Genthin l Schon beim Eintritt in die ehemalige Gaststätte des Kreishauses werden die Besucher mit Eisenbahn-typischen Geräuschen empfangen. Es zischt, rattert und klingelt in vielen Ecken des Raumes. „Guck mal, die Lok hat sogar Licht“ ruft ein junge Besucher ganz aufgeregt. Modeleisenbahnen versetzen Kinder immer noch in Verzückung, besonders zur Adventszeit. „Für die Besucher hat die Modelleisenbahn zu Weihnachten Konjunktur, für uns Modellbauer ist das ganze Jahr Saison“, sagt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Eisenbahn-Modelleisenbahn Brandenburg Jörg Schulze mit einem Schmunzeln. Seine 18 Clubmitglieder leben ihr Hobby, fachsimpeln untereinander und erläutern den Besuchern die Modelle. In Zusammenarbeit mit dem Kreismuseum präsentiert die Interessengemeinschaft eine Schau mit 32 Landschaftsmodulen in der Spurenbreite H0 (Maßstab 1:87). Gezeigt werden verschiedene Zugtypen, von der Dampf- bis zur Diesellok.

Die Landschaften sind zum Teil der Fantasie ihrer Macher entsprungen, zum Teil der Realität nachempfunden. „Wir haben ein Modell mit der Genthiner Zuckerfabrik und dem Roßdorfer Altkanal“, erläutert Schulze und zog damit die Aufmerksamkeit der ersten Besucher auf sich. „Das passt ganz gut, so kenne ich das auch noch“, findet ein Gast aus Burg. Auch den Krakauer Bahnhof in Brandenburg haben die Modellbauer in Genthin aufgebaut. Spannend für Zuschauer sind aber nicht nur die fahrenden Züge, sondern auch die kleinen Szenen, die mit Mini-aturfiguren und Fahrzeugen, sowie kleinen Häusern und viel Liebe zum Detail aufgebaut wurden. „Hier vorn wird gerade der berühmte Zirkus Busch verladen“ erklärt Jörg Schulze. Daneben gibt es eine landwirtschaftliche Feldszene.

16 Schautafeln zeigen Kleinbahn-Historie

„Das Erntefahrzeug hat eine Panne und der Kundendienst muss kommen. Winzig klein sind manche Details, so dass die Besucher schon genau hinschauen müssen, um Vögel in den Bäumen oder einen Jäger auf dem Hochsitz zu entdecken. „Dieses Erkunden der kleinen Aufbauten macht Spaß“, meint Mario Randel aus Genthin. Man sehe manche Dinge erst beim zweiten Hinschauen. Kurios ist auch die Geschichte der Schienenbusse, die Tucheim, Ferchland und Jerichow mit den Bahnhöfen in Güsen und Genthin verbanden. Die sogenannten „Ferkeltaxen“ – wie sie der Volksmund nannte – mussten im Jahr 1998 ihren Betrieb einstellen. In der Ausstellung wird an diese besonderen Fortbewegungsmittel erinnert. 16 Schautafeln zeichnen die Historie der Kleinbahn und ihrer Bahnhöfe nach. „Wir haben auch vier Schautafeln der Ausstellung über das Eisenbahnunglück 1939 beigesteuert“, fügt Antonia Beran, Leiterin des Kreismuseums, hinzu. Das Kreismuseum hat die Schau gemeinsam mit der Brandenburger Interessengemeinschaft initiiert. „Wir stehen schon länger in Kontakt und jetzt hat sich eine gute Gelegenheit ergeben, eine kleine aber ansprechende Präsentation zu zeigen“, sagt Jörg Schulze. Die Ausstellung ist diesen Sonnabend von 10 Uhr bis 18 Uhr und Sonntag von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

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