Stuttgart (dpa) - Ausgerechnet Volkswagen muss gleich zu Anfang des Buches als negatives Beispiel herhalten. Wie konnte der einst so vorsichtige Automobilhersteller sich in ein Großunternehmen verwandeln, das mit Raffinesse zynisch seine Kunden täuschte?

Die Antwort sieht Jonathan Aldred im Verfall der Unternehmenskultur, die sich, ganz nach Vorgabe herrschender Ökonomen, nur noch der Profitsteigerung verpflichtet fühlt. In seinem Buch "Der korrumpierte Mensch" geht der britische Wirtschaftsprofessor hart mit seiner Zunft ins Gericht. Die Ökonomie, schreibt er, hätte in den letzten Jahrzehnten die Rolle einer Religion eingenommen, mit fatalem Einfluss auf die moralischen Standards der Gesellschaft.

Egoistische Verhaltensweisen zum Schaden der Gemeinschaft seien legitimiert worden. Aldred zeigt an verschiedenen Aspekten die Dominanz bekannter marktradikaler Ökonomen auf. Mit seiner schonungslosen Analyse reiht er sich ein in einen aktuellen Trend kritischer Auseinandersetzung mit dem Erbe des Neoliberalismus.

- Jonathan Aldred: Der korrumpierte Mensch. Die ethischen Folgen wirtschaftlichen Denkens, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 432 Seiten, 25,00 Euro, ISBN 978-3-608-98237-4.

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Der korrumpierte Mensch