Magdeburg l Nach den Punktspielen des 1. FC Magdeburg sind es meistens die jungen Spieler, die die Bälle und die Kisten mit der Kleidung tragen. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, es gilt auch für Anthony Roczen. Doch dem 20-Jährigen bleibt in dieser Saison bisher fast nur diese Zuträgerrolle, denn auf dem Rasen stand er nur selten. Und das trotz einer furiosen Rückrunde in der vergangenen Regionalliga-Saison bei Hertha BSC Berlin II, in der er elf Tore erzielte.

Roczen: Nur 86 FCM-Minuten

Doch nach seinem Wechsel zum FCM hat sich für Roczen einiges verändert, er musste wieder bei null anfangen: Bisher hat er nur magere sieben Drittliga-Kurzeinsätze über insgesamt 86 Minuten auf seinem Konto.

Selbst für die Rolle als Back-up von Kapitän Christian Beck ist das eine Statistik, mit der Roczen nicht zufrieden sein kann. „Gerade beim 3:0 gegen Unterhaching hatte ich auf etwas mehr Spielzeit gehofft, weil die Partie recht früh entschieden war“, sagt er. Doch stattdessen wurden Charles Elie Laprévotte (69.) und Manfred Osei Kwadwo eingewechselt (77.).

Roczen beim FCM in schwierigem Kreislauf

Roczen hingegen kam als dritter und letzter Wechselspieler, auch in diesem Spiel blieben ihm nur neun Minuten. Und in dieser kurzen Zeit konnte der Stürmer kaum auf sich aufmerksam machen. Momentan befindet er sich in einem schwierigen Kreislauf, aus dem er sich nur schwer befreien kann. „Ich freue mich zwar über jede Minute, die ich bekomme. Wenn ich aber nur so kurz auf dem Platz bin, ist es schwierig, ins Rollen zu kommen.“ Kaum richtig warm geworden, ist die Partie auch schon wieder vorbei.

Für FCM-Trainer Stefan Krämer gibt es allerdings einige Gründe, weshalb es für Roczen noch nicht richtig läuft: „Anthony brauchte etwas Zeit, die Umstellung von einer U-23-Mannschaft ist nicht so einfach. Doch so langsam sollte diese Eingewöhnung abgeschlossen sein. Er muss sich im Training etwas straffen.“

FCM-Coach fordert mehr Biss

Was der Coach meint: Krämer will von Roczen noch mehr Einsatz sehen, will sehen, dass er die Leidenschaft zeigt, unbedingt in die Stammelf zu wollen. Der junge Stürmer gibt sich selbstkritisch, nimmt die Tipps an: „Der Trainer hat recht. Anfangs hatte ich noch sehr viel Respekt, habe lieber den Pass gesucht als den direkten Weg zum Tor. Bei jungen Spielern sind Schwankungen zwar normal, aber ich muss im Training trotzdem noch etwas zulegen.“

Bei Beck und Bertram ganz genau hinschauen

Die Einheiten nutzt er deshalb auch, um sich von den erfahrenen Stürmern Christian Beck und Sören Bertram, in deren Schatten er momentan steht, etwas abzuschauen. „Bei Christian ist es das Kopfballspiel und wie er seinen Körper reinstellt. Sören ist zwar ein anderer Spielertyp als ich, er schießt aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit – das ist schon richtig gut“, schwärmt Roczen.

Roczen hat Torriecher

Neben den Trainingseinheiten kann sich der gebürtige Berliner gerade vorwiegend in Testspielen oder im Landespokal empfehlen. Und dort zeigt er dann auch immer wieder, dass er ein Torjäger ist – wie beim 5:0 Mitte November in Halle-Ammendorf, als er gleich zweimal traf. „Anthony verfügt über Qualitäten, hat zum Beispiel einen guten Torriecher. Es war ja kein Zufall, dass er im Sommer von vielen Vereinen umworben war und dass wir ihm einen langfristigen Vertrag gegeben haben. Wir müssen geduldig sein“, sagt FCM-Sportchef Maik Franz. Roczens Vertrag läuft noch bis Sommer 2022 – und ans Aufgeben denkt er noch nicht.

Dass es manchmal auch richtig schnell gehen kann, hat ihm Leon Bell Bell vorgemacht: Der 23-Jährige stand monatelang nicht im Kader, bekam auf der Linksverteidigerposition seine Chance und hat sich dort mittlerweile festgespielt. „Das war ein gutes Zeichen für mich und alle, die nicht so oft auf dem Rasen stehen“, meint Roczen. „Ich bleibe dran und versuche, mich im Training jetzt noch mehr aufzudrängen.“