Hamburg (dpa) - Als Traum von China oder Chinesischen Traum bezeichnete Staatspräsident Xi Jinping 2012 seine Vision einer großen nationalen Renaissance Chinas. In Ma Jians aktuellem Roman wird daraus eine Orwellsche Dystopie.

Der Karrierist Ma Daode, Direktor des neu geschaffenen Traum-von-China-Amtes, will die Überwachung auf die Spitze treiben: Jeder Bürger soll einen Chip implantiert bekommen, durch den der Staat Gedanken und Träume kontrolliert. Eigentlich möchte der Parteibürokrat dadurch sich selbst helfen. Denn er hofft, so seine quälenden Alpträume aus der Zeit der blutigen Kulturrevolution zu vertreiben.

Als er die Provinz besucht, zeigt ihm die Bevölkerung, dass seine Schandtaten von einst keineswegs vergessen sind. Ma Jians Bücher dürfen seit 30 Jahren nicht in China erscheinen. Auch das neueste Werk des in London lebenden Autors ist wieder eine beißende Kritik an der kommunistischen Diktatur. Es ist ein düsteres Buch, das von der Deformierung des Individuums durch ein gewalttätiges, kontrollwütiges Regime erzählt.

- Ma Jian: Traum von China. Rowohlt Verlag, Hamburg, 290 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-498-00107-0.

Traum von China