Es gibt Neuigkeiten von "MiA.": Nach fünf Jahren hat die erfolgreiche Berliner Elektropop-Band um Sängerin Mieze Katz einen neuen Longplayer veröffentlicht: "Limbo". Das Album sei eine Standortbestimmung, der man das Wachsen anmerke, aber auch den Wachstumsschmerz, schreiben die Vier über sich selbst. Für den Biber sprach Reinhard Franke mit Sängerin Mieze.

Biber: Wofür steht das neue Album?

Mieze: Ehrlich gesagt steht dieses Album dafür, dass es für uns alles andere als selbstverständlich ist, nach über zwanzig Jahren Bandgeschichte noch Songs zu schreiben, die uns gefehlt haben. Die Erfahrung, dass vier so unterschiedliche Menschen so etwas Hochemotionales wie Musik gemeinsam kreieren können, ist etwas, das uns antreibt und am Leben hält.

Biber: Was bedeutet "Limbo"? Man kennt nur Grönemeyers "Mambo" ...

Mieze: "Limbo" ist ein Optimismus-Move, eine Geste, eine Verrenkung und eine Entscheidung, die uns hilft, dem Leben zu begegnen. Wir konnten uns auf diese Aussage, diesen Song und diesen Albumtitel einigen, obwohl bei uns beherzte Optimisten und notorische Zweifler aufeinander treffen.

Biber: 20 Jahre "MiA.". In der Pressemitteilung zum neuen Album wird gefragt: Wer ist man da als Band oder auch als Mensch? Die Fragen gebe ich an Sie weiter ...

Mieze: Als Band sind wir, wie schon gesagt, in erster Linie divers. Dies anzuerkennen, auszuhalten und zu gestalten ist das, was uns als Gemeinschaft ausmacht. Als Individuum in dieser Gemeinschaft hat man nach und nach gelernt, zwischen individuellem Anspruch und kollektiven Möglichkeiten zu moderieren.

Biber: Auf dem neuen Album haben Sie zum ersten Mal gemeinsam an den Texten und Songs gearbeitet. Von der Idee bis zum Vocal-Recording. Warum erst jetzt?

Mieze: Wir hatten uns durch "Reibung ist ein Grundgeräusch" Die Elektropop-Band "MiA." kommt am 11. Dezember in die Magdeburger Factory. Ein Interview mit Frontfrau Mieze. die Umstände und Erfahrungen in der Vergangenheit schlichtweg an diese Arbeitsteilung gewöhnt. Und dann hatten wir bei der Arbeit an "Limbo" das Bedürfnis, die Komfortzone aus der Vergangenheit hinter uns lassen zu wollen.

Biber: Nach 20 Jahren kann man eine Zäsur setzen. Sieben Alben. Wie zufrieden sind Sie mit sich selbst?

Mieze: Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir uns nach so langer Zeit weiterhin als Menschen, Freunde und Kreativpartner schätzen. Wir haben immer wieder gelernt, mit unserer Unterschiedlichkeit klarzukommen und dies in kreative Bahnen zu lenken. Damit sind wir noch lange nicht fertig, und das ist uns bewusst. Wenn es also etwas gibt, das uns als Band mit großer Zufriedenheit erfüllt, dann das.

Biber: In "Crash" singen Sie, dass es in Ihrem Kopf eine Liste gibt mit Dingen, die Sie an Ihrem Gegenüber stören. Was stört Sie an der Gesellschaft, die doch viel von Social Media gesteuert wird?

Mieze: "Crash" ist ein Song über den Streit. Streiten wird mitunter tabuisiert, vermieden oder unter den Teppich gekehrt. Dabei ist Streiten so wichtig. Streitkultur ist wichtig, und dafür braucht man konkrete Erfahrungen, man braucht Übung und Praxis. Wer sich streitet, kann sich auch wieder vertragen. Wer streiten gelernt hat, kann sich auch ohne Gewalt und Hatespeech behaupten. Diese Defizite begegnen uns immer wieder, digital und analog, und für unsere Gesellschaft wünsche ich mir noch mehr gegenseitige Achtung und Solidarität unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion, Hautfarbe, Sexualität oder sozialem Stand.

Biber: Es heißt, Sie brauchen als Band Konfrontationen, um kreativ zu sein. Warum?

Mieze: Keiner von uns will ein "MiA."-Album alleine machen. Wir brauchen einander also. Wenn aus vier verschiedenen Ecken vier verschiedene Ideen angeflogen kommen, muss das ja moderiert werden. Wir wollen die Konfrontation ja nicht um der Konfrontation willen, sondern diese Reibung ist ein selbstverständliches Grundgeräusch unserer alltäglichen kreativen Arbeit.

Biber: 2000 starteten auch "Wir sind Helden", die seit 2012 auf unbestimmte Zeit pausieren. Warum ist dieser Kelch an Ihnen vorbeigegangen?

Mieze: Dieser Kelch ist deshalb an uns vorbeigegangen, weil wir es irgendwie geschafft haben, uns auf eine Pause auf bestimmte Zeit zu einigen, bevor wir eine Pause auf unbestimmte Zeit brauchen.

Biber: Wie schaffen Sie es als Band, nach 20 Jahre noch weiter die Spannung aufrecht zu erhalten?

Mieze: Yoga, Zuhören, ausreichend Flüssigkeit und ab und zu zusammen an den See, ans Meer oder ins Freibad.

Biber: Was für Träume und Wünsche haben Sie für die Zukunft? Mieze: Noch viele gemeinsame Tage am See, am Meer, im Freibad und auf der Bühne.