Regensburg (dpa) - 25 Jahre lang hat Domkapellmeister Roland Büchner (65) den Chor der Regensburger Domspatzen geleitet. Zum Schuljahresende geht der Kirchenmusiker in den Ruhestand. Wer ihn im Amt beerben wird, ist noch nicht bekannt.

Im Februar haben sich acht von 40 Bewerbern einer Jury gestellt. Auch die Sänger durften die ihre Einschätzung zu den Kandidaten abgeben, wie Büchner berichtet. Unter ihnen waren auch Frauen - es könnte also erstmals in der mehr als 1000-jährigen Geschichte des Chores eine Domkapellmeisterin die Leitung übernehmen.

Büchner trat 1994 die Nachfolge von Georg Ratzinger - Bruder des früheren Papstes Benedikt XVI. - als Domkapellmeister an. Eines seiner Ziele war es, die traditionsreiche Institution mit der Zeit gehen zu lassen. "Ich glaube schon, dass ich sagen kann: Ich habe das Haus geöffnet."

Das gelte zum Beispiel für die Kinder aus dem Regensburger Umland. Früher hätten alle Chorknaben, die mehr als zehn Kilometer entfernt wohnten, in das Internat gehen müssen. Das waren etwa 90 Prozent der Domspatzen. Heute stammten die meisten Schüler aus der Umgebung und wohnten weiter in ihren Familien. 115 der knapp 300 Gymnasiasten besuchen heute das Internat. Büchner sieht hier einen Trend, der nicht neu ist. Familien, die ein oder zwei Kinder haben, schickten diese nicht mehr in ein Internat.

Auch mit anderen Maßnahmen versuchte er, mehr Schüler zu gewinnen. Die abendlichen Chorproben verlegte Büchner in den Nachmittag - um den Tagesschülern entgegenzukommen. Den wöchentlichen Unterricht am Samstag kürzte er auf einen 14-tägigen Rhythmus. Damit sich der Familienalltag leichter mit dem der Domspatzen vereinbaren lässt.

Den Skandal um Missbrauch und Misshandlungen bei den Domspatzen zwischen 1945 und den frühen 1990er Jahren sieht Büchner nicht als entscheidenden Grund für rückläufige Schülerzahlen. Die Schule setze alles daran, dass sich solche Fälle nicht wiederholen. So gibt es seit einigen Jahren einen Arbeitskreis Prävention, in dem Schüler, Eltern und Lehrer für das Thema sensibilisiert werden. Der 2017 vorgelegte Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal zeigte, dass mindestens 547 Chorsänger Opfer von Gewalt geworden sind.

Die Kinder fürs Singen zu begeistern sei nicht schwieriger als in früheren Jahren, sie hätten lediglich weniger Singerfahrung, sagt Büchner. Er sieht im Singen keine Arbeit. Sein Credo lautet: "Singen ist die sinnvollste Freizeitbeschäftigung."