Magdeburg l Eine Startelf war es. Aber ganz sicher noch keine Stammelf. Jedenfalls wollte FCM-Trainer Michael Oenning seine Aufstellung im Testspiel gegen Eintracht Braunschweig nicht als Fingerzeig verstanden wissen. Im Gegenteil: Jeder Spieler bekam 45 Minuten Zeit, sich zu zeigen. Wer also in der ersten Halbzeit auf dem Rasen stand, ist deshalb noch lange nicht Teil einer zukünftigen Startaufstellung.

Der Trainer bekräftigt damit genau das, was die Spieler beim 1. FC Magdeburg zurzeit erleben: Konkurrenzkampf. Sie müssen sich beweisen. Einige von ihnen wieder – denn sie gehörten unter Jens Härtel zum Stammpersonal. Andere dagegen immer noch – denn sie haben wenig bis gar keine Einsatzzeit bekommen.

Trainerwechsel hat Signalwirkung

Kapitän Nils Butzen gehört zur ersten Kategorie. Trotzdem sieht er den Trainerwechsel für sich als Chance – und nicht als Nachteil. „Ein Trainerwechsel hat ja immer irgendwie Sinn, das sieht man ja auch oft. Vor allem hat er eine Signalwirkung: Jungs, wir starten jetzt alle von der gleichen Position. Lasst uns nur auf Fußball konzentrieren und den Kopf ausschalten“, sagt Butzen. Gerade das Fokussieren auf das Wesentliche, nämlich auf das Spiel an sich, sei in letzter Zeit doch schwergefallen.

Unter Härtel zählte Butzen zum Kern der Mannschaft – schon in der Aufstiegssaison lief er in allen Partien auf. Und auch in der 2. Bundesliga stand er an 13 Spieltagen 13 Mal in der Startelf. Ob das unter Oenning so bleibt? „Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand wegen des Trainerwechsels noch einen Groll hegt. Und das wäre auch falsch“, meint Butzen dennoch. „Profi sein heißt, dass man Veränderungen annehmen muss. Das gehört zum Geschäft dazu. Das hat jeder von uns getan, und das hat man zum Beispiel auch im Training gemerkt, weil jeder versucht hat, die Hinweise vom Trainer umzusetzen.“ Ein Fan von Vergleichen sei er nicht, zu Oenning als Trainer sagt der Kapitän nur so viel: „Er ist ein positiver Mensch und hat eine eigene Philosophie von Fußball, die er uns rüberbringen will. Das ist eine gute Basis.“

Defizite abstellen

Und er befürwortet Oennings Art zu kommunizieren, zum Beispiel durch das Zusammenkommen nach jeder Übung im Training. „Da gibt er immer ein kurzes Fazit und erklärt die nächste Übung. Und es wird viel gelobt. Das ist in dieser Phase sehr wichtig. Das ist alles keine Zauberei, aber es sind Kleinigkeiten, die ganz guttun.“

Nils Butzen weiß um seine persönlichen Stärken und Schwächen. Passspiel, so sagt er selbst, ist bislang eine Schwäche von ihm. Aber das könnte sich ändern. „In meinem ganzen Leben hatte ich noch keinen Trainer, der so penibel und exakt auf das Passspiel geachtet hat. Das ist eine Sache, da sehe ich eine Chance für mich, mich zu verbessern“, berichtet Butzen. „Ich weiß, dass ich da Defizite habe. Und wenn ich die Hinweise schnellstmöglich umsetzen kann, macht mich das letztlich auch zu einem kompletteren Spieler.“

Harmonie bei Abu Hanna und Kwadwo

Völlig anders ist dagegen die Situation bei Joel Abu Hanna und Tarek Chahed. Sie kommen auf null Einsatz-Minuten bisher. Der Trainerwechsel könnte für sie ein Impuls sein, auf sich aufmerksam zu machen. Beide geben sich noch zurückhaltend. Nach dem Testspiel gegen Eintracht Braunschweig meinte Chahed: „Der Trainer hat viele Ideen und Vorstellungen, wie unser Spiel aussehen soll. In unserer ersten Partie haben wir das ganz gut umgesetzt.“

Abu Hanna wirbelte in Braunschweig mit Manfred Osei Kwadwo auf der linken Seite. Mit seiner Flanke gab er zudem die Torvorlage für Butzen. „Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Man hat gesehen, dass ich und Manfred ganz gut harmonieren“, sagt Abu Hanna und ergänzt. „Wir achten jetzt mehr auf den Ballbesitz und auf das Passspiel, weil der Trainer da Defizite erkannt hat. Und in der einen oder anderen Situation hat man auch gesehen, dass der Ball recht gut laufen kann.“

Wer am Freitag beim Auswärtsspiel in Fürth tatsächlich in der Startelf ist, bleibt abzuwarten. Bis dahin gilt es, die Stunde Null für sich zu nutzen.

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