Berlin (dpa) - Wo bleibt in der heutigen Welt eigentlich der Mensch, mit seinen echten Gefühlen und Bedürfnissen? Diese Frage stellt ein neues Stück am Berliner Maxim-Gorki-Theater.

Dramatiker Heiner Müller (1929-1995) brauchte für "Herzstück" gerade einmal 14 Textzeilen. Regisseur Sebastian Nübling macht daraus einen wilden Abend mit Kostümen und pumpendem LED-Herz.

Auf der Bühne stehen sieben Clowns, die mit Akkuschraubern, Flummis und Staubsaugerrobotern hantieren. Im Kern geht es um die Frage, was Arbeit eigentlich für den Menschen bedeutet - und mit den Menschen macht. Das funktioniert auf ziemlich unterhaltsame, ironische Art. Sehenswert auch: ein Monolog der Schauspielerin Vidina Popov.

Nübling nutzt dazu Sprachenmischmasch ("I fucked it totally up"/"Ich hab's total verschissen") und viel Musik. Nach dem Besuch jedenfalls kann man vielleicht nicht mehr ganz so unschuldig zuhören, wenn einen Nat King Cole in seinem auch in dem Stück gespielten Lied "Smile" dazu auffordert, doch einfach nur zu lächeln, auch wenn einem nach Weinen zumute ist.

Das Gorki-Theater ist mit der neuen Inszenierung am Samstagabend nicht nur in die neue Spielzeit gestartet, sondern hat auch eine neue Spielstätte eröffnet. Der Container soll nach derzeitiger Planung bis Ende 2020 als dritte Bühne dienen. Die anderen Spielstätten sind immer mal wieder wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Maxim Gorki Theater