Düsseldorf (dpa) - Jedes Kind kennt diesen Verbrecher: Stoppelbart, schwarzer Hut und Stachelbeine - das ist der Räuber Hotzenplotz. Vor mehr als einem halben Jahrhundert erschien der erste von drei Bänden.

Doch die Tochter des Autors Otfried Preußler hat im Nachlass ihres Vaters Stoff für einen neuen Band entdeckt. Den gibt es seit ein paar Monaten als Buch. Jetzt kommt "Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete" erstmals auf die Theaterbühne. Als das Angebot der Uraufführung kam, hat das Düsseldorfer Schauspielhaus zugegriffen.

Am 11. November ist es soweit. Die Erzählung vom großspurigen Ganoven, dem gescheiten Kasperl und dem gutgläubigen Seppel wird zum großen Theater. Der Schriftsteller John von Düffel hat die Bühnenfassung geschrieben und ganz offenkundig Spaß gehabt an dieser Geschichte vom "gefährlichsten Räuber im Landkreis, Umkreis und Erdkreis".

Es sei die willkommene Gelegenheit gewesen, noch einmal in die Welt der Preußler-Figuren zu reisen, berichtet der 52 Jahre alte Düffel, der den Hotzenplotz selbst aus Kindertagen kennt. Das Stück spielt nach der ersten triumphalen Gefangennahme des Räubers durch Kasperl und Seppel. Denn kaum ist Hotzenplotz gefangen, bricht er wieder aus. "Kasperl und Seppel versuchen, den entflohenen Räuber in die Falle zu locken, indem sie ihm vorschwindeln, sie hätten eine Mondrakete, mit der man alles Silber vom Mond holen kann", erzählt der Autor. Natürlich will der bärtige Räuber den Schatz haben.

Regisseur der Uraufführung ist Robert Gerloff. Über das Stück sagt der 35-jährige Theatermann: "Das ist ein reicher Schatz, obwohl es nur fünf Figuren sind." Seppel naiv, Kasperl schlau, der Räuber fast ein bisschen einsam, Dorfpolizist Dimpfelmoser überfordert. Mit der Großmutter sind die fünf Personen im Stück komplett.

Musik spielt eine große Rolle. Jede Person hat ein eigenes Lied. Die Musiker bleiben die ganze Zeit auf der Bühne, sie stehen verkleidet in der Kulisse. Er suche nach einer Form von Kasperletheater auf der Bühne mit echten Schauspielern, sagt der Regisseur.

Sein Anspruch: "Den Sechsjährigen soll es gefallen und den 96-Jährigen." Kindersprache gibt es nicht, nicht alles soll kleingekaut werden. "Kinder können tausendmal mehr als ihnen zugetraut wird", sagt Gerloff.

Das Wort "Schwammerlsuppe", das man außerhalb Bayerns als Pilzsuppe kennt, ist geblieben. "Ich wollte den Preußler-Ton erhalten und habe mich bei allem, was hinzuerfunden werden musste, eng an die Sprache des Originals gehalten", berichtet Schriftsteller Düffel. Er hat den 60 Seiten dicken Band von Räuber Hotzenplotz und der Mondrakete um einige Lieder und Szenen erweitert.

Das Schauspielhaus Düsseldorf bringt den neuen Hotzenplotz als Kinder- und Familienstück auf die Bühne. Etwa 50 Vorstellungen sind geplant. Die erste und die letzte Szene hat immer - wie kann es anders sein - der Räuber. Der Bösewicht wird auch veräppelt, als Holtzenkopf, Rotzentropf, Dotzenkopf. Er schwört: "Rach-he!"

Theater zur Uraufführung

Interview mit Preußler-Tochter zum neuen Stück

Otfried Preußler