Wernigerode l „Ich kann die Katze nicht waschen, ohne das Fell nass zu machen. Wer erwartet, dass der Stadtforst Geld erwirtschaftet, muss auch für die nötige Infrastruktur sorgen.“ Ordnungsdezernent Volker Friedrich ist merklich gereizt. In der Sitzung des Wirtschaftsausschusses geht es heftig zur Sache. Thema ist ein neuer Rückeweg am Eichberg in Wernigerode. Einige Stadtratsmitglieder sind entschieden gegen die Investition im Mühlental, darunter Jutta Meier.

„Ich habe mir am Eichbergweg angeschaut, wo der Weg entstehen soll“, berichtet die CDU-Politikerin. „Das Holz liegt günstig, der Pisseckenweg ist ganz in der Nähe. Es erschließt sich mir nicht, warum ausgerechnet dort ein neuer Weg gebaut werden soll.“ Man käme problemlos an das Holz.

Der Pisseckenweg habe ein komplett anderes Erschließungsgebiet als der geplante Eichbergweg, entgegnet Forstamtsleiter Michael Selmikat. Zudem sei das etwa 40 Hektar große Gebiet von Steilhängen durchzogen.

Loipe statt Rückweg

Statt des 1400 Meter langen Waldwegs solle in die Stadtloipe investiert werden, regt Wilfried Pöhlert (Linke) an. „Auf zehn Kilometern kostet die neue Loipe gerade einmal 50 000 Euro“, sagt er. „Gleichzeitig schaffen wir einen wunderbaren Wanderweg, der auch als Forstweg genutzt werden kann.“ Der Weg am Eichberg sei hingegen nur der Fördermittel wegen für die Verwaltung attraktiv. „Der Rückeweg verkürzt sich um gerade einmal 500 Meter. Ein Bärenaufwand für nichts. Deshalb lehne ich das ab.“ Er erinnert an die vielen Tausend Euro, die bereits ohne beschlossenen Haushalt ausgegeben wurden.

Volker Friedrich ist zuständig für den Stadtforst, der seit Januar 2015 vom Landeszentrum Wald betreut wird. Der Weg werde dringend gebraucht, sagt er. Der Fördergeldbescheid für den Bau des Weges liege vor. „Wenn wir jetzt zögern, verfällt das Geld“, warnt er. 86 200 Euro soll der Weg kosten. 30 400 Euro werden vom Land zugeschossen, 55 800 Euro muss die Stadt als Eigenanteil aufbringen. Eingespart werden 750 Euro pro Jahr an Rückekosten. Gleichzeitig sei mit Holzerlösen von 360 000 Euro in den nächsten 30 Jahren zu rechnen.

Alle zehn Jahre Waldpflege

Dass der Fördergeldantrag gestellt wurde, ohne dass der Stadtrat zuvor über das Projekt beraten hat, moniert Bernhard Zimmermann (Grüne). Wie oft man den Weg überhaupt nutzen werde, will indes Matthias Winkelmann (CDU) wissen. „Wir rechnen mit einer Nutzungsdauer von 30 Jahren“, antwortet Selmikat. Alle zehn Jahre erfolge die Waldpflege in dem Gebiet. Bei Sturm lasse sich das Holz schneller bergen, anderenfalls vermodere es und könne nicht verkauft werden. „Die Rückewege zu verkürzen, ist das Ziel“, so der Forstmann. „Und auch dieser Weg hat einen touristischen Effekt.“

Mit fünf Nein-Stimmen und vier Enthaltungen lehnt der Wirtschaftsausschuss den Weg ab. Ebenfalls mit fünf Mal Nein bei zwei Enthaltungen ist das Vorhaben auch im Finanzausschuss durchgefallen.