Hohenberg-Krusemark l Ein Mann von Klasse. Nur eine gute Hand voll Menschen folgte am Freitagabend der Einladung des Kulturfördervereins „Östliche Altmark“ ins Gutshaus Krusemark, um Dieter Wartenbergs Vortrag über Äthiopien zu lauschen. Statt enttäuscht dreinzuschauen, nutzte der 82-jährige Klietzer die Möglichkeit, um jeden Gast per Handschlag zu begrüßen. Sein Feuer für Äthiopien brennt so stark – er hätte den Vortrag auch vor einer Person gehalten, waren die Anwesenden schnell überzeugt. Äthiopien, das ist für Wartenberg nicht nur ein Land Afrikas, es ist seine große Liebe.

Ein Vortrag mit Poesie

So begann der Klietzer seinen Vortrag auch mit Poesie: „Äthiopien, du hast mein Herz berührt, die Brust erfüllt mit tiefem Sehnen...“ Und wie so oft auf dieser Welt beginne auch Äthiopiens Geschichte mit einer Frau. Der wunderschönen Königin von Saba, der Stammesmutter, die einst zu König Salomo nach Jerusalem gereist sein soll und neben dem Judentum unter ihrer Brust auch ihren Sohn Menelik mit zurückbrachte. Die Dynastie, die damit begründet wurde, reicht bis ins 20. Jahrhundert zu Haile Selassi, dem letzten Kaiser von Äthiopien – dem letzten Kaiser von Afrika. Aber über die Historie hinaus wollte Wartenberg seinen Zuhörern Äthiopien vor allem im Bilde zeigen. Dieses Land aus Landschaften, „wie sie extremer überhaupt nicht zu denken sind“. Beeindruckende Gebirge, üppigstes Grün, „wo sie keine Hand dazwischen kriegen“ und andererseits Gebiete, in denen „nichts“ ist. Außer zur Überraschung aller diverse Hirtenvölker, die irgendwie in diesen Bildern aus Himmel und trockenster Erde leben – vom Gutshaus Krusemark aus schwer vorstellbar, wie.

Religion

83 Völker, Sprachen, Kulturen, das eine Äthiopien gibt es nicht. Wenn die Äthiopier etwas eine, dann sei es ihre „unglaubliche Gläubigkeit“. Sie glauben an Allah, Gott oder die Natur. Und wenn es Hilfe gibt zum Beispiel aus den Händen von Dieter Wartenberg, wird dies auch religiös begründet. Geben die Senioren rund um Klietz Wartenberg mit, hat dies Allah oder Gott veranlasst. „Ich habe mich daran gewöhnt, sie sind so.“

Dieter Wartenberg kam 1985 das erste Mal nach Äthiopien. Ein Jahr hatte er sich gegen den Auftrag von „oben“ gewehrt, weil die Kinder nicht mitdurften. Dann ließ er sich schließlich doch breitschlagen. Die, wie er sagt, beste Entscheidung seines Lebens. Der studierte Lehrer Wartenberg war zunächst in Äthiopien, um dort unter anderem Lehrbücher, Lehrpläne mit zu entwickeln. Fortan fuhr er jedes Jahr in die Sonne, um diese „schönen, stolzen Menschen“ auf verschiedenste Art zu unterstützen und sei es durch einen Sack Mehl.

Äthiopien ist genauso eines der ältesten wie einer der jüngsten Staaten. Rund 60 Prozent der Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche. Als Wartenberg 1985 das erste Mal dort war, hatte das Land 45 Millionen Einwohner, jetzt sind es 100 Millionen!

Für die Zukunft wünscht Wartenberg dem Land vor allem eines: Dass kein westlicher Staat sich dort einmischen möge. Die aktuelle Regierung findet der Klietzer persönlich „richtig“, mit Demokratie lasse sich ein Land wie Äthiopien nicht regieren. Um noch einmal an die 83 Kulturen zu erinnern. In Kürze macht Wartenberg sich wieder zu einigen von diesen auf den Weg. Obwohl die Bevölkerung teils Hunger leidet, sei ihm in mehr als 30 Jahren noch nicht ein Cent gestohlen worden. „Sie passen gut auf mich auf.“