer Abend werden.“

FCM und die richtige Balance

Es ist für den FCM ein schmaler Grat – zwischen Sensation und Klatsche: Mit mutigem Offensivfußball könnte der Club den Kölnern die Lust am Spiel nehmen und sie überraschen. Dass diese Taktik funktionieren kann, hat Magdeburg in der ersten Halbzeit gegen Union Berlin gezeigt. Nur: Eine Offensivtaktik bietet dem Gegner immer auch Räume. Gerade die Kölner nutzen solche Gelegenheiten meist gnadenlos. Das 1:8 von Dynamo Dresden dient als warnendes Beispiel. „Wir werden recht schnell merken, in welche Richtung das Spiel gehen wird“, orakelt deshalb Oenning.

Seit seinem Amtsantritt Mitte November hat der Coach viel Wert auf die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive gelegt. In den vergangenen drei Spielen setzte Oenning zudem auf eine Stammelf und wenig Rotation. Für den Trainer ein logischer Schritt. Denn: „Warum sollte ich etwas ändern, das funktioniert?“

Beck setzt auf Lerneffekt

Auch Beck sieht die Mannschaft auf dem richtigen Weg: „Wir haben zuletzt kaum noch Gegentore kassiert. Das ist immer die Grundlage. Wir haben auch gezeigt, dass wir selbst gegen klare Favoriten bestehen können. Jetzt müssen wir es nur möglichst bald schaffen, einen Vorsprung ins Ziel zu retten oder mal mit zwei Treffern in Führung zu gehen.“

Der Kapitän spricht das an, was sich in dieser Saison zum größten Problem des Clubs entwickelt hat. Achtmal war der FCM in Front, am Ende standen ein Sieg, drei Unentschieden und vier Niederlagen zu Buche. Daraus ergeben sich im Schnitt nur 0,75 Punkte. „Es ist ein Lernprozess. In der 3. Liga wurden Fehler nicht so schnell bestraft wie jetzt. Wir müssen nach einer Führung weiter gierig bleiben. Das wird das Ziel für die nächsten Spiele sein“, sagt Beck.

Am Torjäger selbst liegt es nicht. Der 30-Jährige spielt eine starke Saison – traf achtmal und verbuchte drei Vorlagen. Und eines ist klar: Sollte dem FCM tatsächlich die Sensation gelingen, würde Beck sicherlich einige Erinnerungsfotos machen.

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