So tief wie bei der Insolvenz im Jahr 2002 steckt Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg zwar diesmal nicht in der Klemme, aber die Lage ist allemal ernst genug. Nachdem gestern wie erwartet Clubchef Volker Rehboldt und das gesamte Präsidium bei einer Pressekonferenz in der MDCC-Arena ihren Rücktritt bestätigten, muss nun so schnell wie möglich ein Nachfolger gefunden werden.

Magdeburg. Der Presseraum in der MDCC-Arena platzte gestern Nachmittag aus allen Nähten, als zunächst Rehboldt und dann der FCM-Aufsichtsratsvorsitzende Rüdiger Koch die Medien informierten. Zum zweiten Mal nach 2002 trat damit ein Präsidium des 1. FC Magdeburg geschlossen zurück.

Rehboldt erklärte, dass das Präsidium mit der getroffenen Entscheidung ("Das war kein Entschluss aus einer spontanen Erregung heraus") gerade auch seiner Verantwortung für die sportliche Situation Rechnung trägt: "Der Aufbau einer neuen erfolgreichen Mannschaft erfordert den Schulterschluss zwischen Fans, Mitgliedern, Sponsoren, Mannschaft und Gremien des Vereins. Wir sind der Auffassung, dass ein solcher Prozess von neuen unverbrauchten Persönlichkeiten angeführt werden muss, um zum Erfolg zu gelangen."

Dem Präsidium gehörten neben Rehboldt Vize Guido Nienhaus, die Präsidiumsmitglieder Lutz Weiß und Stephan Faßbender sowie Schatzmeisterin Cornelia-Eva Lohse an.

Rehboldt bekräftigte noch einmal die Bereitschaft des Quintetts, kommissarisch so lange im Amt zu bleiben, bis die Nachfolge geklärt ist: "Dabei spielt es keine Rolle, ob das nun drei Tage, drei Wochen oder drei Monate dauert."

Der Aufsichtsratsvorsitzende dankte dem scheidenden Präsidium vor allem für dessen Arbeit im finanziellen Bereich. Es habe eine "schwierige wirtschaftliche Ausgangsposition erfolgreich behoben und eine zweite Insolvenz verhindert".

Der Sportbeigeordnete der Stadt kündigte an, dass die Suche nach geeigneten Nachfolgern "zügig, aber in der gebotenen Gründlichkeit eingeleitet wird". Er und auch Rehboldt ließen dabei durchblicken, dass die jüngst durch Kritik am alten Präsidium in den Blickpunkt geratenen "Altinternationalen" des FCM bei der Nachfolgediskussion wahrscheinlich kaum eine Rolle spielen dürften. Rehboldt sprach von "fehlender Aufrichtigkeit". Bemängelt wurde ebenso, dass konkrete Angebote zur Mitarbeit ausgeschlagen wurden.

In der Frage des künftigen Präsidenten ging Koch ausdrücklich auch auf die Möglichkeit ein, dass sich der Aufsichtsrat mit der Option beschäftigt, erstmals einen hauptamtlichen Präsidenten zu bestellen. Dies lasse die Satzung ausdrücklich zu. Ob es auch finanziell zu stemmen sei, blieb gestern allerdings offen.

Die nächste Sitzung des plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Aufsichtsrates findet am 29. November statt. Auch der Ehrenratsvorsitzende Klaus-Dieter Runge soll daran teilnehmen. "Mich hat nicht nur der Zeitpunkt des Rücktritts überrascht, sondern auch die Entschlossenheit", sagte Runge, der schon so manche Club-Krise miterlebt hat.

Apropos Entschlossenheit: Rehboldt erklärte, dass innerhalb des Präsidiums immer Einigkeit darüber geherrscht habe, nur gemeinsam zurückzutreten. Was aber nun nicht dazu führen werde, dass man sich etwa in einen Schmollwinkel zurückziehe. Rehboldt: "Warum auch? Wir haben uns ja selber für diesen Weg entschieden. Das bedeutet ebenso, dass wir selbstverständlich an unseren Sponsorenleistungen festhalten werden."

Personelle Entscheidungen wird das "alte" Präsidium aber eben nicht mehr fällen, und wenn, dann nur unter "Absegnung" durch den Aufsichtsrat. Und das sorgt bereits im "Fall Rüdiger Bartsch" für ein gewisses Macht-Vakuum. Der in der Kritik stehende Manager, der das Stadiongelände mit Beginn der Pressekonferenz verlassen hatte, ist sowohl für den FCM als auch für die Stadionbetreibergesellschaft tätig. Und beide Seiten warten nun offenbar darauf, dass der jeweils andere handelt – wie auch immer. Koch: "Das Präsidium bleibt in dieser Frage in prioritärer Zuständigkeit."

Nicht näher geklärt ist ebenso das Schicksal von Trainer Ruud Kaiser. Bisher hatte es geheißen, er bleibe im Amt. Rehboldt und Koch lapidar: "Das war nicht Gegenstand unserer Sitzung." Meinung