Seehausen l In der lange von Corona verschonten Verbandsgemeinde Seehausen ist die Pandemie "angekommen". Mittlerweile gibt es die schweren Treffer, die deshalb besonders schmerzhaft sind, weil sie das öffentliche Leben in Gefahr bringen.

Donnerstagabend bestätigten sich erst die Verdachtsfälle vom Wochenende in der Grundschule Seehausen, womit nicht nur die Klasse 1 b, sondern auch die Schüler der 4 b zur häuslichen Quarantäne verdammt sind.

Genau die beiden Klassen hatte Rektor Reinhard Rieger inklusive Lehrern schon am Montag gebeten, zu Hause zu bleiben, war aber vom kreislichen Gesundheitsamt zurückgepfiffen worden (wir berichteten). Gestern Vormittag überschlugen sich dann die Ereignisse. Der Landkreis wies für die komplette Einrichtung Quarantäne an.

Kloth ordnet Quarantäne an

Weil die Verbandsgemeinde nicht mehr auf den Testbericht bei zwei Kindern mit auffälligen Symptomen warten wollte, ordnete Bürgermeister Rüdiger Kloth (Freie Wähler) für gestern auch die Quarantäne von zwei Gruppen der Seehäuser Kita Lindenpark an, um der Virus-Infektion im Ernstfall keinen Vorschub zu leisten. Eine Maßnahme, die 24 der 70 derzeit im Lindenpark betreuten Mädchen und Jungen, aber ebenso auch deren Familien betrifft, bei denen Kloth um Verständnis bittet. Spätestens Montag werde die Sache neu bewertet.

Was dem ersten Verwaltungsbeamten bei den Kindern zu lange dauerte und er mit dem Einverständnis des Elternkuratoriums und auch auf fachärztlichen Rat umsetzte, funktionierte für die Kommunalbehörde offenbar schneller.

Im Rathaus der Hansestadt gibt es den ersten bestätigten Corona-Fall, der direkte Folgen für Kloth hat. Für den Verbandsgemeindebürgermeister wurde als sogenannte Kontaktperson Quarantäne verhängt. Der Auloser leitet die Verwaltung ab sofort von zu Hause aus.

Virus "mitten unter uns"

Stand Freitag gab es im Raum Seehausen 21 neue Corona-Fälle in den vergangenen sieben Tagen. Tendenz kräftig steigend, befürchtet Kloth, der davon ausgeht, dass das Virus trotz dünn besiedelter Region „mitten unter uns“ angekommen ist. Und das, obwohl sich die allermeisten Leute vor Ort an die Hygieneregeln halten würden, worauf er auch ein Stück weit stolz sei, so das Gemeindeoberhaupt.

Leider seien die Meldewege von den Testlaboren über den Landkreis bis zu den Betroffenen sehr lang geworden und eine Rückverfolgung von Kontaktpersonen zur schnellen Unterbrechung von Infektionsketten angesichts stark steigender Zahlen durch das Gesundheitsamt nicht mehr immer möglich. Wodurch die Verbandsgemeinde erst Tage später und dann sehr wahrscheinlich zu spät mit sinnvollen Maßnahmen reagieren könne, monierte Kloth. Und machte dabei deutlich, dass er für dieses Manko im digitalen Informationszeitalter nicht immer Verständnis habe.

Verständnis kommt ihm übrigens auch abhanden, wenn sich Leute, die infiziert sind oder sich in Quarantäne begeben müssen, angefeindet würden. Vor Corona sei niemand gefeit, so Kloth, der gestern keine Symptome zeigte und auch nicht davon ausgeht, dass er sich angesteckt hat.